Darum gehts
- Chauffeure in Winterthur ZH streiken seit frühmorgens für bessere Arbeitsbedingungen
- Nur 20 Busse statt üblichen 60 im Einsatz während Streik
- Über 100 Versammelte fordern Änderungen, Frist bis 10. März gesetzt
Veloparkplätze am Winterthurer Hauptbahnhof sind an diesem Dienstagmorgen noch begehrter als sonst. Der Grund: Seit 4.30 Uhr morgens haben die Chauffeure und Chauffeurinnen von Stadtbus Winterthur ihre Arbeit niedergelegt. Sie stehen im Streik – und wollen sich bessere Arbeitsbedingungen erkämpfen.
Der Streik dauerte bis 8.30 Uhr – bis dahin sollten in Winterthur keine Busse verkehren, so der Plan. Tatsächlich war aber rund ein Drittel der üblichen Flotte im Einsatz, wie Stadtbus auf Anfrage von Blick bestätigt. Sprich: Normalerweise stünden 60 Fahrzeuge im Einsatz, aktuell seien es etwa 20, erklärt ein Sprecher. Manche Linien fallen demnach komplett aus. Andere – mehrheitlich die Hauptlinien – verkehren mit einem «teilweise stark reduzierten Angebot». Den Fahrgästen empfehle man, den Fahrplan zu konsultieren und mehr Reisezeit einzuplanen.
«Stimmung ist ruhig, aber intensiv»
Organisiert wird der Streik von der Gewerkschaft Vpod. «Die Stimmung vor Ort ist im Moment ruhig, aber intensiv», sagt Gewerkschafterin Ronja Jansen gegenüber Blick. Vor dem Stadtbus-Busdepot an der Grüzefeldstrasse haben sich an diesem Morgen mehr als 100 Leute versammelt. Darunter sind Gewerkschafter und Angestellte von Stadtbus, aber auch Führungsmitglieder – und viele Medienschaffende. «Ich bin beeindruckt, wie viele heute hier zusammengekommen sind», schildert Jansen ihre Eindrücke.
Unter anderem fordert das Buspersonal fairere Lösungen für Einspringerdienste. Auch sollen die Zuschläge für Nacht- und Sonntagsarbeit angepasst werden. Einen Zustupf gibts derzeit erst ab 22 Uhr – und nicht wie bei anderen ÖV-Betreibern ab 20 Uhr.
Stadtrat offenbar für Zugeständnisse bereit
An diesem Dienstag vor Ort ist auch der Winterthurer Stadtrat Stefan Fritschi (53, FDP), der für Stadtbus zuständig ist. Nachdem dieser laut dem «Tages-Anzeiger» frühmorgens das Busdepot verlassen hatte, nachdem er persönlich beleidigt wurde, ist er nun offenbar zu Zugeständnissen bereit – zumindest bei den Einspringerdiensten.
Nach Angaben der Gewerkschaft habe sich Fritschi kurz vor Ende des Streiks zusammen mit einer Gruppe von Angestellten in ein Bürogebäude beim Busdepot zurückgezogen, um Gespräche zu führen. Zu früh will sich Jansen darüber aber nicht freuen: «Wir wissen noch nicht, ob wirklich auf unsere Forderungen eingegangen wird – oder ob es wieder nur Beschwichtigungsversuche geben wird.» Die Gewerkschafterin hofft jedoch, dass sich diesmal tatsächlich etwas tut. «Darauf haben die Angestellten lange genug gewartet.»
Trotz grossem Andrang – Chauffeure haben sich mehr erhofft
Ähnlich tönt es auch von den Stadtbus-Fahrern, wie Blick vor Ort erfährt. «Wir hätten mehr erwartet», bilanziert ein Buschauffeur. «Wenn jetzt nichts geht, streiken wir einen ganzen Tag», sagt ein anderer – «Der Warnstreik heute war erst der Anfang.» Die Menge skandiert: «Fritschi, Fritschi, Finger aus dem Arsch.»
Die Gewerkschafter und Chauffeure haben beschlossen: Fritschi und Stadtbus wird bis nächsten Mittwoch eine letzte Frist gesetzt, um den Forderungen nachzukommen. Gibts keine Verhandlung, wollen die Chauffeure unangekündigt einen ganzen Tag lang streiken. «Fritschi, lenk i!», schallt es.