Darum gehts
- Die verheerende Brandkatastrophe in der Bar Le Constellation forderte 41 Todesopfer
- Gegen das Barbetreiberpaar Jacques und Jessica Moretti wird ermittelt
- Das Feuer wurde durch Sprühkerzen an Champagnerflaschen ausgelöst
Nächstes Moretti-Verhör verschoben – «eine Schande»
Von Janine Enderli, Redaktorin am Newsdesk
Die Ermittlungen zum Inferno von Crans-Montana verzögern sich. Die für den 7. April geplante Anhörung von Jacques Moretti wurde kurzfristig und auf unbestimmte Zeit verschoben, wie der «Corriere del Ticino» zuerst berichtete.
Grund dafür sind ärztliche Atteste, die seine Teilnahme verhindern. Die Schreiben liegen Blick vor. In einem Dokument erklärt der Arzt des Bar-Betreibers, dass Jacques Moretti «infolge des posttraumatischen Schocks nach dem Brand am 1. Januar und seiner anschliessenden Inhaftierung unter einer Depression leidet.» Es sei für den Franzosen deshalb schwierig, sich Verhören zu unterziehen.
Patrick Michod, Anwalt von Jacques Moretti, betont, dass sein Mandant Morddrohungen bekomme und einem ausserordentlichen Mediendruck ausgesetzt sei. «Er leidet an Angstzuständen.»
Die Gegenseite reagiert kritisch auf die Termin-Annullation. Die kurzfristige Absage irritiert einen Opferanwalt. «Woher sollten sie eine Woche im Voraus wissen, dass er nicht kommen kann? Ausserdem ist mir nicht bekannt, dass ein externer Arzt mit der Überprüfung der Echtheit der eingereichten Atteste beauftragt wurde. Das ist eine Schande.»
Jacques Moretti sollte am Dienstag zum dritten Mal von der Staatsanwaltschaft vernommen werden. Seine letzte Anhörung fand am 11. Februar statt. Damals formierten sich die Opferfamilien vor der Örtlichkeit und beschimpften die Morettis vor ihrer Befragung. «Ihr habt meinen Sohn getötet», rief eine Mutter Jessica Moretti zu. Damals wurde die Befragung vorzeitig abgebrochen, um ein erneutes Zusammentreffen zu vermeiden.
«Die Ärzte sagten mir jeden Tag, dass sie in wenigen Stunden sterben könnte»
Von Janine Enderli, Redaktorin am Newdesk
90 Tage sind seit dem Inferno von Crans-Montana vergangen. Die Opfer und ihre Familien kämpfen nach wie vor mit den schlimmen Folgen, die das Unglück anrichtete.
Eine der Betroffenen ist die 19-jährige Anaïs. Sie erlitt bei dem Feuer schwere Verbrennungen an 70 Prozent ihres Körpers. Für ihre Mutter Julie ist der Alltag seither ein ständiger Kampf, wie sie im Gespräch mit dem RTS-Format La Matinale schildert. «Sie lag acht Wochen im künstlichen Koma – ihr Leben hing die ganze Zeit am seidenen Faden. Die Ärzte sagten mir, dass sie in wenigen Stunden sterben könnte.»
Die Jugendliche wurde nach der Katastrophe zur Behandlung nach Hannover in Deutschland verlegt.
«Medizinisch ist sie stabil, aber sie leidet weiterhin unter den Folgen der schweren Verbrennungen. Beide Hände sind stark betroffen, sie kann sie nicht benutzen.»
Julie hat sich seit dem Unglück ein Hotelzimmer in der Nähe des Spitals genommen, um bei ihrer Tochter sein zu können. «Ich wohne seit drei Monaten hier. Wir wollten so nah wie möglich bei ihr sein», sagt sie. Doch die Entfernung zur Schweiz, die Sprachbarriere im Spital und das Fehlen psychologischer Unterstützung in Französisch machen die Situation schwierig. «Anaïs fühlt sich isoliert. Sie leidet unter Schmerzen und der Erkenntnis, dass ihr Leben nie wieder so sein wird wie vorher. Sie fühlt sich allein und will einfach nach Hause und ihre Freunde sehen.»
