Darum gehts
- Kinderkrippe Schnäggliparadies in Oftringen AG schliesst, Eltern fordern Geld zurück
- Kita-Chefin verweist Eltern ans Konkursamt und schweigt zu verschwundenen Geldern
- Depotzahlungen von 500 Franken unklar, Abholung persönlicher Gegenstände möglich
Die Nachricht kam für die betroffenen Eltern vergangene Woche Knall auf Fall: Die Kinderkrippe Schnäggliparadies in Oftringen AG ist ab sofort geschlossen. Der Betrieb ist in Konkurs, ihre Kinder müssen woanders betreut werden. Besonders bitter für die betroffenen Eltern: Über die Schliessung wurden sie erst am Vorabend informiert. «Es hat uns schockiert», sagt ein Vater.
Doch nicht nur das, es geht auch um verschwundenes Geld!
Die Vorwürfe der Eltern gegenüber der Inhaberin sind entsprechend heftig: Silvia F.* (56) soll Betreuungsrechnungen verschickt haben, obwohl sie schon vom drohenden Konkurs gewusst hat. Auf Nachfrage von Eltern, die schon bezahlt hatten, ob sie ihr Geld wieder kriegen, soll die Kita-Chefin nicht einmal mehr Antwort gegeben haben, wie sie gegenüber Blick erzählten. Sogar die Gemeinde Oftringen suchte die Kita-Chefin vergebens. Und die Kita-Leiterin? Die schwieg zu den Vorwürfen. Auch gegenüber Blick hat sie bisher keine Fragen beantwortet.
Konkursamt soll es richten
Doch nun hat Silvia F. beschlossen, ihr Schweigen zu brechen. Blick liegt ein E-Mail vor, das F. an mehrere Eltern geschickt hat. Als Erstes verweist F. an das Konkursamt Aargau und ein entsprechendes Forderungsformular. «Bitte nehmt Euch die Zeit, dieses sorgfältig durchzulesen und die notwendigen Schritte einzuleiten», so Silvia F. Heisst: Eltern, die Geld zurückwollen, müssen den offiziellen Weg gehen. So wie Zeljko Obradovic (39), der 3000 Franken für den Juni bezahlt hat.
Dann spricht Silvia F. die Juni-Rechnungen an. «Wir verstehen den Unmut vieler Eltern bezüglich der bereits versendeten Juni-Rechnungen vollständig und nehmen dieses Anliegen sehr ernst», schreibt sie. «Nach der sorgfältigen Prüfung aller Optionen und dem Entscheid zur Schliessung haben wir umgehend Kontakt mit den zuständigen Stellen aufgenommen und Euch als Eltern so schnell wie möglich informiert.» Die Forderungseingabe beim Konkursamt sei der offizielle Weg, um diese und weitere finanzielle Anliegen geltend zu machen.
Was mit dem Geld, das F. einkassiert hat, passiert ist, lässt die Kita-Leiterin offen. Auch der Verbleib der Depotzahlungen von 500 Franken ist unklar. Zum Aus des Betriebs schreibt Silvia F.: «Die Schliessung ist das Ergebnis eines Zusammentreffens verschiedener Umstände, die sich in sehr kurzer Zeit zugespitzt haben.» Vor allem habe es an Personal gefehlt, das habe schlussendlich zur Schliessung geführt.
Hassnachrichten und Drohungen
Ihre persönliche Situation beschreibt Silva F. im E-Mail als schwierig. Sie bekomme derzeit sehr viele Nachrichten, und ihr sei bewusst, wie tief diese Situation alle treffe: «Euch als Eltern, Eure Kinder, das Team und auch mich persönlich.»
Und weiter: «Aufgrund der aktuellen Lage, mit Anfragen von Journalisten sowie Hassnachrichten und Drohungen, die mich persönlich erreichen, bin ich gezwungen, meine Persönlichkeitsrechte zu wahren. Dennoch nehme ich Eure Anliegen zur Kenntnis.»
F. schreibt, sie habe die Kinderkrippe Schnäggliparadies als alleinerziehende Mutter, mit viel Mut, Herzblut und Zuversicht aufgebaut. «Mein Ziel war es, nicht nur meinen eigenen Kindern ein sicheres und liebevolles Zuhause zu schaffen, sondern auch Euren Kindern, Euch als Eltern und meinem Team einen Ort zu geben, dem Ihr von ganzem Herzen vertrauen könnt», so Silvia F. «Diese Kita war nicht einfach ein Unternehmen. Sie war mein Lebenswerk.»
Allerdings zeigen Blick-Recherchen: Silvia F. hat bereits zweimal eine Kita an die Wand gefahren. Eine in einem anderen Kanton und eine in Rothrist AG. Entsprechend klein ist das Verständnis der Eltern für die Erklärungen der Kita-Leiterin.
Eltern können Sachen der Kinder abholen
Wenigstens können die Eltern nun die persönlichen Sachen ihrer Kinder zurückbekommen. In Absprache mit den zuständigen Behörden habe es die Bestätigung gegeben, die persönlichen Gegenstände in der Gartenbox ausserhalb der Kita zur Abholung bereitzustellen, so Silvia F. Das soll bis kommenden Sonntag geschehen.
Zum Schluss schreibt Silvia F.: «Ich habe die Entscheidung, die Kita zu schliessen, als Geschäftsführerin getroffen, und stehe dazu, mit allen Konsequenzen, die sie mit sich bringt. Ich nehme Eure Sorgen ernst und werde mein Bestes tun, soweit mir dies in der aktuellen Situation möglich ist.» Dann verabschiedet sie sich mit herzlichen Grüssen. Den Eltern, die auf ihr Geld warten, dürfte das wenig bringen.
* Name geändert