Darum gehts
Das Hilfswerk Caritas kommt nicht zur Ruhe! Nach dem langjährigen Direktor Hugo Fasel (zwölf Jahre im Amt) scheitert nun bereits dessen zweiter Nachfolger. Erst musste Peter Marbet (59) nach wenigen Monaten gehen – wegen «unterschiedlicher Auffassungen von Führung und Zusammenarbeit». Nun trifft es auch den Neuen, Peter Lack (58) – und zwar Knall auf Fall. Während der katholische Wohlfahrts- und Sozialverband nach aussen die Armut bekämpft, leistet er sich intern ein Führungschaos mit teuren Chefs, aufgeblähter Zentrale und frustrierten Kadern.
Dass Lack nicht sanft ausgebremst, sondern abrupt aus dem Verkehr gezogen wird, illustriert die Dramatik des Geschehens. Während er bis Vertragsende Ende Oktober weiter ein Direktorensalär von 201'000 Franken pro Jahr bezieht, musste er die operationelle Verantwortung per sofort abgeben. Offiziell heisst es, Lack stehe dem Caritas-Präsidium noch «beratend» zur Verfügung.
Sechs Geschäftsleitungs-Mitglieder gingen
Intern haftet Lack der Ruf eines kompromisslosen Vorgesetzten an. Menschen, die ihn gut kennen, beschreiben einen Direktor, der Entscheidungen entschieden durchdrückt – dabei aber immer wieder den Blick dafür verliert, worauf es bei der Caritas eigentlich ankommt: die Armutsbekämpfung. Konsequenz: eine zerbröselnde Geschäftsleitung. In vier Jahren haben sechs GL-Mitglieder Caritas Schweiz verlassen; Mitarbeitende warnten bereits früh, Lacks Strategie setze zu stark auf Verwaltung und zu wenig auf konkrete Hilfe für die Ärmsten.
Chefetage holte Spezialisten und Berater
Im Zentrum der Kritik steht der Vorwurf, Lack habe die Zentrale massiv aufgebläht. Seit 2021 wuchs das Personal explosionsartig: von 337,49 auf 629,6 Vollzeitstellen – fast eine Verdoppelung. Zwar verweist Caritas darauf, der starke Zuwachs gehe vor allem auf neue Mandate im Asylwesen der Kantone Zürich, Zug und Schwyz zurück. Gleichzeitig wurden jedoch Supportbereiche und Stabsstellen kräftig ausgebaut und externe Beratungsmandate vergeben. Offiziell betont Caritas, der Anteil der Verwaltungskosten liege «seit vielen Jahren unter 10 Prozent» – intern sorgt der aufgepumpte Apparat dennoch für Misstrauen.
So schuf Lack zig Stabsfunktionen – vom Datenschutz bis zur digitalen Transformation. Caritas verteidigt dies mit Verweis auf Compliance, also gesetzliche Vorgaben und die Notwendigkeit verbindlicher Standards. Kritiker fragen aber, warum ausgerechnet eine Organisation, die für die «Ärmsten der Armen» da sein will, ihre Chefetage mit Spezialisten und Beratern aufrüstet.
Ein Hilfswerk, das sich um sich selbst dreht
Auch externe Beratungsmandate sorgten intern für Kopfschütteln. Unter Lack vergab die Direktion mehrere Aufträge zu Organisationsentwicklung, Strategie und Statutenrevision nach aussen. Caritas winkt ab: Diese Mandate machten lediglich 0,03 Prozent des Fundraising- und Administrativaufwands aus. Dennoch bleibt der Eindruck, dass sich das Hilfswerk zunehmend um sich selbst dreht. Peter Lack wollte sich gegenüber Blick nicht äussern. Und Caritas betont: «Unser Einsatz für eine Welt ohne Armut ist von diesem Wechsel nicht betroffen.»