Darum gehts
- Ukrainischer Präsident Selenski trifft am Donnerstag Trump in Davos
- Grönland-Streit verdrängte Ukraine-Krieg aus den Schlagzeilen am WEF
- Trumps Sondergesandter und Schwiegersohn fliegen am Donnerstag nach Moskau
«Vereint sind wir unbesiegbar»
«Wo sind die Anführer, die bereit sind zu handeln? Ihr könnt keine neue Weltordnung aus Worten bilden», fährt Selenski fort. Der ukrainische Präsident hält der EU den Spiegel vor. «Es gibt nicht mal eine Waffenruhe.»
Selenski bedankt sich bei Mark Rutte für die Intervention bei Trump mit Blick auf Grönland. «Die Dinge laufen schneller. Wie kann Europa dranbleiben?», fragt Selenski. «Vereint sind wir wirklich unbesiegbar. Europa muss eine Macht sein», fordert er. «Europa muss eine bessere Welt bauen, eine ohne Krieg.»
Selenski kritisiert zerstrittenes Europa
Selenski fordert, dass die russischen Waffenfabriken zerstört und keine Waffenteile mehr an Russland geliefert werden sollen. «Russische Raketen und Shaheds sind immer noch da. Wir haben die Koordinaten, der Fabriken, wo sie gemacht werden», sagt Selenski. Er kritisiert die internen Streitigkeiten in Europa.
«Anstatt eine globale Macht zu werden, bleibt Europa ein Kaleidoskop von kleinen und mittleren Mächten», unterstreicht Selenski. Trump habe ihm gesagt, er liebe Europa, aber er werde nicht auf dieses Europa hören. «Europa fühlt sich mehr wie eine Tradition an, nicht wie eine politische Macht.»
«Europäische Städte sollten keine kleinen Moskaus werden»
Selenski feuert Wortsalve um Wortsalve gegen die europäischen Verbündeten. «Wir haben unseren Partnern gesagt: Handelt jetzt. Aber die Raketen bleiben in Belarus. Europa bleibt im Grönland-Modus»
Selenski befürchtet, dass Europa immer reaktiv bleiben wird. «Die Mächte, die Europa zerstören möchten, operieren frei, selbst in Europa», kritisiert Selenski. «Europäische Städte sollten keine kleinen Moskaus werden.» Russland wolle sicherstellen, dass Diktatoren Menschen zerstören könnten, wenn sie es wollten. «Russland probiert, Ukrainer bei -20 Grad erfrieren zu lassen», beklagt Selenski. «China hilft Russland. Ja, das tut es. Aber nicht nur China. Russland bekommt auch Teile aus Europa und den USA.»
«Welches Signal sendet ihr an Russland?»
Nun folgen auch kritische Worte gegen die Nato. «Wer reagiert, wenn Russland Litauen und Polen angreift?», fragt Selenski. Er äussert sich skeptisch, dass die Nato wirklich reagieren wird. «Europa muss wissen, wie es sich selbst verteidigt», fordert Selenski. «Wenn ihr 40 Soldaten nach Grönland sendet, welches Signal sendet das an Russland? An China? An Dänemark»
Selenski befürchtet, dass die Europäer nicht ernst genommen werden. «Wir haben die Expertise und die Waffen, um russische Schiffe bei Grönland zu versenken, so wie sie auch nahe der Krim versenkt werden. Wir werden das Problem der russischen Schiffe lösen», ist Selenski überzeugt.
«Wenn Putin kein Geld hat, gibt es keinen Krieg»
«Es ist Putin, der zu entscheiden versucht, wie die russischen Vermögen in Europa verwendet werden», kritisiert er jetzt die EU. Eine Entscheidung in dieser Sache sei blockiert worden, ärgert er sich. Selenski stört auch, dass es kein Tribunal für die russischen Kriegsverbrechen gibt. «Was fehlt? Zeit und politischer Wille.»
Allerdings begrüsst Selenski die Zusagen der «Koalition der Willigen» für Friedenstruppen in der Ukraine, falls eine Waffenruhe zwischen Ukraine und Russland ausgehandelt würde. «Wer könnte helfen, eine Waffenruhe zu realisieren?», fragt Selenski. «Warum kann Präsident Trump die russische Schattenflotte aufhalten und Europa nicht?», hakt er nach. «Wenn Putin kein Geld hat, gibt es keinen Krieg in Europa.»
