Blick analysiert die Bilder des Postauto-Dramas – das Feuer brach am gefährlichsten Ort aus
«Die Menschen im hinteren Teil sassen in einer Todesfalle»

In Kerzers FR hat sich ein Mann am Dienstagabend in einem Postauto selbst angezündet. Mindestens sechs Menschen starben. Videos zeigen, wie das Feuer in Sekunden das Fahrzeug erfasste und zur Todesfalle machte. Experten erklären, warum viele nicht mehr rauskamen.
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Benzindämpfe und hohe Temperaturen dürften beim Drama von Kerzers eine grosse Rolle gespielt haben.
Foto: Screenshot Leservideo

Darum gehts

KI-generiert, redaktionell geprüft
  • Mindestens 6 Tote bei Busbrand in Kerzers FR, 5 Verletzte
  • Brand entstand durch absichtliche Selbstentzündung eines psychisch instabilen Mannes
  • Temperaturen über 1000 Grad in 30 Sekunden, Flucht für viele unmöglich
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«Die Passagiere im hinteren Teil des Busses hatten überhaupt keine Chance. Nicht wenn das Fahrzeug in der Mitte zu brennen beginnt! Sie sassen in einer Todesfalle.» Hans Hutter (70), pensionierter Postautounternehmer aus Eggerberg VS, ist geschockt über die Bilder aus Kerzers FR. 

Videos der Tragödie zeigen, warum der Brand solch katastrophale Folgen hatte. Alles geht rasend schnell. 

Es dauert nicht einmal eine Minute, bis Flammen aus dem Postauto schlagen.
Foto: Screenshot Leservideo

Zunächst steigt nur Rauch aus dem Bus auf. Doch nicht einmal 50 Sekunden später schlagen schon Flammen aus dem Fahrzeug. Kurze Zeit später brennt das Postauto lichterloh.

Der Brandherd befindet sich direkt bei der hinteren Tür.
Foto: Screenshot Leservideo

Auf anderen Aufnahmen ist zu sehen, dass der Brand am gefährlichsten Ort ausbricht – mitten im Fahrzeug bei der Tür. Weiter hinten gibt es bei diesem Busmodell keine Türen mehr, wie auf den Bildern zu sehen ist. Wer hinter dem Brandherd sitzt, ist gefangen. 

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Zuerst ist nur Rauch zu sehen, der aus dem Bus in Kerzers quillt.
Foto: Screenshot Leservideo

«Da nützen auch Hämmer nichts»

Schon am Abend war auch Hans Hutter klar, dass es sich beim Drama nicht um einen gewöhnlichen Fahrzeugbrand handeln konnte. Er sagt: «Solche Brände brechen in aller Regel im Motorraum, also ganz hinten im Bus, aus. Dann können sich die Fahrgäste nach vorne in Sicherheit bringen. 

Auf Leservideos des Brandes ist jedoch zu sehen, dass der Brand in der Mitte des Busses losgeht, direkt bei der Tür. «Die Menschen, die im hinteren Teil sassen, waren gefangen, das Feuer hat ihnen den Weg nach draussen versperrt», analysiert Hutter und fügt an: «Da nützen auch Hämmer nichts!»

«Alles passierte innerhalb von fünf bis sechs Sekunden»
4:07
Cousin von Arbi war im Bus:«Alles passierte innerhalb von fünf bis sechs Sekunden»

Der Grund: «Das Fahrzeug füllt sich rasend schnell mit Rauch und Flammen. In einer solchen Situation richtig zu reagieren, den Hammer zu finden, zu greifen und dann eine Scheibe einzuschlagen, ist fast unmöglich», sagt der langjährige Chauffeur. 

Tatsächlich zeigen Videos, dass es nicht einmal eine Minute von den ersten Rauchschwaden bis zum Vollbrand des Busses dauert. «Wer solche Situationen nicht trainiert hat, ist schlicht überfordert», sagt Hutter, dessen Gedanken bei den Angehörigen der Opfer und den Verletzten sind. 

Der Faktor Zeit

Siegfried Brockmann (67), Unfallforscher bei der Björn Steiger Stiftung in Deutschland, erklärt, warum sich das Feuer so schnell ausgebreitet hat. Er sagt zu Blick: «Weil das Feuer mit Benzin beschleunigt wurde, sind ganz schnell sehr hohe Temperaturen entstanden. Dadurch haben sich auch die Materialien im Bus innert Sekunden entflammt. Bei einem normalen Feuer wäre dies nicht annähernd so schnell möglich.»

Das bedeute, dass alles und alle in der unmittelbaren Umgebung des Brandherds sofort in Brand gestanden hätten. «So sind innert sehr kurzer Zeit, vielleicht 30 Sekunden, Temperaturen von weit über 1000 Grad und giftige Rauchgase im ganzen Bus entstanden», sagt Brockmann und fügt an: «In diesen Temperaturen kann kein Mensch 30 Sekunden überleben. Jeder Atemzug zerstört die Lungenbläschen.» Die Passagiere, die sich unmittelbar im Bereich des Feuers befanden, hatten laut dem Experten keine Chance.

Warum konnten die Opfer nicht aus dem Bus aussteigen?
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Frage an Polizei:Warum konnten die Opfer nicht aus dem Bus aussteigen?

Flucht nicht möglich

Die anderen Passagiere, die im vorderen Teil des Postautos sassen, hätten noch ungefähr 90 Sekunden länger Zeit gehabt, um durch die vordere Tür rauszukommen. «Das war der direkte und schnellste Weg nach draussen», so Brockmann. «Die Leute im hinteren Bereich des Busses hatten diese Möglichkeit nicht!» 

Eine Flucht durch die anderen Notausgänge – über das Dach oder durch mit dem Notfallhammer eingeschlagene Fenster – hält auch Siegfried Brockmann für unrealistisch. «Das wäre in diesem Fall zeitlich nicht möglich gewesen. Zudem hätte man für den Weg über die Seitenscheiben sehr geistesgegenwärtig zuerst den Nothammer finden müssen, dann die Scheiben rausschlagen und dann akrobatisch über diese Scheiben hinausklettern müssen», sagt er. 

Deshalb sind bei dem Brand am Dienstagabend wohl mindestens sechs Menschen gestorben. Fünf weitere wurden verletzt, darunter ein Rettungssanitäter. Mehrere Verletzte befinden sich in kritischem Zustand.

Nach aktuellem Ermittlungsstand soll sich ein Mann im Bus selbst in Brand gesetzt haben, wodurch das Feuer ausgelöst wurde. Der mutmassliche Brandstifter gehört zu den Todesopfern. Es handelt sich um einen 65-jährigen Schweizer mit Wohnsitz im Kanton Bern. Die Polizei geht derzeit von einer vorsätzlichen Tat aus, aber nicht von einem terroristischen Hintergrund.

Postauto steht in Vollbrand
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