Jung, vernetzt, gewalttätig
Was steckt hinter der «Gen-Z-Mafia» in Basel, Herr Landmann?

Die Basler Gruppierung Tolhildan soll laut SRF Teil der sogenannten «Gen-Z-Mafia» sein, mit Nähe zur PKK und Kontakten zur Gang Daltons. Milieu-Anwalt Valentin Landmann erklärt, wie gefährlich die jungen Gangster sind.
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Milieu-Rechtsanwalt Valentin Landmann warnt, dass Delikte von Jugendlichen immer schwerer werden.
Foto: Linda Käsbohrer

Darum gehts

  • Laut SRF soll Tolhildan Teil einer jungen, international vernetzten Mafia sein
  • Die Gruppe soll der PKK nahestehen und mit der Istanbuler Gang Daltons eng zusammenarbeiten
  • Kriminelle Gruppen rekrutieren Junge über Social Media, mildes Jugendstrafrecht als Problem?
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Pauline BouillonRedaktorin News Desk

Sie sind blutjung, skrupellos und schwer bewaffnet: Die sogenannte «Gen-Z-Mafia» breitet sich in der Schweiz aus. Sie besteht aus teilweise minderjährigen Kriminellen mit Wurzeln vor allem im kurdisch-türkischen Milieu. Recherchen von SRF zeigen: Die Basler Gruppierung Tolhildan (kurdisch für «Rache») steht der kurdischen Untergrundorganisation PKK nahe und paktiert mit der berüchtigten Gang Daltons aus Istanbul.

Die Kriminellen sind international vernetzt und werden teilweise von Hintermännern aus dem Ausland gesteuert. Ein Ableger der Tolhildan agiert nun von Basel aus. Ihren Nachwuchs rekrutieren sie über Social Media. Auf ihren Profilen stellen sie Gewalt, Drogen- und Waffenhandel sowie Schutzgelderpressung schamlos zur Schau. Milieu-Anwalt Valentin Landmann (76) ordnet die neue Gangster-Truppe für Blick ein.

Türkei, Deutschland, Schweiz

«Der internationale Aspekt besteht mit Sicherheit», sagt Landmann. Die Basler Zelle soll mit der Untergrundorganisation PKK, die seit 2002 in Europa verboten ist, und den türkischstämmigen Daltons zusammenarbeiten. In Deutschland sorgen die Daltons derzeit mit Anschlägen auf Ladenlokale für Schlagzeilen. Die Schweizer Tolhildans und die Daltons haben offenbar denselben Chef: Siirtli Naci. Der Kokain-Boss wird seit Jahren von Interpol gesucht.

Wie eine Tat geahndet wird, liegt laut dem Experten in der Hand der Justiz. «Wenn eine Tat serienmässig vorkommt, dann ist das Interesse der Justiz, diese Taten zu verfolgen, eher geringer», behauptet er. Der Aufwand sei schlicht zu gross für das Ergebnis. Landmann hält das für einen Fehler: «Man sollte es genauso verfolgen, wie ein Einzeldelikt.» Landmann spricht in diesem Zusammenhang von einem «multifunktionalen Gewaltphänomen» und warnt vor einer zu laschen Handhabe.

Nur weil die Straftaten in Gruppen verübt werden, dürften sie nicht dazu verführen, einzelne Delikte billig durchgehen zu lassen. «Das Gesetz ist anzuwenden. Etwas anderes würde zu verheerenden Resultaten führen.» Die Tendenz ist laut Landmann möglicherweise eine andere.

Gezielt junge Männer werden angeworben

Der Name «Gen-Z-Mafia» verweist auf zwei Merkmale: jung und organisiert. «Mafia bedeutet einfach organisiertes Verbrechen, oder in Gruppen begangenes Verbrechen. Das trifft auch hier zu», erklärt Landmann. Solche Gruppierungen gebe es zwar schon lange, das Alter der Akteure sei strafrechtlich aber entscheidend. Die Mafia spannt immer öfter Minderjährige ein.

Der Jurist erklärt: «Die Jugend mildert die Strafe in der Schweiz sehr stark. Darum nehmen sich manche kriminelle Gruppen speziell vor, Jugendliche zu rekrutieren, da denen praktisch nichts passiert.» Neu sei das Phänomen an sich nicht. Laut Landmann stechen jedoch die Delikte ins Auge: «Delikte, die von Jungen begangen werden, werden immer schwerer – auch Körperverletzungsdelikte. Dadurch steigt das öffentliche Interesse.» Dass junge Menschen besonders leicht in die Gewalt abrutschen, führt Landmann auf deren «Alters- und Sinnesstruktur» zurück.

Dass das Strafrecht hier an Grenzen stösst, sorgt für Kritik. Landmann warnt vor Stillstand: «Man muss immer wieder überlegen, ob Aspekte des Strafrechts der sich entwickelnden Situation noch gerecht werden.» Komplett aufgeben dürfe man das Jugendstrafrecht aber nicht. Junge Täter bräuchten weiterhin eine gewisse Rücksicht des Staates. In Deutschland will man das Jugendstrafrecht bereits verschärfen – und auch in der Schweiz fordern Politiker härtere Massnahmen.

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