«Töte genug Menschen und du bleibst an der Macht»
Nach einer kurzen Begrüssung auf der WEF-Bühne schreitet Wolodimir Selenski zum Rednerpult. «Liebe Freunde, jeder erinnert sich an den Film Und täglich grüsst das Murmeltier», beginnt Selenski. «Genau so ist unser Leben jetzt», sagt der ukrainische Präsident. Er fragt die WEF-Teilnehmer, warum das so ist.
Jeder habe sich auf Grönland konzentriert. Es habe viel Gerede über die Proteste im Iran gegeben – «doch sie gingen in Blut unter», klagt Selenski die Weltgemeinde an. Das Signal sei klar: «Töte genug Menschen und du bleibst an der Macht.» Er wirft Europa vor, keine Antwort auf die Aggression gefunden zu haben.
Selenski auf dem Weg zum Redesaal
Der ukrainische Präsident Wolodimir Selenski befindet sich auf dem Weg zum Redesaal. Auch er sagt der versammelten Presse, dass das Meeting gut gewesen sei. Die Rede dürfte in Kürze starten.
Selenski noch nicht aufgetaucht
Während US-Präsident Donald Trump schon von einem «guten Treffen» spricht, ist von Ukraine-Präsident Wolodimir Selenski noch nichts zu sehen. «Ich hatte ein gutes Treffen mit Selenski», sagte Trump konkret vor Pressevertretern im Kongresszentrum in Davos.
Selenskis Rede dürfte bald beginnen. Von beiden Präsidenten wird ein Statement erwartet, wird Trump also auch auf der Bühne stehen? Blick tickert die Rede hier live.
Wofür kam Selenski nach Davos?
Erst zierte er sich, jetzt ist er doch da: Der ukrainische Präsident Wolodimir Selenski ist am Donnerstag in Davos eingetroffen. Mittags trifft er sich mit US-Präsident Donald Trump. Eigentlich, so hatte er es noch Anfang der Woche gesagt, wollte Selenski nur in die Schweiz kommen, wenn konkrete Ergebnisse mit Blick auf die Verhandlungen mit Washington und Moskau in Aussicht stünden. Was also haben Trump und Selenski beschlossen?
Das werden wir wohl in seiner Rede um 14.30 Uhr erfahren. Blick tickert die Rede hier live.
Es gibt viel Hin und Her am diesjährigen WEF: Erst Grönland-Streit, dann Grönland-Einigung, erst kommt der ukrainische Präsident Wolodimir Selenski (47) nicht, dann reist er überraschend doch an. Die Frage ist: Was erhofft sich Selenski von der Schweiz-Reise?
Im Kalender dürfte sich der Ukrainische Regierungschef sicherlich das Treffen mit US-Präsident Donald Trump (79) rot angestrichen haben. Der Streit der US-Regierung mit der EU über Grönland hat den Krieg im Osten Europas in den vergangenen Tagen aus den Schlagzeilen verdrängt. Auch auf dem Weltwirtschaftsforum war der Angriffskrieg von Kremlchef Wladimir Putin (72) kein Thema mehr.
Noch zu Wochenbeginn hatte Selenski eine Anreise ausgeschlossen. Zu gross sei die Notlage aufgrund dauernder russischer Angriff und extremer Kälte. Bei einem Treffen in der Schweiz müsse es Aussicht auf konkrete Ergebnisse geben. Was hat sich nun also geändert? Das dürften nur Trump und Selenski wissen.
Durchbruch in der Schweiz?
Seit Wochen geht beim von den USA ins Spiel gebrachten Friedensplan nichts voran. Der Kreml mauert weiterhin, wo er kann. Und auch die Ukrainer sind mit vielen Vorschlägen, die Washington ohne sie und die europäischen Verbündeten mit Moskau ausgehandelt hat, nicht zufrieden.
Am Donnerstag werden Trumps Sondergesandter Steve Witkoff (68) und Trump-Schwiegersohn Jared Kushner (45) nach Moskau fliegen und sich mit Putin treffen. Ein wirklicher Durchbruch ist weder nirgends in Sicht.
Was Grönland und die Ukraine unterscheidet
Donald Trump hat in der Grönland-Frage gezeigt, dass er auch für positive Überraschungen sorgen kann. Gibt es in den magischen Bergen von Davos ein Wunder, mit dem niemand rechnet?
Wenn nicht, könnte der Ukraine-Krieg wieder zum Hauptstreitthema werden. Das Problem ist: Bei Grönland hatte Trump es selbst in der Hand, eine Einigung herbeizuführen. Im Ukraine-Konflikt liegt der Ball vor allem beim störrischen Kriegsherrn in Moskau.