Darum gehts
- Winterthurer Busfahrer drohen mit unbefristetem Streik ab 18. März
- Forderung nach faireren Einspringerdiensten und höheren Nachtzuschlägen ab 20 Uhr
- Nur 20 von 60 Bussen fuhren beim Warnstreik am 3. März
Den Busfahrerinnen und Busfahrern in Winterthur reichts. Sie sind unzufrieden mit ihren Arbeitsbedingungen – und setzen sich zur Wehr. Anfang März kam es deshalb bereits zu einem Warnstreik, während vier Stunden legten die Angestellten von Stadtbus Winterthur ihrer Arbeit nieder. Jetzt drohen sie damit, erneut zu streiken – dieses Mal unangekündigt und unbefristet, wie die Gewerkschaft VPOD in einer Mitteilung ankündigt.
Diesen Schritt beschlossen die Mitarbeitenden von Stadtbus Winterthur bei ihrer Personalversammlung am Donnerstagabend. Verbunden ist die Streik-Androhung mit einem Ultimatum: «Genug der leeren Worte», heisst es in der Mitteilung. Konkret: Die Chauffeurinnen und Chauffeure geben dem zuständigen Stadtrat Stefan Fritschi (FDP, 54) bis kommenden Mittwoch Zeit, um «ernst gemeinte Verbesserungen der Arbeitsbedingungen zu präsentieren».
Das sind die Forderungen der Busfahrer
Konkret fordert das Buspersonal fairere Lösungen für Einspringerdienste. Denn: Erst am Vortag würden die Busfahrer und -fahrerinnen jeweils erfahren, ob sie am Folgetag Dienst hätten oder nicht. Auch sollen die Zuschläge für Nacht- und Sonntagsarbeit angepasst werden. Einen Zustupf gibts derzeit erst ab 22 Uhr – und nicht wie bei anderen ÖV-Betreibern ab 20 Uhr. Zudem verlangen die Chauffeure, dass ihr Arbeitgeber die Minuszeiten abschafft.
Wie ernst es den Busfahrern ist, demonstrierten sie beim ersten Streik am 3. März. Von 4.30 bis 8.30 Uhr waren bloss 20 der ansonsten 60 Busse in Winterthur unterwegs. «Wenn jetzt nichts geht, streiken wir einen ganzen Tag», sagte damals ein Streikender zu Blick.
Keine Lösung bei bisherigen Verhandlungen
Seit dem Warnstreik ist es zu Verhandlungen zwischen der Stadt und dem Buspersonal gekommen. Am Dienstagabend traf sich eine städtische Delegation aus Stefan Fritschi, Stadtpräsident Michael Künzle (Mitte, 61), Finanzvorsteher Kaspar Bopp (SP, 49) und Stadtbus-Vertretern mit dem VPOD. Man habe «ein konkretes, realistisches und faires Angebot zur Lösungsfindung» unterbreitet, heisst es in einer Medienmitteilung des Stadtrats. Gleichzeitig betont dieser, dass die gestellten Forderungen nicht von einem auf den anderen Tag umsetzbar wären.
Auf Seite der Stadtbus-Angestellten kommen die Vorschläge der Stadt schlecht an: «Aus unserer Sicht sind das Scheinverhandlungen, um Zeit zu gewinnen. Bislang haben wir keinen Willen für ein echtes Angebot auf unsere Anliegen erhalten», wird Busfahrer Christian Reisacher in der VPOD-Mitteilung zitiert.
Eskaliert der Streit in Winterthur nun also komplett? Einen unangekündigten und zeitlich unbefristeten Streik gab es in der Schweiz fast nie. Noch kann dieser aber abgewendet werden. Beide Seiten sind weiterhin gesprächsbereit.