«Wenn Putin kein Geld hat, gibt es keinen Krieg»
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Selenski über Öl-Verkauf:«Wenn Putin kein Geld hat, gibt es keinen Krieg»

Selenski am WEF
«In Europa gibt es immer etwas, das dringender ist als Sicherheit»

Der ukrainische Präsident Selenski entschied sich nach langem Zögern doch noch für eine Reise in die Schweiz – wird ein Treffen mit Trump den stockenden Friedensplan voranbringen? Blick tickert die Rede des Kiewer Regierungschefs im Anschluss live.
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Hier läuft Wolodimir Selenski am Donnerstag durch das Kongresszentrum in Davos.
Foto: AFP

Darum gehts

KI-generiert, redaktionell geprüft
  • Ukrainischer Präsident Selenski trifft am Donnerstag Trump in Davos
  • Grönland-Streit verdrängte Ukraine-Krieg aus den Schlagzeilen am WEF
  • Trumps Sondergesandter und Schwiegersohn fliegen am Donnerstag nach Moskau
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Marian NadlerRedaktor News
22.01.2026, 15:53 Uhr

Selenski liest Europa die Leviten

Wolodimir Selenski wollte mit seiner Rede Europa wachrütteln.
Foto: keystone-sda.ch

In einer engagierten Rede hat der ukrainische Präsident Wolodimir Selenski am Donnerstag beim WEF in Davos die europäischen Partner scharf kritisiert. Das Leben der Ukrainer sei wie im Film «Und täglich grüsst das Murmeltier». Die zögernde europäische Haltung signalisiere Russland, dem Iran und anderen: «Töte genug Menschen und du bleibst an der Macht.» Europa habe keine Antwort auf Aggression, warf Kiews Regierungschef den Verbündeten vor.

Er bemängelte die Blockade bei der Freigabe von eingefrorenen russischen Vermögen und das Fehlen eines Tribunals für russische Kriegsverbrechen. «Warum kann Präsident Trump die russische Schattenflotte aufhalten und Europa nicht?», fragte er die WEF-Teilnehmer. Wenn Kremlchef Wladimir Putin (72) kein Geld habe, würde es auch keinen Krieg geben.

Selenski äusserte auch die Befürchtung, dass die Nato auf einen russischen Angriff auf Mitgliedsstaaten wie Polen oder Litauen nicht reagieren würde. Europa würde nicht ernst genommen und sei zerstritten. 

Er appellierte an die Europäer, eine bessere Welt zu bauen – «eine ohne Krieg». Dies würde aber nur mit eigener Stärke funktionieren. Nach all der Kritik hatte Selenski noch eine hoffnungsvolle Nachricht: «Die Dokumente, die diesen Krieg beenden werden, sind fast fertig.»

22.01.2026, 15:42 Uhr

Selenski nennt Verteidigung der Ukraine «kostspielig»

Russland mobilisiere 43'000 Soldaten pro Monat, 45'000 Soldaten würden monatlich sterben, viele weitere würden desertieren. «Ihre Armee wird nicht mehr grösser – wegen unserer Drohnentechnologie», verrät Selenski.

Die letzte Frage lautet: Wie können die WEF-Teilnehmer der Ukraine helfen? «Unser Land zu verteidigen, ist eine kostspielige Aufgabe», entgegnet Selenski. Er wünscht sich Unterstützung für kleine Unternehmen. «Es zeigt, dass ihr an die Ukraine glaubt, an unser unabhängiges Leben nach dem Krieg.» Anschliessend eilt Selenski von der Bühne. Er kehrt direkt nach Kiew zurück.

22.01.2026, 15:37 Uhr

Ukraine produziert 1000 Abfangdrohnen am Tag

Wie ist die Lage bei der Energieversorgung in der Ukraine? «Russland attackiert die Energieversorgung, es ist ihre Strategie, das ist kein Geheimnis», antwortet Selenski. Auch Spitäler, Schulen und Kindergärten würden weiter angegriffen. «Das ist das Gesicht Russlands und dieses Krieges.» 

