Darum gehts
- Mindestens 151 Gemeinden der Schweiz erlassen Wasserverbote wegen Trockenheit
- Bussen bis 2000 Fr. für Rasenbewässerung, doch Sportplätze werden weiterhin bewässert
- Ein Sportrasen-Ausfall kann Gemeinden mehrere Zehntausend Franken kosten
Die Schweiz ist im Wassersparmodus. Mindestens 151 Gemeinden haben Nutzungsverbote erlassen, weitere 194 rufen zum Sparen auf, berichtet SRF. Wer seinen Rasen sprengt, riskiert Bussen bis 2000 Franken. Gleichzeitig läuft beim Sportplatz nebenan der Sprinkler auf Hochtouren. Genau solche Szenen schicken uns Leserinnen und Leser fast täglich.
«Bei uns im Rheintal bewässern die Gemeinden locker die Blumenrabatten», ärgert sich ein Blick-Leser. Ein anderer aus Uzwil SG schreibt: «Die Gemeinde bewässert lieber den Fussballplatz und würde vorher das Schwimmbad schliessen, sei so günstiger für den Steuerzahler.» Aus Lausen BL heisst es: «Die Sportplätze werden auch noch bewässert. Antwort der Gemeinde: Es kostet viel Geld, wenn die Anlagen kaputtgehen.» Aus Merenschwand AG, Wädenswil ZH, Horgen ZH, Birmenstorf AG und Hochdorf LU treffen ähnliche Klagen ein: Sportplätze und Friedhofsrasen werden bewässert, während der private Garten verdorren soll.
«Solange der Nachbar wässert, kann ich das auch»
Bisher seien die Sparappelle in Merenschwand wirkungslos geblieben. «Es hat noch nichts gebracht. Und es wird nichts bringen», sagt Christoph Notter, Gemeinderat und Ressortvorsteher in Merenschwand, gegenüber Blick. Das Problem liege tiefer: «Die Mentalität ist: Solange der Nachbar wässert, kann ich das auch. So tickt unsere Konsumgesellschaft. Das kollektive Bewusstsein, dass es wirklich schwierig werden kann, ist noch zu wenig angekommen.»
Etwas positiver sieht es in Lausen aus. Auf Blick-Anfrage schreibt die Gemeinde: «Es hat etwas gebracht. Es war allerdings in der Zeit, in der viele in den Ferien waren.» Ob der Rückgang am Sparappell lag oder schlicht an der Ferienzeit, sei schwierig zu sagen.
Unklarheit herrscht in Uzwil. Auf Anfrage heisst es: «Ob der Aufruf zum Wassersparen nützt, ist schwer zu sagen. In dieser kurzen Rückmeldeperiode ist eine seriöse Beantwortung nicht möglich.»
Beim Garten hart, beim Fussballplatz Gnade
Ist es für eine Gemeinde wirklich teurer, den Fussballplatz vertrocknen zu lassen, als ihn täglich zu bewässern? Christoph Notter sagt: «Geht der Rasen kaputt, wird es unverhältnismässig teuer. Das können schnell zigtausend Franken sein, weil es sich um einen Sportrasen und nicht um einen 0815-Rasen handelt.»
Ein Verbot zum Giessen des eigenen Gartens habe man nicht erlassen, stellt Notter klar, bloss einen Appell zum Sparen. Beim Fussballplatz mache man aber bewusst eine Ausnahme. «Wir bewässern nur das absolute Minimum, keine Vollbewässerung. Das ist eine wirtschaftliche Überlegung: Lieber mit minimalem Aufwand retten, als Steuergelder zu opfern.»
Die Gemeinde will das Problem an der Wurzel packen. «Wir sind an einer Lösung dran, damit wir kein Leitungswasser mehr brauchen zum Bewässern vom Fussballplatz. Das Projekt läuft gerade an», sagt Notter.
«Pietätlos, Friedhof nicht zu bewässern»
In Horgen wird der Friedhof weiterhin bewässert. Gemeindepräsident Beat Nüesch rechtfertigt das gegenüber Blick mit der geografischen Lage der Gemeinde. «Wir in Horgen sind in der privilegierten Position, Wasser aus dem Zürichsee zu ziehen. Der Wasserpegel des 88 Quadratkilometer grossen Sees ändert sich dadurch unwesentlich. Wir fänden es daher pietätlos, den Friedhof nicht zu bewässern.»