Darum gehts
- Ein spezieller Bus in Baden fährt ohne festgelegtes Ziel
- Fahrgäste teilen Gedanken statt Tickets, Schwarzfahrer sind ausdrücklich willkommen
- Das Pilotprojekt Linie Null läuft bis 16. Mai 2026
Bei ihrem neusten Projekt gilt das Motto «der Weg ist das Ziel»: Die St. Galler Konzeptkünstler Frank und Patrik Riklin (beide 52) spannten dafür mit den regionalen Verkehrsbetrieben Baden-Wettingen (RVBW) und dem Zukunftslabor zusammen.
Wie es in einer Medienmitteilung der RVBW heisst, hält seit vergangenem Donnerstag ein ganz besonderer Bus an der Haltestelle Bahnhof Ost in Baden AG. Wer in die «Linie Null» einsteigt, weiss nicht, wohin der Bus fährt. Stattdessen steht «der Mensch und das Ungeplante im Zentrum», sagen die Riklin-Brüder.
Bus als soziale Begegnungszone
So wird der Bus zu einem Ort für unübliche Begegnungen, überraschende Gespräche und neue Perspektiven. Er soll den Menschen dabei helfen, ihre Wahrnehmung zu schärfen und offen für Interaktionen zu werden. Damit möchten die Brüder dem Optimierungswahn und Druck der modernen Gesellschaft eine radikale Gegenidee entgegenbringen.
Auch der Stadtammann Markus Schneider findet an dem Projekt Gefallen. Laut ihm ist die Linie Null «eine Einladung zum Abenteuer, zum vermeintlichen Umweg und zur Stärkung sozialer Verbundenheit». Und weiter: «Eine offene Gesellschaft ist der Nährboden für eine zukunftsfähige Stadt.»
Schwarzfahrer sind willkommen
Wer selbst Lust auf eine Fahrt hat, hat laut Fahrplan noch bis zum 16. Mai die Möglichkeit dazu. Das dreiwöchige Pilotprojekt dient als Erfahrungssammler und wird bei positiver Resonanz möglicherweise auch auf andere Verkehrsbetriebe ausgeweitet. Auch Schwarzfahrer dürfen einsteigen. Statt Tickets werden stichprobenartig Gedanken der Fahrgäste zur «Linie Null» gesammelt.