Darum gehts
- Børge Brende tritt als CEO des WEF nach Epstein-Skandal zurück
- Larry Fink und André Hoffmann sind nun ständige Vorsitzende des WEF
- Schwabs Vertrag mit Christine Lagarde wurde am 1. April 2025 geschlossen
Von dreien bleibt nur noch einer. Diese Woche musste Børge Brende (60), CEO des Weltwirtschaftsforums, seinen Hut nehmen. Die Epstein-Enthüllungen belasteten ihn zu sehr. Das WEF kann sich keinen obersten Repräsentanten leisten, der die Ehefrau des israelischen Ministerpräsidenten in internen Mails als «Miss Piggy» verspottet. Der Norweger verwedelte und log; erst nach und nach kam zum Vorschein, wie eng er mit dem 2019 verstorbenen Sexualstraftäter Jeffrey Epstein befreundet war. Nun ist Brende weg, der Schweizer Alois Zwinggi (64) hat interimistisch übernommen.
Klaus Schwab (87) dürfte stille Genugtuung empfinden – der WEF-Gründer war 2025 aufgrund anonymer Vorwürfe nach 55 Jahren auf unsanfte Weise kaltgestellt worden. Treibende Kraft dabei waren die «drei B»: Børge Brende, der kurzzeitige Interimspräsident Peter Brabeck (81) und Vorstandsmitglied Thomas Buberl (52). Brabeck trat im Sommer nach der Entlastung von Klaus und Hilde Schwab (79) durch einen Untersuchungsbericht zurück. Mit Buberl sitzt noch der letzte der drei Königsmörder im Amt. Nun kursieren unbestätigte Gerüchte, dass auch der Druck auf den Deutschen steigt.
Line-up der Superlative
Die Brende-Posse lenkt von einer viel wichtigeren Weichenstellung beim WEF ab. Seit August führen Larry Fink (73) und André Hoffmann (67) als Chairmen das Forum – eigentlich interimistisch. Schwab hofft dem Vernehmen nach noch immer, dass im Sommer letztlich seine Wunschkandidatin auf ihn folgen wird, EZB-Präsidentin Christine Lagarde (70). Gegen diese Personalie verspürte der Gründer allerdings WEF-intern Widerstand.
Dann kam eine bemerkenswerte Entwicklung hinzu: Am diesjährigen Weltwirtschaftsforum blühte Fink als Gastgeber sichtlich auf; der Amerikaner sorgte für ein Line-up der Superlative, brachte den Event so prominent in die Weltpresse wie kaum je zuvor – und US-Präsident Donald Trump (79) gründete in Davos seinen Friedensrat. Fink liess innerhalb des WEF diskret den Zusatz «ad interim» aus seiner Amtsbezeichnung entfernen. Fink und Hoffmann sind offiziell nicht mehr lediglich Übergangspräsidenten. Ein WEF-Sprecher bestätigt gegenüber Blick: «Ja, das stimmt.» Auch in Finks englischsprachigem Wikipedia-Porträt fehlt das «ad interim» auf einmal. Larry Fink scheint gekommen, um zu bleiben.
Schwabs Schreiben an die ESA
Das mag ein Detail sein, signalisiert aber einen Kulturkampf: Der New Yorker Blackrock-Gründer Larry Fink und André Hoffmann, Vertreter des Schweizer Pharmariesen Roche, der in den USA milliardenschwere Investitionen plant, stehen für eine beispiellose Amerikanisierung des Forums. Im Januar hatten US-Medien angebliche Planspiele Finks veröffentlicht, das WEF dereinst ausserhalb Europas stattfinden zu lassen.
Grösser konnte der Kontrast zur Französin Lagarde kaum sein: der Wall-Street-Tycoon Fink gegen Europas Notenbankerin. Schwab hat nun direkt in den Richtungskampf eingegriffen: Wie Blick aus bestens unterrichteter Quelle erfahren hat, hat sich der Gründer an die Eidgenössische Stiftungsaufsicht (ESA) gewandt. In einem Schreiben ersucht er die Behörde, dass sie die Nachfolgevereinbarung mit Christine Lagarde behandelt. Am 1. April 2025 hatte Schwab mit ihr einen entsprechenden Deal abgeschlossen. Wie die ESA auf Schwabs Intervention reagieren wird, ist offen. Klar ist: Die Zeit spielt für Fink und Hoffmann. Für sie steht jetzt erst einmal ein wichtiges Dossier an: einen Nachfolger oder eine Nachfolgerin von CEO Børge Brende zu finden.