Die Ukraine produziere ungefähr 1000 Abfangdrohnen am Tag. «Das ist aber nicht genug.» Er habe darüber auch mit Trump gesprochen. «Meine letzten Worte zu Präsident Trump sind immer: Vergessen Sie die Luftabwehr nicht, vergessen Sie die Patriots nicht.»

22.01.2026, 15:34 Uhr

«Wenn Gott es will, wird der Krieg aufhören»

Nun geht es um eine mögliche Reaktion Putins. Ein Treffen der Amerikaner mit russischen Vertretern in Moskau wird noch am Donnerstag stattfinden. Am Freitag und Samstag soll ein trilaterales Treffen in den Emiraten stattfinden. «Die Russen müssen zu Kompromissen bereit sein.»

Niemand wisse, was in Putins Kopf vorgehe. «Es ist besser, einen Dialog zu haben. Wenn Gott es will, wird der Krieg aufhören.»

22.01.2026, 15:31 Uhr

Selenski scherzt über Verhandlungen mit Amerikanern

Die Fragerunde beginnt. Selenski bedankt sich dafür, dass Trump Zeit für ihn gefunden hat. «Ich wollte Trump fragen, ob er amerikanische Pässe an mein Team verteilen kann, weil sie so viel Zeit mit den Amerikanern verbringen», scherzt er. 

Dann wird er wieder ernst. «Die letzte Meile ist schwierig. Der Dialog ist nicht einfach, aber er war positiv.» Es folgt ein kurzer, hoffnungsvoller Applaus.

22.01.2026, 15:29 Uhr

«Dokumente für Kriegsende sind fast fertig»

Selenski sagt weiter: «Die Dokumente, die diesen Krieg beenden werden, sind fast fertig.» Er hofft, dass die USA weiter an der Seite der Ukraine stehen wird. «Wir sind bereit, anderen zu helfen, stärker zu werden, als sie jetzt sind», bietet der Ukrainer den Europäern seine Hilfe an. «Niemand wird seine Schuhe an euch abwischen.»

«Viele glauben, dass sich alles einfach so löst. Wir können nicht darauf vertrauen», betont Selenski. «Wir brauchen Taten. Wir brauchen den Mut zu handeln. Ohne Taten gibt es kein Morgen», ergänzt er. Unter Bezugnahme auf den Film mit Bill Murray von Beginn der Rede schliesst er: «Lasst uns diesen Murmeltiertag jetzt beenden!» Es folgt Applaus der WEF-Teilnehmer.

22.01.2026, 15:25 Uhr

«Vereint sind wir unbesiegbar»

«Wo sind die Anführer, die bereit sind zu handeln? Ihr könnt keine neue Weltordnung aus Worten bilden», fährt Selenski fort. Der ukrainische Präsident hält der EU den Spiegel vor. «Es gibt nicht mal eine Waffenruhe.»

Selenski bedankt sich bei Mark Rutte für die Intervention bei Trump mit Blick auf Grönland. «Die Dinge laufen schneller. Wie kann Europa dranbleiben?», fragt Selenski. «Vereint sind wir wirklich unbesiegbar. Europa muss eine Macht sein», fordert er. «Europa muss eine bessere Welt bauen, eine ohne Krieg.»

22.01.2026, 15:22 Uhr

Selenski kritisiert zerstrittenes Europa

Selenski fordert, dass die russischen Waffenfabriken zerstört und keine Waffenteile mehr an Russland geliefert werden sollen. «Russische Raketen und Shaheds sind immer noch da. Wir haben die Koordinaten, der Fabriken, wo sie gemacht werden», sagt Selenski. Er kritisiert die internen Streitigkeiten in Europa. 

«Anstatt eine globale Macht zu werden, bleibt Europa ein Kaleidoskop von kleinen und mittleren Mächten», unterstreicht Selenski. Trump habe ihm gesagt, er liebe Europa, aber er werde nicht auf dieses Europa hören. «Europa fühlt sich mehr wie eine Tradition an, nicht wie eine politische Macht.»