Seit dem 10. März gilt Anaïs' Zustand als stabil genug, um sie in die Schweiz zu verlegen. Doch trotz mehrfacher Zusicherungen des Universitätsspitals Lausanne (CHUV), dass eine Rückführung «in den kommenden Tagen» organisiert werde, ist bisher nichts geschehen.
Die Mutter kritisiert die Schweizer Behörden scharf: «Sie sagen mir, dass sie im Falle weiterer Unfälle Leute ins Ausland schicken müssen. Können Sie das glauben?»
Auch die geplante Transplantation ihrer Tochter musste wegen der unklaren Situation um Wochen verschoben werden. «Ihr müssen die Fingerglieder amputiert werden. Wir hätten das lieber in der Schweiz machen lassen, denn ohne psychologische Unterstützung in Französisch wird es schwierig.»
Die Generaldirektorin des CHUV, Claire Charmet, räumt im Gespräch mit RTS ein, dass die begrenzte Verfügbarkeit von Betten für Schwerbrandverletzte und die Notwendigkeit, Kapazitäten für Notfälle freizuhalten, die Rückführung verzögert haben. Man arbeite jedoch mit dem Universitätsspital Zürich zusammen, um eine Lösung zu finden.
Gegenüber RTS bestätigte die Mutter, dass sie kürzlich einen Anruf vom Lausanner Unispital erhalten hat, in dem eine baldige Rückführung in die Schweiz in Aussicht gestellt wurde.
«Eine Minute und 30 Sekunden haben mein ganzes Leben verändert»
Von Marian Nadler, Redaktor am Newsdesk
Der Genesungsweg der Opfer der Brandkatastrophe in Crans-Montana VS ist lang. Auf Facebook gibt die Französin Mélanie Van de Velde (32) immer wieder Einblick in ihren Alltag. Am Sonntag veröffentlichte sie einen weiteren Post.
«Es sind neun Wochen. Neun Wochen seit jener eine Minute und 30 Sekunden, die mein ganzes Leben verändert haben», beginnt der Beitrag. So lange habe es gedauert, bis die Flammen versucht hätten, Mélanie zu töten. «Bis mein Körper kippte. Bis nichts jemals mehr so sein würde wie zuvor.»
Van de Velde lebt im Wallis, wurde nach der Tragödie zunächst in Zürich medizinisch versorgt und später in ein Spital ins französische Nantes verlegt. «Ich habe den Tod gesehen. Ganz nah. Nah genug, um zu glauben, dass ich es nicht schaffen würde. Und trotzdem … bin ich hier. Nicht unversehrt. Nicht wie früher. Aber am Leben», heisst es in dem Facebook-Post weiter. Manche ihrer Nächte würden um 5 Uhr morgens enden, weil der Schmerz zu stark sei, berichtet sie. «Es ist, im Rollstuhl zu enden, weil selbst ein Bett unerträglich wird. Es sind Verbände, jeden Tag. Eine Haut, die noch immer brennt. Ein Körper, den man neu bewohnen lernen muss», ergänzt sie.
Dem Beitrag hat sie ein Bild von mehreren Orthesen beigefügt. Immer und immer wieder müsse sie diese anlegen und wieder abnehmen. Für ihr Gesicht hat sie zwei Kompressionsmasken bekommen. «Hilfsmittel, die jetzt zu mir gehören. Zu meinem Alltag. Zu meinem Wiederaufbau.»
Hinzu kommen unzählige Termine bei Spezialisten. Sie zählt auf: Physiotherapie, Ergotherapie, Orthopädie, Psychologe. Ihr Leben ist jetzt ein Kampf: «Für manche sind 4000 Schritte banal. Für mich ist es gewaltig.» Hinter jedem Schritt würden Schmerz und Erschöpfung stehen. «Normale Dinge sind für mich zu Siegen geworden.»
