«Mir macht es Spass, mit Nadel reinzupieksen»
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Er narrt Schweizer Behörden:«Mir macht es Spass, mit Nadel reinzupieksen»

Dieser Deutsche warnt auf Facebook vor Blitzern in der Schweiz – Angst vor der Justiz hat er keine
Martin Bartels (50): «Die Schweizer Behörden können mir nix»

Seine Facebookseiten haben Zehntausende Follower. Denn er macht etwas, was hierzulande verboten ist: Der Hamburger IT-Techniker Martin Bartels (50) sagt den Schweizern, wo die Radarfallen stehen.
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Der Deutsche Martin Bartels macht sich in der Schweiz keine Freunde.
Foto: zVg

Darum gehts

KI-generiert, redaktionell geprüft
  • Schweizer Polizei verfolgt Radar-Warnungen auf Social Media
  • Deutscher Betreiber Martin Bartels umgeht Gesetze
  • Facebook-Gruppe zu Polizeikontrollen zählt rund 40'000 Mitglieder
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Sandro ZulianReporter News

Wieder reingerasselt! Es blitzt, und man ist – je nach Geschwindigkeit – um 40 bis 120 Franken ärmer. Oder aber um eine Anzeige reicher. Blitzer in der Schweiz sind unbeliebt – machen aber gemäss Behörden die Strassen sicherer.

Was in der Schweiz seit über zehn Jahren verboten ist, ist im «grossen Kanton» Deutschland bis jetzt noch weitgehend legal: die Warnung vor Radarfallen. «Die Übersicht zu den Staus und Blitzern im Land» hört man auf deutschen Radiosendern landauf, landab täglich. In der Schweiz undenkbar. 

Aber auch hier warnen sich Menschen gegenseitig vor Radarfallen. Geschieht das von Mund zu Mund oder im familieninternen Whatsapp-Chat, stellt das grundsätzlich kein Problem dar.

Geschieht es aber im grossen Stil, in Chatgruppen mit mehreren Hundert oder gar Tausend Mitgliedern, auf Facebook oder auf Instagram, wird es illegal. Eine «öffentliche Warnung» ist es dann, wenn sie von 50 Personen oder mehr gesehen wird. Verschiedene Facebookgruppen übersteigen diese Zahl um das Zigfache.

Dieser Mann ärgert die Schweizer Polizeien

Martin Bartels heisst der Mann, der die Facebookgruppe «Polizeikontrollen Thurgau» vor zehn Jahren ins Leben gerufen hat. Mittlerweile zählt sie fast 40'000 Mitglieder. Der 50-Jährige ist Familienvater aus Hamburg und arbeitet als IT-Techniker an Schulen. Die Blitzer-Gruppen sind sein Hobby.

«Die User machen im Idealfall ein Foto von einem Blitzer oder einer Kontrolle und schicken mir das», erklärt Bartels. Er veröffentlicht die Warnung vom sicheren Deutschland aus – und schon ist die Schweizer Gesetzgebung umgangen. Die Privatnachricht der Schweizer User löscht er wieder.

Die Angst vor einer strafrechtlichen Verfolgung liegt auf Bartels' Skala bei einer unbeschwerten Null. Entspannt sagt er zu Blick: «In Deutschland können mir die Schweizer Behörden nix!» Seine Selbstsicherheit rührt daher, «weil es in Deutschland nicht illegal ist, vor Polizeikontrollen oder Blitzern zu warnen». Deutschland würde ein Rechtshilfegesuch aus der Schweiz deswegen auch nicht verfolgen. «Ich bin hier auf der sicheren Seite», sagt der 50-Jährige. Bartels' Motto: Nicht nur ein Blitzer macht die Strassen sicherer, sondern auch die Warnung davor.

Auf seiner grössten Seite gibt es täglich mehrere Einträge. Hier findet man Blitzer-Einträge: «Semistationärer Blitzer zwischen Ramsen und Hemishofen.» Aber die Community warnt auch vor potenziell gefährlichen Situationen: «Achtung: Ich wurde von einem Töff-Fahrer mit ausländischem Kennzeichen verfolgt. Er hat versucht, mich an einer unbeleuchteten Stelle mit Handzeichen zu stoppen. Nicht anhalten, weiterfahren und sofort Polizei anrufen.»

Strafbefehl gegen Bartels' Helferin

Immer wieder kommt es vor, dass Leute in der Schweiz vor den Richter müssen, weil sie auf einschlägigen Facebookseiten öffentlich vor Kontrollen oder Blitzern gewarnt haben. Meist erhalten sie eine Busse und eine bedingte Geldstrafe. So auch Monique W.*, über deren Fall das «St. Galler Tagblatt» berichtete. Sie war jahrelang bei Bartels' grösster Facebookgruppe als Moderatorin tätig.

Monique W. kuratierte Einträge und löschte nicht konforme Kommentare wie beispielsweise Hass gegen die Polizei. Doch die Cybercrime-Spezialisten der Kantonspolizei Thurgau waren ihr auf der Spur. Als sie dann einen Strafbefehl erhalten hatte und viel Geld lockermachen musste, startete Bartels ein Crowdfundingprojekt. Innert weniger Tage kam das Geld für die Frau zusammen – und es sollte der Beginn einer Revancheaktion gegen die Schweizer Polizeien sein.

«So nicht, Jungs»

Dass er den Beamten auf die Nerven geht, kann Bartels nachvollziehen. Die strafrechtliche Verfolgung findet der Deutsche aber übertrieben. «Die Polizei geht sehr hart gegen uns vor», sagt Bartels. Er verwirft die Hände und fügt, ganz norddeutsch, gegenüber den Thurgauer Behörden an: «Es ist eine Facebookseite, meine Herren. Das fühlt sich schon wie eine kleine Hexenverfolgung an.»

Nach dem Strafbefehl gegen seine Moderatorin startete Bartels Anfang 2026 seine Gegenoffensive. Er sagt schnippisch: «Ihr wollt mich ärgern? Dann schlage ich jetzt halt zurück und eröffne eine Facebookgruppe für jeden einzelnen Kanton! So nicht, Jungs.» Bislang gibt es 13 Facebookseiten – vom Tessin nach St. Gallen über Zürich und die Waadt bis nach Genf.

Bislang habe noch kein Polizeikorps aus der Schweiz mit ihm das Gespräch gesucht, sagt Bartels. «Ich würde mich aber sehr darüber freuen. Ihr könnt gerne meine Nummer haben», sagt er lachend. Die Zukunft sieht Bartels übrigens genauso gelassen wie die Gegenwart: «Selbst wenn mich die Schweiz zu fassen kriegen würde und ich eine Geldstrafe bekäme, bin ich sicher, dass mir die Community weiterhelfen würde.»

* Name geändert 

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