«Fürchterlich, was passiert ist»
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Pontresina-Gemeindepräsidentin:«Fürchterlich, was passiert ist»

Trotz tödlichem Kutschen-Unfall sagt Gemeindepräsidentin von Pontresina GR
«… das schmälert die Tragik dieses Unfalls keinesfalls»

Nach dem tödlichen Kutschenunfall am Roseg-Gletscher herrscht Trauer in Pontresina. Eine 73-jährige Frau verstarb, 12 Personen wurden verletzt. Die Ursache: ungenügende Bremsleistung. Der Kutschenbetrieb bleibt bis auf Weiteres eingestellt.
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Ein grosser «Hick» im Baum. So sieht die Unfallstelle am Montag aus.
Foto: zVg

Darum gehts

KI-generiert, redaktionell geprüft
  • Bei Kutschenunfall in Pontresina stirbt 73-jährige Frau aus Aargau.
  • Unfallursache: ungenügende Bremsleistung, 12 Verletzte und ein gestürztes Pferd.
  • Dritter Kutschenunfall in 20 Jahren.
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Sandro ZulianReporter News

Als Blick in Pontresina GR ankommt, überwacht die Kantonspolizei Graubünden gerade den Abtransport der beiden Unfall-Kutschen vom Hof des Betreibers. Die Stimmung an diesem Vormittag ist gedämpft, die Strassen sind ruhig. 

Am Samstagnachmittag kam es hier, unweit des Roseg-Gletschers, zu einem tragischen Unfall. Eine Kutsche des hiesigen Pferde-Omnibus-Angebots, das Pontresina mit dem Gletscher verbindet, knallte in einen Baum. Offenbar ziemlich heftig, denn Menschen wurden durch die Luft geschleudert.

Die traurige Bilanz: Eine Frau (73) aus dem Kanton Aargau starb, 12 weitere Menschen wurden teils schwer verletzt. Gemäss Mitteilung der Polizei war die «Bremsleistung ungenügend», ein Pferd stürzte, der Kutscher versuchte, auf einen Ausweichplatz zu fahren. Der Aargauer Reiseveranstalter machte gegenüber Blick schon Konsequenzen bekannt: «Ich werde keine Kutschenfahrten mehr anbieten.»

Der Unfall geschah am Samstagnachmittag. Eine Frau wurde dabei tödlich verletzt.
Foto: Kantonspolizei Graubünden

Ganz kurz kann Blick am Montagvormittag mit dem Chef des Kutschereibetriebs sprechen. Der bärtige Mann sagt freundlich, aber bestimmt: «Von uns gibt es bis auf weiteres gar keine Informationen.» Er wolle warten, bis die Behörden grünes Licht geben. «Dann werden wir ein Statement veröffentlichen.» Das wettergegerbte Gesicht des Mannes weist tiefe Sorgenfalten auf. Blick weiss: Am Dienstag muss er bei der Staatsanwaltschaft aussagen.

«Dieses Angebot ist sicher»

Ähnlich sieht es im Gemeindehaus aus. Pontresinas Gemeindepräsidentin Nora Saratz Cazin (44) trifft Blick zum Interview – um 12 Uhr mittags, weil sonst keine Zeit mehr ist. Das Telefon der Gemeindepräsidentin verstummt nur selten. «Das war gerade jemand von einem Car-Unternehmen, der eine Frage hatte», sagt Saratz Cazin, nachdem sie das Telefon wieder aufgehängt hat. «Wir bekommen auch viele E-Mails und Anrufe von besorgten Menschen aus der Bevölkerung. Sie haben Fragen zur Sicherheit dieses Angebots.»