Am meisten fehle ihr in dieser Zeit ihre Tochter, die sie zuletzt am 12. Februar gesehen habe. «Seitdem gab es Stille. Abwesenheit. Ein Vermissen, das einem die Kehle zuschnürt. Man kann einen Körper heilen. Man kann einen Wiederaufbau begleiten. Aber man heilt keine Mutter, die von ihrem Kind getrennt ist.»
Aus dem Post geht nicht hervor, wieso Van de Velde ihre Tochter so lange nicht mehr gesehen hat. Die Französin deutet ein Treffen an. Denn inmitten all dieses Chaos … ist sie meine Kraft. Ist sie mein Sinn. Ist sie mein Leben», endet der Post.
Opfer werden schrittweise integriert
Von Mattia Jutzeler, Redaktor am Newsdesk
Nach den traumatischen Erlebnissen in Crans-Montana wieder in den Alltag zurückfinden. Dieser Herausforderung müssen sich viele junge Menschen stellen. Allein im Kanton Waadt haben sich 21 Schülerinnen und Schüler bei der Brandkatastrophe verletzt. Im Kanton Wallis waren es derer 15. Hinzu kommen viele weitere Kinder, deren Leben indirekt von diesem schrecklichen Ereignis betroffen war. Etwa, weil sie Freunde und Verwandte in den Flammen verloren haben.
Alle diese Menschen wieder in den schulischen Alltag zu integrieren, stellt die Schulen in der Romandie vor etliche Herausforderungen. Im Kanton Waadt sind beispielsweise seit Januar Schulpsychologen in den Klassen aktiv, deren Schulkinder von der Brandkatastrophe betroffen sind. Darüber berichtete «Le Temps». Im Wallis, wo es weniger Schulpsychologen gibt, wurde in diesem Punkt auf zusätzliche Freiwillige gesetzt. Auch bieten sich Lehrkräfte selbst als Gesprächspartner für traumatisierte Schülerinnen und Schüler an.
Für die Brandopfer selbst wird bei der schulischen Betreuung grundsätzlich ein individueller Ansatz angewendet. Trotz der körperlichen und seelischen Verletzungen möchten viele dieser jungen Menschen so schnell wie möglich wieder in die Schule gehen. «Um mit dieser Tragödie und ihren Folgen fertigzuwerden, brauchen sie Sinn, Perspektiven und die Fähigkeit, sich auf etwas anderes als diese Tragödie zu konzentrieren», erklärt Lionel Eperon, Generaldirektor für die nachschulische Bildung im Kanton Waadt, gegenüber «Le Temps».
Sobald es medizinisch möglich ist, werden die Brandopfer schrittweise in den Unterricht integriert. Dies funktioniert beispielsweise über einen reduzierten Lehrplan oder durch Online-Kurse. «Aber wir müssen die psychische Belastung für sie abschätzen», meint Eperon. «Die Massnahmen dürfen nicht schlimmer sein als die Krankheit.»
Italienische Ermittler fordern rund 1000 Dokumente
Von Marian Nadler, Redaktor am Newsdesk
Stefan Opilio, Staatsanwalt aus Rom, hat während eines zweitägigen Besuchs im Wallis Einblick in das 3500 Seiten starke Schweizer Ermittlungsdossier erhalten. Laut der Nachrichtenagentur Ansa wählte er rund 1000 Dokumente aus, deren Übermittlung er beantragte. Die Staatsanwaltschaft von Sitten hat zugesagt, das Übergabeverfahren zu beschleunigen und dabei die Unterstützung des Bundesamts für Justiz einzuholen, berichtet Ansa weiter.
Umgekehrt forderten die Schweizer Behörden auch die Ermittlungsunterlagen aus Italien an. Die Staatsanwaltschaft des Kantons Wallis plant, ein Rechtshilfeersuhen an die italienischen Behörden zu richten. Insbesondere sollen die Walliser Generalstaatsanwältin Beatrice Pilloud und ihr Team die Obduktionsberichte der italienischen Opfer, medizinische Gutachten zu den Verletzten sowie Protokolle von Zeugenaussagen und Analysen von Mobiltelefonen fordern.
