Darum gehts
- Prozess gegen Basler «Missen-Killer» Thomas L. beginnt im Mai 2026
- Anklage: Mord und Verstümmelung seiner Ehefrau mit extremen Methoden
- Experten: Postmortale Handlungen extrem selten, oft Hinweis auf psychische Störung
Die grausame Tötung von Ivana L.* (†38) hat die Schweiz erschüttert. Die ehemalige Miss-Schweiz-Finalistin aus Binningen BL soll von ihrem Ehemann Thomas L.* (43) erwürgt, zerstückelt und im Anschluss püriert worden sein. Blick weiss: Der Missen-Killer muss sich am 4. Mai vor dem Baselbieter Strafgericht in Muttenz verantworten. Das Urteil wird am 13. Mai erwartet.
Die Staatsanwaltschaft wirft ihm Mord und Störung des Totenfriedens vor. Die Anklage ist erst in der Woche ab dem 20. April einsehbar.
Doch bereits jetzt ist vieles über den Fall und die Vorwürfe bekannt. Der Grund: Thomas L. hat mehrmals versucht, eine Entlassung aus der U-Haft zu erwirken, wodurch grausige Details an die Öffentlichkeit gelangten. Für seine sofortige Freiheit ging er sogar bis ans Bundesgericht – und scheiterte.
Blick hat mit Forensik-Experten die öffentlich-zugänglichen Unterlagen analysiert – und selbst sie sind schockiert. Forensiker Josef Sachs (76) fasst für Blick zusammen: «Das Tatverhalten dieses Mannes ist extrem aussergewöhnlich!»
Rituelle Verstümmelung?
Laut der Staatsanwaltschaft erdrosselte Thomas L. seine Frau. Danach salbte er ihren Kopf mit Enthaarungscreme ein, zerstückelte ihren Leichnam mit einer Stichsäge, einem Messer und einer Gartenschere. Schliesslich zermalmte er ihren Körper teilweise mit einem Gastropürierstab oder löste diesen in einer Chemikalie im Waschkeller auf.
Auch ist die Rede von ritualisierter Entwürdigung der Leiche. Ein Beispiel: Thomas L. hat gemäss medizinischem Gutachten die Gebärmutter seiner Frau – als einziges vollständig herausgeschnittenes Organ – sorgfältig aus dem Leichnam entfernt.
Die Forensiker Josef Sachs und Jérôme Endrass erklären auf Blick-Anfrage, dass solch rituelle Leichen-Verstümmelungen in der Schweiz extrem selten sind – und oft die sadistischen Motive der Täter offenbaren.
Sadistische oder sexuelle Motive
Thomas L. nennt seine Tat und das Verhalten danach eine «spontane Panik-Reaktion». Er habe aus Angst gehandelt, Kinder, Haus und Firma zu verlieren. Die Ermittlungsbehörden hingegen sprechen von «einer hohen kriminellen Energie» sowie «Kaltblütigkeit».
In einem früheren Entscheid des Bundesgerichts heisst es, dass «im aktuellen Untersuchungsstadium das gesamte Verhalten für eine massive Gewaltbereitschaft» von Thomas L. spricht. Weiter soll er sadistisch-soziopathische Züge, eine wenig ausgeprägte Frustrationstoleranz und eine geringe Impulskontrolle vorweisen.
Seine Opfer: «Besonders seine jeweiligen Lebenspartnerinnen», heisst es. So ist bekannt, dass Ivana L. ihren Mann bereits Mitte Juli 2023 wegen häuslicher Gewalt anzeigte. Auch eine frühere Partnerin von Thomas L. gab in einer Einvernahme von Ende Juli 2024 an, dass er auch schon gegen sie (bis April 2016) mehrfach massive Gewalt ausgeübt habe.
Für Sachs steht auch fest: Das Verhalten von Thomas L. nach der Tat passt nicht zu den bekannten Formen von «Affekt-Handlungen». Der Experte ist sich sicher: In den meisten Fällen hatten die Täter schon vorher ähnlich gelagerte Fantasien oder Online-Aktivitäten. Sachs erklärt: «Oft stecken sadistische und/oder sexuelle Motive dahinter.»
Ähnlich sieht es der forensische Psychologe Jérôme Endrass (55). Er möchte nicht direkt auf den Fall eingehen erklärt allgemein jedoch: «Ein Overkill und postmortale Handlungen sind extrem selten. Wenn sie vorkommen, sind sie in der Regel ein sehr deutlicher Hinweis auf schwere psychische Auffälligkeiten.» Und: «In meinen 23 Jahren habe ich keinen Fall erlebt, bei dem eine solche Tat von einer Person begangen wurde, die nicht schon zuvor extrem auffällig gewesen wäre.»
Laut dem Experten können verschiedene Hinweise für eine gestörte Persönlichkeit sprechen. So etwa die Intensität der Handlung oder die Dauer des Deliktgeschehens.
Drei bekannte Tätertypen
Endrass unterscheidet drei Tätertypen bei sogenannten Intimiziden oder Femiziden: «Erstens Männer, deren Gewalt stark an die Beziehungsdynamik gebunden ist.» Solche Männer sind sonst unauffällig, dafür aber schnell überfordert, haben teilweise keine guten Konflikt-Lösungs-Strategien und bereuen ihre Taten. Zweitens Männer mit antisozialer Einstellung, die Gewalt generell als legitimes Mittel sehen – zu Hause und draussen. Diese Männer seien oft impulsiv und hätten die Haltung: «Wenn jemand nicht macht, was ich will, ist Gewalt in Ordnung.» Drittens Täter mit klaren psychischen Auffälligkeiten: «Etwa bei krankhafter Eifersucht oder starker emotionaler Instabilität.»
Endrass fasst zusammen: Schwere Delikte – also Tötungen und schwere Verletzungen – finden sich vor allem in den letzten beiden Gruppen. Selbstkritisch erklärt er: «Was uns Schwierigkeiten bereitet, ist Gewalt von Männern gegen Frauen – insbesondere im Intimpartner-Kontext. Da müssen wir besser werden. Das müssen wir besser verstehen und besser angehen.» Heisst: Die Prävention bei Gewalt gegen Frauen ist in der Schweiz unzureichend.
Für Thomas L. gilt bis zu einem rechtsgültigen Urteil die Unschuldsvermutung.
* Namen geändert