Darum gehts
- Zürcher kauft Schmuck für 120 Franken, erhält Billigware aus China geliefert
- Schmuck im Wert von 3.49 Franken, Bilder von Manufaktur gestohlen
- 20-jähriger Zürcher betreibt mehrere betrügerische Onlineshops mit Schweizer Städtenamen
David S.* möchte sich nicht über den Tisch ziehen lassen. «Auch wenn es nur um etwas mehr als hundert Franken geht», wie er sagt.
Der Zürcher Ingenieur hat für seine Partnerin ihren Wunschschmuck, unter anderem Armbändchen in Kleeblattform, beim Onlineshop Meyer Basel für rund 120 Franken bestellt. Doch statt glänzender Schmuckstücke erhält er Billigstware aus Hongkong – keine 4 Franken wert, wie ein Blick auf asiatische Internetseiten zeigt. China-Ramsch statt Schweizer Qualität.
Der Trick mit der Swissness
Wie sich später herausstellt: Das Anzeigebild ist ein Fake, es wurde von einer renommierten Schmuckmanufaktur gestohlen.
Und: Auch wenn der Name «Basel» verwendet wird – von Schweizer Qualität keine Spur. Ein entsprechendes Geschäft in der Schweiz existiert gar nicht. Eine bekannte Abzocke: Schweizer Städtenamen sollen im Internet Vertrauen und Nähe vermitteln, doch die Ware wird direkt aus China verschifft. Sogenanntes Dropshipping betreiben jene Händler, die selbst keine Produkte lagern, sondern ihre Bestellungen einfach an Hersteller oder Grosshändler weiterleiten – etwa nach China.
«Ich bin eigentlich keiner, den man hereinlegen kann», sagt David S. beim Treffen mit Blick. «Dachte ich zumindest.» Doch die Website, die ihn Geld und Nerven kostete, sei sehr gut aufgebaut gewesen.
Die Billigware aus Hongkong
«Meine Frau entdeckte bei einem USA-Aufenthalt Kleeblattschmuck und wollte ihn unbedingt», erzählt S. Sie findet ein ähnliches Produkt, angeblich aus der Schweiz, und bestellt sofort. «Misstrauisch wurden wir erst, als ich nach zwei Wochen sah, dass die Ware aus Hongkong geliefert wird.»
Der Shop wirkte seriös: «Sie hatten Bilder aus der Basler Altstadt. Ich dachte, es handle sich um einen Laden in Basel, der Modeschmuck über das Internet verkauft.» Doch weit gefehlt: «Die Lieferung hatte nichts mit den Bildern zu tun!» Statt Kleeblättern kommen Blüten, statt hochwertigem Modeschmuck gibt es Billigware.
David S. beschwert sich, will sein Geld zurück. Doch das verkommt zur Odyssee. Als Erstes soll er den Schmuck an die Privatadresse einer Frau retournieren.
Die Ausreden der Hintermänner
Blick konfrontiert die Frau aus dem Kanton Zürich. Sie verteidigt sich: «Mein einziger Beitrag bestand darin, mich dazu bereitzuerklären, Retouren entgegenzunehmen.» Am Shop selbst sei sie nicht beteiligt. Stattdessen verweist sie auf Fabio M.* (20) aus einem Wohnblock in der Stadt Zürich. «Fragen Sie ihn», sagt S.
Fabio M. gibt sich zunächst zurückhaltend. Er habe «zu viel für die Schule zu tun, sorry». Er fühle sich aber nicht als Betrüger.
Einige Tage später meldet sich M. wieder – mit einer fragwürdigen Ausrede: «Ich kann sagen, dass dieses Projekt nur eine Maturarbeit war, um das System Dropshipping zu hinterfragen, Impulskäufe zu analysieren und erste unternehmerische Erfahrungen zu sammeln», behauptet der Maturand. Der Shop «Meyer Basel» werde geschlossen, und er wolle «seinen Fokus wieder auf die Schule legen».
Pustekuchen: Wenige Wochen nach der Blick-Recherche ist der Shop wieder online mit den gleichen Produkten wie zuvor. Fabio M. will sich nun nicht mehr äussern.
Konsumentenschutz warnt
Es stellt sich heraus: Sein Geschäftsgebaren könnte unrechtmässig sein. Denn das Bild eines Armbands, das beworben wurde, stammt von der Schmuckmanufaktur Van Cleef & Arpels, wie Recherchen ergeben. Urheberrechte könnten verletzt worden sein.
Solche Onlineshops sind deshalb schon länger auf dem Radar des Konsumentenschutzes, wie Livia Kunz, Leiterin Recht beim Konsumentenschutz Schweiz, auf Anfrage schreibt: «Dropshipping ist illegal, wenn Produktbeschreibungen über legitime Werbung hinausgehen.»
Die Masche: Die Preise solcher Shops sind oftmals so tief, dass viele Kunden sich nicht wehren, wenn sie abgezockt werden. Kunz sagt: «Das ist Teil des Kalküls. Der Konsumentenschutz rät darum zur Vorsicht vor dem Kauf.» Hilfreich seien Plattformen wie Trustpilot oder die Warnliste des Konsumentenschutzes.
David S. ist deshalb fuchsteufelswild: «Man wird überall beschissen.» Sein Appell an andere Opfer: «Wehrt euch! Auch wenn es um wenig Geld geht. Sonst machen diese Abzocker immer so weiter.»
* Name geändert