Darum gehts
- Brandkatastrophe in Crans-Montana: Brennendes Material tropfte wie Napalm auf Opfer
- Brandschutzexperte kritisiert unzulässige Verwendung von gefährlichem Baumaterial
- Toxische Rauchgase verschärfen die Gefahr zusätzlich
Wie Regentropfen aus der Hölle prasselte das Feuer in der Silvesternacht auf die Opfer der Brandkatastrophe von Crans-Montana VS. Auf einigen Videos aus dem Inneren der Bar ist zu sehen, wie geschmolzenes Material der brennenden Schaumstoff-Decke nach unten tropft. Die Horrorszenen erinnern ein wenig an Napalm, dessen Einsatz gegen Zivilisten als Kriegsverbrechen gilt.
«Der auf dem Video ersichtliche Abtropfeffekt lässt auf die unzulässige Verwendung von Baumaterial mit kritischem Brandverhalten schliessen», meint Brandschutzexperte Roland Geissbühler. Ein kritisches Brandverhalten zeigt sich laut dem Experten neben dem Abtropfeffekt auch durch giftige Ausgasungen.
In der Schweiz dürfen Materialien, die zum Bauen verwendet werden, kein kritisches Brandverhalten aufweisen. Anders sieht es zum Beispiel bei Dekorationsmaterial aus. Als Baumaterial gelten Stoffe, die unter anderem ortsfest und dauerhaft montiert sind.
Gefährlicher Effekt
«Die flüssigen, klebrigen und brennenden Tropfen stellen eine Gefahr für die Personensicherheit dar», meint der Experte. Wer vom geschmolzenen Material getroffen wird, kann schwere Hautverbrennungen erleiden.
Ausserdem können die Tropfen weitere Brandherde entzünden, etwa Tische oder Tischdekorationen. So werde ein laufender Brand noch beschleunigt.
«Am gefährlichsten ist aber die entstehende Rauchgas-Ausbreitung», ist sich der Experte sicher. Diese Rauchgase können für die Umstehenden giftig sein. «Je nach Art der verbrennenden Materialien variiert die Toxizität, und dies in Kombination mit mehreren Hundert Grad Rauchgas-Temperatur.» Das heisst, je mehr Material verbrannt wird, desto grösser die Gefahr, dass sich giftige Gase ausbreiten können.
Material müsste abgedeckt werden
Trotz der möglichen Gefahren ist es laut Geissbühler aber grundsätzlich machbar, Materialien mit kritischem Brandverhalten im Innern von Bauten zu verwenden. «Diese müssen aber raumseitig, vollflächig mit Materialien ohne kritisches Brandverhalten abgedeckt werden.» Dies scheint in Crans-Montana nicht der Fall gewesen zu sein. «Diese raumseitige Abdeckung oder die Verwendung des korrekten Materials hätte die rasche Entzündung und das dabei entstehende Abtropfen weitgehend verhindert», meint der Experte.
Wie viel Schaden der Abtropfeffekt bei der Tragödie in Crans-Montana genau verursacht hat, lässt sich bisher nicht einschätzen. Das Universitätsspital Zürich (USZ) gab auf Anfrage von Blick aber bekannt, dass «bei den Verletzten am USZ keine solchen Verletzungsbilder festgestellt» wurden.