Am Donnerstagmorgen hatte eine italienische Delegation den Unglücksort in Crans-Montana besucht. Ob diese Zusammenarbeit ausreicht, um die diplomatischen Spannungen zwischen Italien und der Schweiz nach der Freilassung von Jacques Moretti, dem Eigentümer der Inferno-Bar Le Constellation, zu entschärfen, bleibt offen. Die Bereitschaft scheint jedoch gegeben.
Moretti, der zusammen mit acht weiteren Personen wegen Brandstiftung, Körperverletzung und fahrlässiger Tötung angeklagt ist, wird am 7. April in Sitten erneut verhört. Am 13. April folgt der Gemeindepräsident von Crans-Montana, Nicolas Féraud, als einer der fünf beschuldigten Gemeindemitarbeiter.
Die Gemeindemitarbeiter durften und dürfen sich unbequeme Fragen anhören. Gemeinderat und Kanton wussten offenbar Bescheid, dass der grassierende Personalmangel regelmässige Brandschutzkontrollen in der Gemeinde Crans-Montana verunmöglichte.
Sitten: Emotionale Rückkehr von Brandopfer ins Spital
Von Marian Nadler, Redaktor am Newsdesk
Es ist der 1. Januar 2026, als Katerina in die Notaufnahme in Sitten VS eingelieferrt wird. Sie wird intubiert und anschliessend hospitalisiert. Am nächsten Tag wird sie zur weiteren Behandlung in ein Spezialzentrum nach Brüssel verlegt. Erst am 19. Februar kehrt sie nach Hause zurück.
Am Donnerstag kehrte die junge Frau in Begleitung ihrer Mutter ins Spital in der Walliser Stadt zurück. Es kam zu einem emotionalen Wiedersehen mit den Ärztinnen und Ärzten sowie dem Pflegepersonal, welche sie in diesen ersten kritischen Stunden begleitet hatten. Katerinas Familie übermittelte auch eine Dankesbotschaft, wie der Verband Spital Wallis auf seiner Webseite schreibt. «Diese ersten Stunden gehörten zu den schwersten unseres Lebens. Ihre Professionalität, Ihre Kompetenz und die aussergewöhnliche Qualität der Versorgung unserer Tochter haben uns tief beeindruckt», schreiben sie darin. «Doch über die medizinische Exzellenz hinaus waren es Ihre Menschlichkeit, Ihr Feingefühl und Ihr Einfühlungsvermögen, die uns in diesen Momenten unbeschreiblicher Intensität gestützt haben. Sie haben sich um sie und um uns mit so viel Herzlichkeit und Menschlichkeit gekümmert, die für immer in unseren Herzen bleiben werden», bedanken sich die Eltern.
Für die Spitalteams hat ein solches Wiedersehen mit den ehemaligen Patientinnen und Patienten immer eine besondere Bedeutung. Es erinnert daran, dass hinter jeder Notfallversorgung eine Geschichte, eine Familie und ein langer Weg der Genesung stehen, schreibt Spital Wallis noch dazu.
Viele Eltern von Brandopfern haben die anfängliche Ohnmacht mittlerweile abgeschüttelt, so etwa die Perrouds. Sie haben eine Stiftung geschaffen, um andern Opferfamilien zu helfen. Dahinter steckt aber auch die Intention, schneller als der Staat zu handeln. Mehr zu der Stiftung liest du im Artikel meines Kollegen Robin Bäni.
22 Kilogramm Haarspenden für die Brandopfer
Von Mattia Jutzeler, Redaktor am Newsdesk
Die Brandkatastrophe in Crans-Montana hat im Leben vieler Personen bleibende Spuren hinterlassen. Viele der Verletzten haben beispielsweise Brandwunden am Kopf erlitten, die wohl nie wieder ganz verheilen werden. Eine gute Perücke kann vielen dieser Menschen helfen, den Weg zurück in den Alltag wiederzufinden.
