Darum gehts
- 18-Jähriger entführt, gefoltert, wehrt sich mit Messer in Zürich
- Peiniger setzen angeblich Waterboarding und brutale Schläge ein
- Polizei nimmt drei Entführer fest, Entführter wegen Notwehr freigesetzt
In der Nacht auf den 9. Januar meldete ein Autolenker der Stadtpolizei Zürich, dass er vor einem Haus am Letzigraben von zwei verletzten Personen angehalten worden sei. Er bringe sie ins Spital, sagte er.
Fast gleichzeitig ging eine Meldung über eine Auseinandersetzung an derselben Adresse ein. Vor Ort fanden die Einsatzkräfte in einer Wohnung einen 22-jährigen Schweizer mit Schnittverletzungen. Er wurde in kritischem Zustand ins Spital gebracht und dort notoperiert.
Jungen Mann entführt und gefoltert
Wie sich nun herausstellt, handelt es sich bei dem mumasslichen Täter, der die Männer verletzt hat, um einen 18-jährigen jungen Mann. Gegenüber «20 Minuten» schilderte er, wie er in die Fänge einer bruateln Bande geraten sei.
Die Männer sollen ihn zu einem Treffen beim Bahnhof Wiedikon gelockt haben, erzählt er. Angeblich wegen einer Kreditkartenbetrugsmasche, aus der er aussteigen wollte.
An Stuhl gefesselt
Doch statt eines Auswegs folgten Faustschläge, Folter und Todesdrohungen. Die Männer verschleppten ihn in ein Haus, wo sie ihn, wie er sagt, «brutal» verhörten. Sie hätten ihn unter die kalte Dusche gestellt und mit Gegenständen wie Gürtel und Duschkopf geschlagen. Weiter sprach er sogar davon, dass bei ihm Waterboarding angewendet worden sei. «In diesen Augenblicken hatte ich das Gefühl, zu sterben», sagt er.
Zeitweise verlor er das Bewusstsein, während die Peiniger darüber diskutierten hätten, wie sie ihn töten und seine Leiche entsorgen würden. «Diese Sätze haben sich in mein Gedächtnis eingebrannt», erinnert er sich. Als einer der Entführer die Wohnung verliess, sei er an einen Stuhl gefesselt worden, habe sich jedoch befreien können. Mit einem Messer, das in dem Zimmer lag, habe er sich gewehrt und zwei der Männer schwer verletzt. Dann habe er einen Passanten um Hilfe gebeten und einen der Verletzten ins Spital begleitet.
Verteidiger plädiert auf Notwehr
Neben dem 18-Jährigen nahm die Polizei auch die drei mutmasslichen Entführer fest. Die Staatsanwaltschaft wirft ihm versuchten mehrfachen Totschlag vor – eine Einschätzung, die sein Verteidiger David Gibor scharf kritisiert. «Es handelt sich klar um Notwehr», erklärt Gibor gegenüber «20 Minuten». Auch das Haftgericht zweifelte am Vorwurf und ordnete die Haftentlassung des jungen Mannes an.