Darum gehts
- Abhörgerät in Klaus Schwabs Anwesen in Cologny GE entdeckt, Ermittlungen laufen
- Die Wanze wurde vermutlich in den letzten drei Jahren installiert
- Schwab trat 2025 als WEF-Patron zurück, Genfer Justiz untersucht den Fall
Der Verdacht schreckt auf – wurde WEF-Gründer Klaus Schwab (88) jahrelang abgehört? In seinem Anwesen in Cologny GE, gleich unterhalb der Zentrale des World Economic Forum, soll bei einer routinemässigen Sicherheitsüberprüfung eine Abhörvorrichtung entdeckt worden sein.
Wie Blick aus Schwabs Umfeld erfahren hat, befand sich das Material in seinem privaten Arbeitszimmer. Nicht nur das Einfamilienhaus, das er mit seiner Ehefrau Hilde (80) seit über 50 Jahren bewohnt, dient ihm als Refugium. Auch im Vorhäuschen im Privatgarten, in dem er ein Büro eingerichtet hat, pflegt der Doyen zu arbeiten. Dort entwickelt er Ideen, dort schreibt er, dort telefoniert er, dort fühlt er sich sicher. Umso tiefer sitzt der Schock.
Auf die Wanze ist gemäss Blick-Recherchen ein externer Sicherheitsspezialist gestossen. Der hat sämtliche Utensilien der Polizei übergeben. Schwab hat Strafanzeige gegen unbekannt eingereicht. Die Generalstaatsanwaltschaft des Kantons Genf hat den Fall übernommen.
Technik muss innerhalb der letzten drei Jahre installiert worden sein
Von unabhängiger Seite lassen sich die Informationen bisher nicht bestätigen – aus Schwabs Umfeld berichten jedoch gut informierte Quellen, dass die Abhörvorrichtung innerhalb der vergangenen drei Jahre installiert worden sein muss.
Noch völlig offen ist, ob die Technik tatsächlich aktiv war und ob Gespräche oder andere Infos aus Schwabs Büro aufgezeichnet wurden. Und unbeantwortet bleibt die Hauptfrage: Wer steckt hinter der mutmasslichen Abhöraktion?
Was sicher ist: Der Fall wirft ein Schlaglicht auf einen illustren Machtkampf der vergangenen Jahre. Nach anonymen Vorwürfen, Schwab habe seine Macht missbraucht, trat er als WEF-Patron im Frühling 2025 zurück. Eine externe Untersuchung einer Zürcher Anwaltskanzlei entlastete ihn daraufhin komplett.
Schwabs interne Widersacher wie Ex-Nestlé-Chef Peter Brabeck (81) und Ex-WEF-CEO Børge Brende (60) sind mittlerweile ebenfalls ihre WEF-Funktionen los. Brabeck trat nach dem Untersuchungsbericht zurück, Brende stolperte über die Epstein-Affäre.
Mehr Europa, mehr Amerika: Es tobt ein Richtungskampf
Was bleibt, ist ein Richtungskampf ums WEF im Hintergrund: Schwab wollte das Forum nach eigenen Angaben stärker und nachhaltiger in der Schweiz verankern. Er kämpft für EZB-Präsidentin Christine Lagarde (70) als Nachfolgerin. Die Französin stösst bei einem Grossteil der WEF-Führung auf Widerstand.
Die neuen Co-Präsidenten, Blackrock-Patron Larry Fink (73) und Roche-Erbe André Hoffmann (68), setzen andere Akzente. Beim vergangenen Annual Meeting in Davos GR im Januar 2026 war das Treffen sehr amerikanisch geprägt – und der New Yorker Fink dachte laut über andere Austragungsorte ausserhalb der Schweiz nach.
Von der WEF-Spitze ertönten zuletzt versöhnliche Signale gegenüber dem Gründer. Dennoch: Mehr Europa oder mehr Amerika, mehr Business oder mehr Weltpolitik – der Konflikt um die Zukunft des WEF ist in vollem Gange. Umso brisanter ist jetzt die Enthüllung.
Auf Anfrage von Blick wollen sich Schwab und seine Mitarbeiter derzeit nicht äussern, weder zu möglichen Tätern noch zur Herkunft der Abhörvorrichtung. Man möchte den Ausgang der strafrechtlichen Ermittlungen abwarten und keine Spekulationen anheizen. Nun liegt der Ball bei der Genfer Justiz. Für alle Beteiligten gilt die Unschuldsvermutung. Die WEF-Saga ist um ein Rätsel reicher.