Hier kommt die Firma Rolph AG aus Kloten ZH ins Spiel. Sie produziert solche Perücken aus echten Haaren. Dafür ist das Unternehmen allerdings auf Spenden angewiesen.
Die Anteilnahme am Schicksal der Brandopfer ist riesig, erzählt die Geschäftsführerin der Rolph AG der «Süddeutschen Zeitung». In den letzten zwei Monaten sind über 22 Kilogramm an verwertbaren Haarspenden zusammengekommen. Das seien doppelt so viele wie sonst in einem ganzen Jahr. «Es ist der pure Wahnsinn», meint die Geschäftsführerin. Auch die Auswahl und die Qualität der gespendeten Haare sei enorm hoch.
Die meisten Spenden kommen aus der Schweiz, aus Frankreich, Österreich und Italien, heisst es im Artikel weiter. Die meisten davon sind explizit für die Brandopfer bestimmt, das schreiben die Spender auf die Umschläge oder in begleitenden Briefen. Die ersten Perücken sollen schon bald bereit sein, meint die Geschäftsführerin. Gemeldet habe sich bisher aber noch keines der Brandopfer.
«Wir haben es irgendwie gespürt»
Von Johannes Hillig, Redaktor am Newsdesk
Alix (†16) starb bei dem Brand in Crans Montana. Die 16-Jährige wollte mit Freunden aus ihrer Heimatstadt Pully ins neue Jahr feiern – doch die Nacht endete in Flammen. Ihr Vater Daniel Perroud sprach mit RTL über den Verlust seiner Tochter und die schwierige Zeit danach.
«Wir haben es irgendwie gespürt und gewusst», erinnert sich Daniel Perroud an die schreckliche Silvesternacht. Während die Eltern und Alix’ Schwestern Mathilde und Inès zu Hause in Lausanne Silvester feierten, erreichte sie ein Anruf von den Eltern eines Freundes. «Wir sind dann direkt hochgefahren», erzählt der Vater. Zwei Tage lang wartete die Familie auf Gewissheit, doch die schlimmsten Befürchtungen wurden Realität: Alix und ihre Freunde konnten dem Feuer, das durch Champagnerfontänen die Schaumstoffdecke entflammte, nicht entkommen. «Es waren acht oder neun Leute in ihrer Gruppe, die leider alle gestorben sind», sagt er.
Seit dem Verlust ihrer Tochter steht für die Familie Perroud nichts mehr still. «Es ist ein langer Prozess», sagt der Vater. Alix’ Schwestern unterbrachen ihr Studium, und die Familie sucht Trost in gemeinsamen Momenten. «Wir gehen jeden Tag zu Alix auf den Friedhof und verbringen viel Zeit zusammen», erzählt Daniel. Alix war ein lebensfrohes, fröhliches Mädchen, das stets auf andere achtete.
Um das Andenken an die 16-jährige Alix zu bewahren und gleichzeitig anderen Familien in ähnlichen Situationen zu helfen, gründete die Familie die «Fondation Alix Perroud». Wenn du mehr darüber erfahren willst, mein Kollege Robin Bäni hat dazu einen ausführlichen Bericht geschrieben.
Opfer über Genesung: «Ich rieche ständig Verbranntes»
Von Angela Rosser, Redaktorin am Newsdesk
Der Horror der Silvesternacht hallt noch nach und wird uns alle noch lange beschäftigen. Lang ist auch der Weg, auf dem sich die Opfer zurück ins Leben kämpfen müssen. «Es war furchtbar. Drinnen hörte man Schreie, Hilferufe. Der Geruch von verbranntem Fleisch. Ein Geruch, der mir bis heute in der Nase hängt», erzählt ein 18-Jähriger, der die Flammenhölle überlebt hat, gegenüber RSI.
Er schildert das Geschehen und erzählt, dass eine Flucht nicht möglich gewesen sei. Es lagen schon zu viele Menschen im Gang. «Jemand fiel vor mir hin, ich fiel auf ihn und andere fielen auf uns», sagt er. Der 18-Jährige sei von jemandem an der Hand unter dem Leichenhaufen hervorgezogen worden.
