Aargauer Maurer Rrustem Hysenaj (38) zieht Senior (71) aus der Aare – in letzter Sekunde
«Er war unterkühlt und zitterte am ganzen Körper»

Auf dem Weg zur Arbeit wird Rrustem von einem Mann angehalten. Dieser sagt ihm, er brauche Hilfe, einen älteren Mann aus der Aare zu ziehen. Rustrem zögert nicht, als er den Ernst der Lage erkennt.
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Rrustem Hysenaj aus Aarau zeigt auf die Stelle an der er und ein Helfer einen 71-Jährigen aus der Aare gezogen haben.
Foto: Devin Schürch

Darum gehts

KI-generiert, redaktionell geprüft
  • Maurer rettet 71-Jährigen aus der Aare bei Aarau am Montagmorgen
  • Helfer bemerkt Verletzungen, Mann zittert stark nach Sturz ins kalte Wasser
  • Aare etwa 15 Grad, Polizei bestätigt Vorfall und Engagement der Retter
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Devin SchürchReporter News

«Es war purer Zufall, dass ich zu dem Zeitpunkt überhaupt unterwegs war.» Rrustem Hysenaj (38) fährt am frühen Montagmorgen zur Arbeit. Weil es auf einer Baustelle Probleme mit einem noch nicht ausgetrockneten Untergrund gab, wollte der Maurer aus Aarau besonders früh anfangen. Kurz vor 5.30 Uhr macht er sich auf den Weg.

Beim Park an der Mühlemattstrasse in Aarau wird er von einem ungefähr 30-jährigen Mann mitten auf der Strasse angehalten. «Er hat mir panisch erzählt, dass er auf dem Morgenspaziergang mit seinem Hund einen Mann im Uferbereich der Aare gefunden hat», so Hysenaj. «Er konnte ihn zwar weiter an Land ziehen, ihn aber nicht alleine in Sicherheit bringen.» Andere Autofahrer, die er um Hilfe bitten wollte, seien einfach weitergefahren.

«Dachte zuerst, es könnte eine Falle sein»

Hysenaj zögert zuerst: «Ich war mir nicht sicher, ob in der Dunkelheit vielleicht Kollegen von ihm warteten und ich überfallen werde.» Er folgt dem Unbekannten mit einigen Metern Abstand in die Dunkelheit auf einen Weg entlang der Aare. Dort wird ihm der Ernst der Lage bewusst.

Im Wasser steht ein 71-jähriger Mann, hält sich an einem Pfosten fest – zittert. Die Aare ist zurzeit rund 15 Grad warm. Von der Strasse hinunter zum Wasser führt nur ein steiler Abhang von rund 2 Metern. Zu zweit schaffen es der 38-Jährige und sein Helfer, den Mann hochzutragen. Die Polizei und der Rettungsdienst sind zu dem Zeitpunkt bereits informiert. 

«Hat am ganzen Körper gezittert»

Die beiden bringen den völlig durchnässten Mann in eine stabile Seitenlage. Dabei fielen dem Maurer Verletzungen an dessen Knien und Ellbogen auf. Rund 20 Minuten kümmert sich Hysenaj um den 71-Jährigen, während der zweite Helfer an der Strasse auf die Einsatzkräfte wartet.

«Er war unterkühlt, sehr erschöpft und am ganzen Körper am Zittern – wirkte aber klar im Kopf», erinnert sich Hysenaj. «Er sagte mir nur, er sei etwa um 4.45 Uhr ein Stück flussaufwärts in die Aare gestürzt.» Der 71-Jährige war wohl rund 45 Minuten im Wasser, bis er gerettet wurde.

Wie genau er in das Wasser geriet, habe er nicht gesagt. «Er hatte seine Hosenbeine hochgekrempelt, vielleicht wollte er seine Füsse abkühlen», so Hysenaj. «Das ist schon eine sehr merkwürdige Uhrzeit für ein Fussbad.»

Wollte weg, bevor Einsatzkräfte eintreffen

Hysenaj sagt ihm, dass die Rettungskräfte bereits unterwegs seien. «Dann wollte er plötzlich aufstehen und davonlaufen. Er fragte, warum es die Polizei braucht», so Hysenaj. «Vielleicht wollte er nicht, dass seinetwegen eine grosse Sache gemacht wird.»

Hysenaj habe ihn aber überreden können, bis zum Eintreffen des Krankenautos und der Polizei zu warten. Diese nahmen seine Personalien auf und bedankten sich bei den beiden Rettern. Die Sanität transportierte den Mann ins Spital.

«Auf der Arbeit nennen sie mich jetzt Superman»

Danach haben sich die Wege der beiden Helfer und des 71-Jährigen getrennt. Hysenaj hat seine Verspätung bei der Arbeit bereits gemeldet. «Du willst mich doch verarschen?», haben seine Mitarbeiter gesagt, als er ihnen die Situation schilderte.

Im Nachhinein ist der 38-Jährige aber stolz, nicht weitergefahren zu sein. «Ich bin immer sehr hilfsbereit, besonders in einer Situation wie dieser», sagt er. «Auf der Arbeit nennen sie mich jetzt zum Spass Superman.»

Die Kantonspolizei Aargau bestätigt den Vorfall. Wie der 71-Jährige in die Aare geraten ist, bleibt unklar. Dank des Eingreifens von Hysenaj und dem unbekannten Helfer ist jedenfalls Schlimmeres vermieden worden.

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