Darum gehts
- Deutscher (28) belästigte seit Mai Kinder in Mellingen AG – verhaftet
- Er beging auch Diebstähle, Polizei klärt psychologische Gefährlichkeit ab
- Festnahme am 27. Juni in Aarau, Eltern und Kinder sind erleichtert
Der Fall um den Deutschen (28), der seit Wochen im Bezirk Baden AG Schulkinder angesprochen hatte und nun verhaftet wurde, lässt die Menschen in den betroffenen Gemeinden aufatmen. Vor allem in Mellingen AG, wo er zuletzt aktiv war, zeigt man sich erleichtert. «Ich bin froh, dass man ihn erwischt hat», sagt Silvia Bänziger (54), Geschäftsführerin vom Restaurant Stadttörli. «Ich bin aber auch dankbar für alle Mütter, dass ihre Kinder jetzt in Sicherheit sind.»
Der Fall ist bereits seit Ende Mai in den Köpfen der betroffenen Menschen präsent. Bei einem Schulhaus in Mellingen AG sprach der zuerst Unbekannte laut der Kantonspolizei Aargau «mehrere Kinder an und wollte, dass diese mit ihm mitkommen». Sofort wurde nach ihm gefahndet. Mit Erfolg: Der Verdächtige konnte identifiziert werden. Es stellte sich heraus: Er lebt zwar im Aargau, hat aber derzeit keinen festen Wohnsitz. Der Mann wurde überprüft und erhielt eine Wegweisung für das besagte Schulareal.
Beitrag in sozialen Medien sorgte für Aufregung
Doch der Deutsche geriet im Juni erneut durch unangebrachtes Benehmen sowie wegen verschiedener Delikte negativ in Erscheinung. Laut Informationen von Blick soll er nicht nur Kinder angesprochen haben, sondern auch Diebstähle begangen haben. Dies sorgte in Mellingen und Umgebung, so die Kapo Aargau weiter, «für erhebliche Verunsicherung». Denn: Ein Beitrag in den sozialen Medien, samt Foto des Mannes, verbreitete sich unkontrolliert und sorgte an Schulen und bei Eltern «zusätzlich für Aufregung».
Roland Huber (72), Rentner aus Wohlenschwil AG, sagt: «Ich finde es total daneben, was der Mann getan hat. So etwas geht gar nicht. Da muss man wirklich eingreifen und solche Leute sofort aus dem Verkehr ziehen.»
Vor wenigen Tagen verhaftet
Nun hat die Kapo Aargau den Beschuldigten vor wenigen Tagen verhaftet, und die Staatsanwaltschaft Baden hat beim Zwangsmassnahmengericht Untersuchungshaft für ihn beantragt. Laut Kapo soll damit «auch psychiatrisch geklärt werden können, ob vom Betroffenen eine Gefahr für die Öffentlichkeit ausgeht».
Luciana Profeta (27), Pflegefachfrau aus Dättwil AG, sagt: «Es ist sicher gut, dass man ihn jetzt psychologisch abklärt.» Wegsperren müsse man ihn ja nicht gerade. «Leider gibt es diese Krankheitsbilder. Aber es gibt meistens auch eine konkrete Behandlung dazu.»
Was suchte er am Bahnhof Aarau?
Die Stadttörli-Geschäftsführerin Silvia Bänziger wünscht sich hingegen, «dass er richtig abgeklärt wird und nicht mehr so schnell rauskommt.» Angela Buttino (49), Sachbearbeiterin aus Mellingen, ergänzt: «Man hat schon Angst, wenn man hört, was der Mann gemacht haben soll. Man denkt dann, das kann jedem passieren.»
Recherchen von Blick zeigen, wie ernst die Polizei die Sache nahm: Der Mann wurde nach den letzten Vorfällen in Mellingen im Fahndungsregister ausgeschrieben und letzten Samstag bei einer Personenkontrolle festgenommen – am Bahnhof in Aarau. Sein Aufenthaltsort war jedoch in einer Gemeinde im Bezirk Baden. Suchte er etwa in Aarau seine nächsten Opfer, um sie anzusprechen?
Grosse Verunsicherung bei Kindern und Eltern
Gerade deshalb sind viele Menschen erleichtert. Wie der Lehrling Timofey Shepel (17) aus Wettingen: «Ich bin froh, dass er verhaftet wurde und solche Sachen weniger geschehen. Und dass die Menschen, die solche Sachen machen wollen, auch sehen, was die Folgen davon sind.»
Bernhard Graser von der Kapo Aargau sagt: «Diese Geschichte zeigt exemplarisch, wie solche Vorfälle bei Kindern und Eltern grosse Verunsicherung auslösen. Umso mehr sind wir bestrebt, die Umstände rasch zu klären sowie Verdächtige zu identifizieren und nötigenfalls gegen sie zu ermitteln.»
Anders als im vorliegenden Fall bestehe bei diesem Thema oft das Problem, dass sich die Schilderungen von Kindern nicht überprüfen liessen, sagt Graser weiter. «Und falls doch, zeigt sich zuweilen eben auch, dass Kinder eine harmlose Alltagssituation falsch interpretierten.»
Von privaten Warnmeldungen absehen
Bei allem Verständnis für die Sorgen der Eltern appelliere man dazu, von privaten Warnmeldungen auf sozialen Medien abzusehen. Graser: «Diese verbreiten sich unkontrolliert und steigern die Verunsicherung bloss.» Besonders heikel sei es, Fotos von vermeintlichen Tätern ins Netz zu stellen. Allzu schnell könne dadurch eine unbescholtene Person «völlig zu Unrecht am viralen Pranger landen». Daher rät die Polizei vielmehr dazu, den Kindern die allgemeinen Verhaltensregeln im Umgang mit erwachsenen Personen sachlich und unaufgeregt zu erklären.
Federica Marino (22), Elektroplanerin aus Mellingen, hat zwar noch keine Kinder, sagt aber: «Ich kann mir vorstellen, wie erleichtert die Mütter jetzt sind, dass ihre Kinder nicht mehr von fremden Leuten angesprochen werden können und sie sich jetzt ein bisschen sicherer fühlen können.»