Darum gehts
- Timmy, der gestrandeter Buckelwal, steckt seit März mehrfach auf Sandbänken fest
- Schweizer Trio schlägt neues Rettungskonzept vor, um den Wal schnell zu befreien
- Ministerium erhielt über 5000 Nachrichten, Entscheidung zu Eilantrag steht aus
Vor einem Monat steckte der Buckelwal Timmy das erste Mal fest. In den darauffolgenden Tagen konnte ihm zwar geholfen werden, es dauerte aber nicht lange, bis er wieder auf einer Sandbank in einer Bucht an der mecklenburgischen Ostseeküste strandete. Und dann ein drittes, viertes und ein fünftes Mal.
Unzählige Rettungsversuche wurden bereits unternommen und Tausende Menschen verfolgen das Schicksal des Meeressäugers täglich. Viele haben auch eigene Ideen, wie dem Tier geholfen werden könnte.
Experten in Grosstierrettung
Helfen will auch Nathalie von Arx (39) aus Chur. Sie ist selbständig und führt eine Firma zur Rekrutierung von Fachkräften. «Durch meinen Job habe ich mit allen möglichen Menschen aus den unterschiedlichsten Berufsfeldern zu tun», sagt die 39-Jährige zu Blick.
Ihr Vorhaben, den Wal zu retten, habe sie online gepostet. «Dann haben mich zwei Personen angeschrieben.» Beide haben Erfahrung mit Grosstierrettungen und seien auch bereits in Gibraltar bei Walen im Einsatz gewesen. An die Öffentlichkeit möchten die beiden Experten nicht, seien aber auch aus der Schweiz, so von Arx.
«Könnten innert kurzer Zeit reagieren»
Zu dritt haben sie dann ein neues Konzept ausgearbeitet, das schnell umsetzbar wäre. «Ich habe einfach gesehen, dass immer wieder neue Pläne vorhanden zu sein scheinen, es aber immer wieder mehrere Tage dauert, bis diese umgesetzt werden», erklärt die Unternehmerin. «Und am Ende liegt der Wal dann doch einfach wieder da.»
Das von dem Trio ausgearbeitete Konzept könne, wie sie erzählt, innert 24 Stunden umgesetzt werden. Von Arx zu Blick: «Ich habe den Plan auch bereits eingereicht und einen Eilantrag beim Verwaltungsgericht gestellt.» Auch das Ministerium und Mecklenburg-Vorpommerns Umweltminister Till Backhaus (67) selber habe sie kontaktiert.
Erste Phase der Rettung
Das von ihr und den beiden Experten erarbeitete Konzept unterscheide sich klar von den Optionen, die bisher ausgelotet wurden. «Eine Blache müsste von der Seite vorsichtig unter den Wal gezogen werden. Diese dient als flächige Trage», erklärt die Bündnerin. Die Blache soll mit einem Seilsystem, das die Kraft gleichmässig verteilt, versehen und an einem Stahlrohr befestigt werden. An diesem Rohr plant das Trio Ballons, die etwas Auftrieb generieren sollen.
Vor Ort bräuchte es dann noch ein leistungsstarkes Boot, das die Konstruktion langsam Richtung Meer ziehen könnte. «Er muss aber schon mitschwimmen. Er wird nur sanft geschleppt und nicht gezogen.»
Phase zwei im offenen Meer
Diese erste Phase könne nur im flachen Wasser umgesetzt werden. Der Plan müsse aber unbedingt sein, den Wal bis in die Nordsee zu geleiten, damit er sich nicht wieder irgendwo an der Küste festschwimmt und steckenbleibt. «Das Tragesystem wird dann komplett vom Tier gelöst und Bojen um den Wal aufgebaut», erklärt sie. An diesen Bojen werden Blachen befestigt und beschwert. Diese sollen ein unkontrolliertes Abtauchen verhindern.
In dieser offenen Konstruktion soll Timmy selbständig schwimmen, während sie ins offene Meer gezogen wird. «So gibt es keine weitere Einflussnahme von Aussen und keine Vorrichtungen mehr, an denen er sich verletzten kann. Der Wal schwimmt frei, ohne Menschen und ohne Boote, die ihm zu nahe kommen und ihn stressen.» Davon, wie das funktionieren soll, hat Nathalie von Arx mittels KI ein Bild erstellt, das in der Grafikabteilung von Blick angepasst wurde.
Tausende Nachrichten
Wird Timmy mit Schweizer Hilfe endlich befreit? Auf Anfrage von Blick erklärt die Pressestelle des Ministeriums für Klimaschutz, Landwirtschaft, ländliche Räume und Umwelt, dass das Konzept aus der Schweiz bekannt ist: «Hierzu wurde auch ein Eilantrag beim Verwaltungsgericht Schwerin gestellt, den das Gericht mit heutiger Verfügung zurückgewiesen hat.»
Der Schweizer Vorschlag ist nicht der einzige Plan, den das Ministerium erreicht. Die Behörde wird geradezu geflutet. «Das Ministerium erreichen eine Vielzahl mehr oder weniger ausgereifter Vorschläge zur Rettung des Wals. Angesichts von inzwischen über 6000 Nachrichten, die das Ministerium in Zusammenhang mit der Strandung erreicht haben und ständig weiter erreichen, kann eine genaue Zahl nicht genannt werden.»
Das Ministerium schreibt auch, dass aktuell ein privater Rettungsversuch laufe und ein Nebeneinander von mehreren Initiativen aus Gründen des Tierwohls vermieden werden sollen. Sie könne das Schweizer Konzept jedoch den Verantwortlichen vor Ort weiterleiten. Ob der Schweizer Plan doch noch eine Chance hat und wie die Chancen für Timmy stehen, ist unklar – so wie das Schicksal des Wals.