So sieht es am Ort des Geschehens am Montag aus. Spuren am Baum zeugen noch vom schlimmen Unfall.
Foto: zVg

Trotz des tödlichen Unfalls vom Wochenende sagt die Gemeindepräsidentin mit Überzeugung in der Stimme: «Dieses Angebot ist sicher.» Die Kutschenfahrten ins Rosegtal bestünden seit Jahrzehnten und es komme sehr selten zu Unfällen. Aber: «Das schmälert die Tragik dieses Unfalls keinesfalls. Was hier passiert ist, ist fürchterlich.» Die Gemeinde stehe jetzt in engem Austausch mit den Behörden, mit dem Kutschenbetreiber und mit besorgten Bürgerinnen und Bürgern. «Wir setzen alles daran, diesen Betrieb so sicher wie möglich für alle anzubieten.»

Gemeindepräsidentin Nora Saratz Cazin (44, GLP) vor dem Gemeindehaus.
Foto: Sandro Zulian

Es ist der dritte Kutschen-Unfall in Pontresina in den letzten 20 Jahren. Einmal im September 2013 und einmal im August 2007 sind hier – auf der gleichen Strecke – «Pferde durchgebrannt», wie es damals in der Berichterstattung hiess. Beide Male gab es Verletzte, glücklicherweise aber keine Toten.

Nora Saratz Cazin weilte vergangenen Samstag noch in den Ferien am Zürichsee und kam just zum Zeitpunkt des Unfalls zurück nach Pontresina. «Dann habe ich dieses sehr traurige Telefon erhalten und bin auch jetzt noch betroffen von der Situation.» Sie spricht allen Beteiligten, vor allem aber der Familie der verstorbenen 73-Jährigen, ihr tiefstes Beileid aus. 

Mit dem Fuhrhalter sei sie in regelmässigem Kontakt. «Er und sein Team sind sehr betroffen und haben sich deshalb entschieden, den Betrieb aktuell nicht zu fahren und die Kutschen stehenzulassen.» 

«Wir danken Ihnen für Ihr Verständnis»

Und so zeigt sich am Anfang der Via Val Roseg in Pontresina am Montagnachmittag gähnende Leere. Das kleine Billetthäuschen auf dem Parkplatz ist verwaist. Ein scheinbar hastig aufgehängter Zettel an einem Klemmbrett wird im Regen immer nasser. Darauf steht: «Leider können wir heute unseren Kutschbetrieb nicht anbieten. Wir danken Ihnen für Ihr Verständnis.»

Dieses unscheinbare Schild steht bei der Pferde-Omnibus-Haltestelle.
Foto: Sandro Zulian

Das Wanderer-Paar Gerhard Keusch (66) und Monika Hübscher (67) aus Fislisbach AG kann es noch immer nicht ganz glauben. «Ich war gerade im Hotel im Wellness, als ich plötzlich Polizei, Krankenwagen und Helikopter hörte.» 

Gerhard Keusch (66) und Partnerin Monika Hübscher (67) aus Fislisbach AG.
Foto: Sandro Zulian

Hübscher sagt: «Ich hörte erst ein Polizeiauto, dann zwei. Und dann hörte es nicht mehr auf!» Dass die gesamte Unfallgruppe, insbesondere das Todesopfer, aus dem Kanton Aargau kommt, macht es für Keusch und Hübscher umso realer. «Mich hat das sehr getroffen», sagt Hübscher. «Ich denke an die Hinterbliebenen, an die Verletzten, aber auch an die Leute, die die Kutsche betreiben. Das muss schlimm für sie sein.» 

Wie es zu einem derart schlimmen Unfall kommen konnte, wird jetzt von der Staatsanwaltschaft des Kantons Graubünden abgeklärt. Kritische Stimmen werden aber bereits jetzt laut, wenn auch anonym. Ein Tourist in Pontresina erklärt gegenüber Blick aufgebracht: «Drei Pferde haben 40 Personen gezogen. Das ist doch Tierquälerei!»

«Ich dachte, da muss etwas ganz Schlimmes passiert sein»
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Monika Hübscher hörte Polizei:«Dachte, da muss etwas ganz Schlimmes passiert sein»
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