Darum gehts
- Ein Swiss-Airbus mit 232 Passagieren brach in Neu-Delhi den Start ab
- Ein Triebwerksproblem führte zu Knall und Rauch, Evakuierung über Notrutschen
- Drei Verletzte entlassen, noch eine Person im Behandlung, Airbus bleibt vorerst in Neu-Delhi
Für die 232 Passagiere und 13 Crewmitglieder war es ein Schreckmoment: Am Sonntag musste ein Swiss-Airbus in Neu-Delhi den Start abbrechen. Über die Notrutschen und eine Flugzeugtreppe wurden die Gäste in Sicherheit gebracht. Noch sind viele Fragen zu den Hintergründen des Ereignisses offen.
Was ist passiert?
Kurz nach 1 Uhr beschleunigte der Airbus A330 auf der Startpiste des Indira-Gandhi-Flughafens, als es zu einem Problem mit einem Triebwerk kam. Passagiere berichten von einem Knall und Rauch. Der Start wurde abgebrochen, das Flugzeug kam sicher zum Stillstand, danach erfolgte die Evakuierung über Notrutschen.
Für Aviatik-Experte Hansjörg Egger (74) ist klar: «Die Piloten haben das einzig Richtige getan.» Ein Triebwerksbrand sei meist harmlos, wirke aber dramatisch. «Die Piloten sind darauf vorbereitet, üben solche Vorkommnisse auch im Simulator», sagt Egger zu Blick.
Was könnte zum Knall geführt haben?
Die Untersuchungen laufen. Swiss hat Spezialisten nach Neu-Delhi geschickt. Egger nennt mögliche Gründe: «Ich könnte mir vorstellen, dass während des Beschleunigens ein Gegenstand eingesogen wurde», etwa ein Vogel oder ein Objekt auf der Piste. Auch ein Defekt im Triebwerk sei denkbar: «Auch das würde einen Knall verursachen.» Silvia Exer-Kuhn, Mediensprecherin bei Swiss, erklärt dazu auf Anfrage von Blick: «Wir setzen alles daran, die Hintergründe des Vorfalls umfassend aufzuklären. Wir wollen nicht spekulieren und können zum aktuellen Zeitpunkt nicht sagen, was der Grund für das Triebwerkproblem war.» Die Swiss arbeite eng mit den indischen Behörden und dem Triebwerkhersteller zusammen.
Wie wird entschieden, wann evakuiert wird?
Piloten müssen innert Minuten entscheiden. Egger zu Blick: «Zuerst wurden vermutlich alle Systeme heruntergefahren. Danach werden die Systeme überprüft.» Wichtig sei Ruhe. «Bei einer Evakuierung ist es wichtig, dass die Crew Ruhe ausstrahlt.» Hektik erhöhe das Verletzungsrisiko. «Dann können Verletzungen wie Beinbrüche und Schürfwunden entstehen.»
In Neu-Delhi wurde zusätzlich zu den Notrutschen auch noch eine Treppe eingesetzt. Ein Punkt, der beim Experten für Verwunderung sorgt. «Ich frage mich, warum die Notrutschen ausgefahren wurden, wenn es auch über die Flugzeugtreppen gegangen wäre – womit man das Verletzungsrisiko hätte ausschalten können. Es bestand ja offenbar keine unmittelbare Not, das Flugzeug fluchtartig zu verlassen.» Swiss-Sprecherin Silvia Exer-Kuhn zu Blick: «Die Treppe wurde in diesem Fall für einzelne Personen organisiert, die nicht über die Rutschen aussteigen konnten. Dies war eine situative Entscheidung und entspricht nicht einem Standardvorgehen.»
Die Fluggesellschaft erklärt, die Crew habe zunächst eine Situationsanalyse vorgenommen und dann die Evakuierung eingeleitet. «Eine Evakuierung ist immer eine aussergewöhnliche Situation, für unsere Passagiere genauso wie für unsere Crews. Entscheidend ist: Im Zweifel handeln wir konsequent im Sinne der Sicherheit», sagt Oliver Buchhofer, Chief Operations Officer bei Swiss, zu Blick.
Die Mitarbeiter seien für dieses Verfahren intensiv geschult. «Uns ist bewusst, dass Bilder solcher Situationen Emotionen auslösen können, auch bei Menschen, die nicht direkt betroffen waren», betont Buchhofer. «Umso wichtiger ist es, das Gesehene in den richtigen Kontext zu setzen.»
Wie geht es den Verletzten?
Drei Passagiere konnten das Spital mittlerweile verlassen, ein Fluggast befindet sich weiterhin in ärztlicher Behandlung, erklärt Swiss in einem Update am Montag. Die in Zürich stationierten Besatzungsmitglieder sind am Montagmorgen in Zürich eingetroffen. Die drei in Neu-Delhi stationierten Cabin Crew Member sind wohlauf und in Delhi geblieben. «Alle werden weiterhin je nach Bedarf von Vorgesetzten und Spezialisten betreut.»
Wie geht es der Crew?
Auch für die Crew war der Vorfall eine Ausnahmesituation. «Es ist ein einschneidendes Erlebnis. Jeder Mensch verarbeitet so etwas anders», erklärt Swiss-Sprecherin Silvia Exer-Kuhn. «Uns ist wichtig, dass unsere Crew in dieser Situation nicht allein ist. Wir sind eng an ihrer Seite, hören zu und unterstützen sie – auch mit professioneller psychologischer Hilfe, wenn sie das wünscht.»
Wie sieht der weitere Zeitplan aus?
Die betroffene Maschine befindet sich nach wie vor in Indien. «Derzeit warten wir auf die Freigabe des Flugzeugs durch die indischen Behörden. Anschliessend wird ein Technikerteam von Swiss das Triebwerk eingehend untersuchen und beurteilen, ob ein Triebwerkwechsel erforderlich ist», heisst es. Wann der Airbus A330 wieder nach Zürich zurückkehren kann, ist noch offen.
Parallel dazu wurde eine Taskforce eingerichtet. In dieser Taskforce sind alle für diesen Vorfall relevanten Abteilungen wie beispielsweise der Flugbetrieb, die Technik, die Sicherheitsabteilung, Kundenbetreuung, Cockpit- und Kabinenführung, Kommunikation sowie weitere involvierte Personen vertreten.