Darum gehts
- Ein 65-Jähriger zündete sich Dienstag in einem Postauto in Kerzers an
- Täter lebte isoliert im Camper, misstraute Staat und erhielt Betreibungen
- Mindestens acht Adressen in 20 Jahren, Spital meldete ihn als vermisst
Erneut erschütterte eine schreckliche Tragödie die Schweiz. Am Dienstag zündete sich ein 65-jähriger Schweizer in einem Postauto in Kerzers FR und riss dabei fünf weitere Menschen in den Tod.
Nun zeigen Recherchen des «Tagesanzeigers»: Der 65-Jährige lebte seit vier Jahren in einem Camper, parkiert auf einem Bauernhof im Berner Seeland.
Betreibungen und Misstrauen in den Staat
Der ehemalige Lastwagenfahrer galt als zurückhaltend und freundlich, sagt eine Anwohnerin zur Zeitung. Doch zuletzt plagten ihn offenbar gesundheitliche Probleme: Er konnte kaum noch aufrecht gehen, wie der Hofbesitzer berichtet.
Sein Briefkasten sei voll mit Betreibungen und Vorladungen gewesen. Laut seinem Vermieter habe der Mann zudem zunehmend dem Staat misstraut: «Er hat sich darüber aufgeregt, dass dieser sich ‹um die Ausländer kümmert, aber nicht um mich›», zitiert der «Tagesanzeiger» den Mann. Schliesslich habe er sich immer weiter in seine eigene Welt zurückgezogen.
Standplatz gekündigt
Im Januar 2026 wurde ihm schliesslich der Standplatz gekündigt, bis Ende März sollte er das Gelände verlassen.
Seine Lebensumstände waren prekär. In den letzten 20 Jahren war er an mindestens acht verschiedenen Adressen gemeldet. Kürzlich habe er sich freiwillig im Spital Aarberg gemeldet, um sich wegen gesundheitlicher Probleme behandeln zu lassen.
Spital warnte Polizei
Noch bleiben viele Fragen, zu dem, was in Kerzers passiert ist, offen. Klar ist: Am Dienstagmittag verschwand der 65-Jährige aus einem Spital. Die Klinik meldete ihn bei der Polizei als vermisst. Daraufhin wurde eine Suchaktion gestartet. Auch die Familie des Mannes wurde befragt, darunter seine zwei Kinder. Ohne Erfolg.
Am Abend kam es dann zur schrecklichen Tat.