Viele der Verletzten wurden in auf Verbrennungen spezialisierte Zentren gebracht. Die Genesung dauert lange. Die Opfer brauchen Hauttransplantationen, Ergotherapie und psychologische Betreuung.
Das weiss auch Bertrand Galley, RSI hat ihn besucht. Vor sechs Jahren kam er mit Verbrennungen an 75 Prozent seines Körpers und einer Überlebenschance von nur gerade 15 Prozent ins Spital.
Über zwei Monate lag er im künstlichen Koma. «Der schlimmste Moment war, als ich aus dem Koma erwachte und mich zum ersten Mal im Spiegel sah. Ich habe geweint», sagt er. Nach einer solch verheerender Verletzung müsse man alles wieder neu lernen. «Bevor man überhaupt wieder laufen lernen konnte, musste man sich erst einmal im Bett umdrehen können. Alle Muskeln waren weg», so Bertrand. Nicht nur die körperliche Genesung braucht Zeit. Auch die Psyche leidet unter einem solchen traumatischen Erlebnis.
Das 18-jährige Brandopfer von Crans Montana ist ebenfalls in psychologischer Behandlung. «Bei mir wurde eine posttraumatische Belastungsstörung diagnostiziert. Ich rieche ständig etwas Verbranntes. Ich höre Sirenen, selbst wenn keine da sind», sagt er.
Sind die Wunden verheilt, bleiben immer noch die Narben, die die Opfer täglich an das Geschehene erinnern. Diese zu akzeptieren, sei eine «lebenslange Herausforderung», erzählte ein weiteres Brandopfer. In der Schweiz erleiden im Schnitt 7700 Menschen jährlich Brandverletzungen. 400 davon sind schwerwiegend.
Die Genesung kann auch von anderen Faktoren negativ beeinflusst werden. So sind Verbrennungsopfer auch oft anfälliger auf fiese Keime, die sich tief ins Gewebe fressen. Darüber hat mein Kollege Sandro Zulian Anfang Februar Experten gesprochen.
Baume-Schneider besucht Opfer in Militärspital
Von Marian Nadler, Redaktor am Newsdesk
Bundesrätin Elisabeth Baume-Schneider hat am Dienstag ein Pariser Spital besucht, in dem Verletzte der Brandkatastrophe von Crans-Montana VS behandelt werden. Die SP-Politikerin sprach dem medizinischen Personal ihren Dank aus, wie «Le Nouvelliste» unter Berufung auf die Nachrichtenagentur keystone-SDA berichtet.
Frankreich hat in seinen Spitälern mehrere schwer verletzte Brandopfer behandelt. Das Militärspital Percy, das Baume-Schneider besuchte, war an der Versorgung dieser Patienten beteiligt.
Baume-Schneider sagte im Gespräch mit der Nachrichtenagentur, sie finde es «äusserst interessant, vollständig zu verstehen, wie dieses Militärspital zusammen mit anderen Partnern eine grundlegende Rolle bei der Rettung von Menschenleben spielte. Sei es das Spital in Sitten, das CHUV oder andere europäische Spitäler.» Und weiter: «Man sieht, dass alles professionell und zeitlich perfekt abgestimmt ist. Ein junger Mann beispielsweise, der seit etwa 80 Tagen hier ist, wurde in jeder Phase gerettet. Ich finde diese Ärzte und alle Teams bemerkenswert. Es geht nicht nur um drei oder vier Tage, sondern um etwas Unvorhersehbares und Langfristiges.»
Bei der Behandlung der Brandopfer in Spitälern sind diese einer weiteren Gefahr ausgesetzt: Spitalkeimen wie Acinetobacter baumannii. Eines der Opfer starb daran im Spital. Was die Keime so gefährlich macht, hat Sebastian Hiller, Professor für strukturelle Biologie und Biophysik am Biozentrum der Universität Basel, meinem Kollegen Sandro Zulian erklärt.