22.01.2026, 15:19 Uhr

«Europäische Städte sollten keine kleinen Moskaus werden»

Selenski feuert Wortsalve um Wortsalve gegen die europäischen Verbündeten. «Wir haben unseren Partnern gesagt: Handelt jetzt. Aber die Raketen bleiben in Belarus. Europa bleibt im Grönland-Modus»

Selenski befürchtet, dass Europa immer reaktiv bleiben wird. «Die Mächte, die Europa zerstören möchten, operieren frei, selbst in Europa», kritisiert Selenski. «Europäische Städte sollten keine kleinen Moskaus werden.» Russland wolle sicherstellen, dass Diktatoren Menschen zerstören könnten, wenn sie es wollten. «Russland probiert, Ukrainer bei -20 Grad erfrieren zu lassen», beklagt Selenski. «China hilft Russland. Ja, das tut es. Aber nicht nur China. Russland bekommt auch Teile aus Europa und den USA.» 

22.01.2026, 15:15 Uhr

«Welches Signal sendet ihr an Russland?»

Nun folgen auch kritische Worte gegen die Nato. «Wer reagiert, wenn Russland Litauen und Polen angreift?», fragt Selenski. Er äussert sich skeptisch, dass die Nato wirklich reagieren wird. «Europa muss wissen, wie es sich selbst verteidigt», fordert Selenski. «Wenn ihr 40 Soldaten nach Grönland sendet, welches Signal sendet das an Russland? An China? An Dänemark»

Selenski befürchtet, dass die Europäer nicht ernst genommen werden. «Wir haben die Expertise und die Waffen, um russische Schiffe bei Grönland zu versenken, so wie sie auch nahe der Krim versenkt werden. Wir werden das Problem der russischen Schiffe lösen», ist Selenski überzeugt. 

Es gibt viel Hin und Her am diesjährigen WEF: Erst Grönland-Streit, dann Grönland-Einigung, erst kommt der ukrainische Präsident Wolodimir Selenski (47) nicht, dann reist er überraschend doch an. Die Frage ist: Was erhofft sich Selenski von der Schweiz-Reise?

Im Kalender dürfte sich der Ukrainische Regierungschef sicherlich das Treffen mit US-Präsident Donald Trump (79) rot angestrichen haben. Der Streit der US-Regierung mit der EU über Grönland hat den Krieg im Osten Europas in den vergangenen Tagen aus den Schlagzeilen verdrängt. Auch auf dem Weltwirtschaftsforum war der Angriffskrieg von Kremlchef Wladimir Putin (72) kein Thema mehr.

Noch zu Wochenbeginn hatte Selenski eine Anreise ausgeschlossen. Zu gross sei die Notlage aufgrund dauernder russischer Angriff und extremer Kälte. Bei einem Treffen in der Schweiz müsse es Aussicht auf konkrete Ergebnisse geben. Was hat sich nun also geändert? Das dürften nur Trump und Selenski wissen.

Durchbruch in der Schweiz?

Seit Wochen geht beim von den USA ins Spiel gebrachten Friedensplan nichts voran. Der Kreml mauert weiterhin, wo er kann. Und auch die Ukrainer sind mit vielen Vorschlägen, die Washington ohne sie und die europäischen Verbündeten mit Moskau ausgehandelt hat, nicht zufrieden. 

Am Donnerstag werden Trumps Sondergesandter Steve Witkoff (68) und Trump-Schwiegersohn Jared Kushner (45) nach Moskau fliegen und sich mit Putin treffen. Ein wirklicher Durchbruch ist weder nirgends in Sicht.

Was Grönland und die Ukraine unterscheidet

Donald Trump hat in der Grönland-Frage gezeigt, dass er auch für positive Überraschungen sorgen kann. Gibt es in den magischen Bergen von Davos ein Wunder, mit dem niemand rechnet? 

Wenn nicht, könnte der Ukraine-Krieg wieder zum Hauptstreitthema werden. Das Problem ist: Bei Grönland hatte Trump es selbst in der Hand, eine Einigung herbeizuführen. Im Ukraine-Konflikt liegt der Ball vor allem beim störrischen Kriegsherrn in Moskau.

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