Darum gehts
- Am Wochenende kam es zu Strassenschlachten bei einer unbewilligten Party in Zürich
- Auch Tage nach dem Vorfall sind die Täter noch nicht eruiert
- Waren es linksautonome oder FCZ-Fans? Die Behörden wissen es noch nicht
Feuerwerksraketen fliegen auf Polizisten, Container brennen, Vermummte werfen Pflastersteine und setzen ein Polizeiauto in Brand.
Auch vier Tage nach der Krawallnacht bleiben zentrale Fragen offen: Wer steckt hinter den Angriffen? Waren sie organisiert? Und weshalb wurde niemand festgenommen?
Das Stadtzürcher Sicherheitsdepartement erklärt auf Blick-Anfrage: «Die Ermittlungen sind erst angelaufen.» Die Polizei versuche, mögliche Täter zu identifizieren. «Im Moment werden diverse Videos gesichtet und das Forensische Institut wertet Spuren aus.» Zu Festnahmen kam es bisher nicht.
Welche Rolle spielte die Fussballszene?
Am selben Abend, bevor die Party beim Hardplatz Fahrt aufnahm, hatte der FC Zürich im Letzigrund gegen den FC Thun gespielt. Klar ist: Am Tag nach den Ausschreitungen wurden beim Hardplatz neue Sprayereien entdeckt.
Das Sicherheitsdepartement bestätigt: «Es wurden diverse FCZ-lastige Sprayereien verübt, aber auch Sprayereien mit politischem Inhalt.» Wegen des Fussballspiels sei nicht auszuschliessen, dass Personen aus diesem Umfeld anwesend waren. Zu den Krawallen wollte sich der FCZ auf Anfrage nicht äussern.
Eine Beteiligung organisierter Fangruppen ist damit aber nicht bewiesen. Die Stadt beobachtet deren Aktivitäten, führt dazu aber keine Statistik. Gewalttätige Vorfälle beträfen dabei mehrheitlich Auseinandersetzungen zwischen Fangruppierungen.
Stecken Linksautonome dahinter?
Auch eine Beteiligung der linksautonomen Szene wird diskutiert. Die unbewilligte Party soll laut mehreren Quellen aus ebenjenem Umfeld organisiert worden sein. Barrikaden, Vermummungen und gezielte Polizeiangriffe erinnern an Ausschreitungen etwa beim 1. Mai.
Hinzu kommen politische Graffiti: Laut «Tages-Anzeiger» stand auf beschädigten Scheiben einer UBS-Filiale am Albisriederplatz unter anderem «Free Palestine». Doch weder die Parolen noch die Art der Angriffe belegen eine linksautonome Täterschaft.
Die Anwohnerin Natascha Camen (59) berichtet, dass es sich bei den Tätern mehrheitlich um ausländische Jugendliche gehandelt haben soll. Auch hierbei handelt es sich um Mutmassungen.
Stadt setzt auf mehr Polizei und Prävention
Sicherheitsvorsteherin Karin Rykart (Grüne) verurteilte die Gewalt gegenüber SRF scharf. Die Angreifer hätten schwere Verletzungen der Polizisten bewusst in Kauf genommen.
Und wie geht die Stadt vor, um solche Eskalationen zu verhindern? Man setze auf Prävention, so die Antwort auf eine Blick-Anfrage. Beim Projekt «Doppelpass» tauschen sich die Stadtregierung, Polizei, Staatsanwaltschaft, Sportklubs und weitere Institutionen regelmässig aus, um Vorfälle zu besprechen und Gegenmassnahmen zu entwickeln.
Für Jugendliche gibt es zudem die neue Bewilligungskategorie «Jugendparty». Sie soll legale Outdoor-Veranstaltungen ermöglichen. Hintergrund: Viele junge Menschen könnten sich die hohen Ausgangspreise nicht leisten, erklärt das Sicherheitsdepartement.
Die Täterfrage bleibt offen
Ob Fussballfans, Linksautonome oder andere Gruppen hinter der Gewalt stecken, ist weiterhin ungeklärt. Dass die Party organisiert und vorbereitet war, ist aus Sicht der Ermittler klar. Auch die vorbereiteten Raketendepots geben Rätsel auf. Ob sie für gezielte Angriffe gegen die Polizei geplant waren, sei Gegenstand der laufenden Ermittlungen.
Antworten sollen nun die Videoauswertungen und forensischen Untersuchungen liefern.