Grösste Baustelle der Schweiz – das müssen Anwohner wissen
SBB starten mit Bahnverkehr-Ausbau zwischen Zürich und Winterthur

Die SBB bauen die Strecke Zürich–Winterthur auf vier Spuren aus, inklusive neuem Tunnel. Dafür investieren die Bundesbahnen jeden Tag 1 Million Franken – zehn Jahre lang. Der Ausbau soll den Bahnverkehr um 30 Prozent steigern und Reisezeiten verkürzen.
Kommentieren
1/10
Die SBB beginnen mit dem Milliarden-Ausbau «Mehrspur» zwischen Winterthur und Zürich.
Foto: keystone-sda.ch

Darum gehts

KI-generiert, redaktionell geprüft
  • Die SBB starten Bauprojekt für Brüttenertunnel zwischen Winterthur und Zürich
  • Tunnelbau reduziert Reisezeit um 8 Minuten und erhöht Kapazität um 30 Prozent
  • Kosten liegen bei 3,3 Milliarden Franken

Gedränge in den Pendlerzügen zwischen Winterthur und Zürich sind künftig Geschichte. Die SBB starten nun mit dem Bau des Grossprojekts «Mehrspur». Am Donnerstag erfolgte der Spatenstich in der Mitte des 30 Kilometer langen Bauperimeters auf dem Gemeindegebiet von Bassersdorf ZH – in Anwesenheit von Bundesrat Albert Rösti (58), dem Zürcher Baudirektor Martin Neukom (39) und von SBB-CEO Vincent Ducrot (63). 

Der Bahnverkehr-Ausbau ist die grösste Baustelle der Schweiz: Bis zu 1000 Personen arbeiten dort jeden Tag. «Wir investieren während der zehnjährigen Bauzeit pro Tag rund 1 Million Franken», sagte SBB-Chef Ducrot. Das Mega-Projekt erweitert die stark frequentierte Pendlerstrecke Winterthur–Zürich auf vier Spuren und ermöglicht mehr Schnellzüge im Viertelstundentakt. 

Herzstück ist der neun Kilometer lange Brüttenertunnel, durch dessen zwei einspurige Röhren die Züge künftig mit bis zu 160 km/h durchrasen können. Der neue Tunnel soll die Reisezeit um 8 Minuten verkürzt werden. Einhergehend damit werden die Bahnhöfe Winterthur-Töss, Walisellen ZH, Dietlikon ZH und Bassersdorf ZH erweitert. Das 3,3-Milliarden-Franken-Projekt dauert bis zur Fertigstellung ein ganzes Jahrzehnt. Ein Projekt dieses Kalibers wirft Fragen auf.

Weshalb benötigt es einen Ausbau?

Die Strecke Eulachstadt-Zürich ist eine der meistbefahrenen Strecken der Schweiz und ein Engpass im Bahnverkehr, gemäss den SBB. Bereits heute verkehren dort laut dem Onlineportal «Railmarket» täglich 670 Züge und befördern 120'000 Fahrgäste zwischen Zürich und Winterthur. Die Hälfte aller Reisenden, die den Regionalverkehr verwenden, sind im Raum Zürich unterwegs.

Mit dem Projekt wird die Bahnkapazität um 30 Prozent erhöht. In Zahlen: 900 Züge, die zusätzlich rund 156'000 Reisende befördern können. 

Wie laufen die Bauarbeiten ab?

Jetzt beginnen die Vorarbeiten mit dem Fokus Vorbereitung zum Einrichten der Baustellen und freien Flächen. Ebenso wird die Bahntechnik für die Bauarbeiten startklar gemacht. Sind diese Etappen abgeschlossen, können die Arbeiten an den Bahnhöfen beginnen, während die Bohrungen des Tunnels im 2029 starten. Das Herzstück des Projektes sollte ab 2037 für den regulären Zugverkehr bereit sein.

Übersicht Bahnhöfe «Mehrspur»

Die SBB planen neben dem Tunnel, vier Bahnhöfe zu optimieren. 

Bahnhof Dietlikon

2027 soll ein zusätzliches viertes Gleis, neue Zugänge zu Perrons, neue Passerelle mit Liften und ein neues Bahnhofsgebäude gebaut werden. Geplante Inbetriebnahme Sommer 2032. Die Unterführung Bahnhofstrasse wird tiefergelegt und unter dem Dietlikontunnel neu gebaut. Baustart ist 2028, die Inbetriebnahme 2031 geplant.

Bahnhof Winterthur Töss

Eine neue Unterführung sowie stufenfreie Zugänge entstehen ab 2027 und sollen Ende 2028 in Betrieb gehen. Im Gebiet Neumühle wird ab 2027 eine 800 Meter lange eingleisige Brücke über bestehende Gleise gebaut; Fertigstellung bis 2034.

Bahnhof Wallisellen

Ab 2028 werden breitere Perrons, angepasste Zugänge und Unterführungen mit einer geplanten Inbetriebnahme bis Ende 2032 gebaut. Westlich des Bahnhofs soll ab 2026 eine 580 Meter lange eingleisige Brücke entstehen. Die Brücke soll bis 2031 fertig sein.

Bahnhof Bassersdorf

Der Bahnhof Bassersdorf erhält stufenfreie Zugänge zum Perron und eine neue Unterführung. Die Bauarbeiten beginnen 2027 und dauern bis 2037.

Die SBB planen neben dem Tunnel, vier Bahnhöfe zu optimieren. 

Bahnhof Dietlikon

2027 soll ein zusätzliches viertes Gleis, neue Zugänge zu Perrons, neue Passerelle mit Liften und ein neues Bahnhofsgebäude gebaut werden. Geplante Inbetriebnahme Sommer 2032. Die Unterführung Bahnhofstrasse wird tiefergelegt und unter dem Dietlikontunnel neu gebaut. Baustart ist 2028, die Inbetriebnahme 2031 geplant.

Bahnhof Winterthur Töss

Eine neue Unterführung sowie stufenfreie Zugänge entstehen ab 2027 und sollen Ende 2028 in Betrieb gehen. Im Gebiet Neumühle wird ab 2027 eine 800 Meter lange eingleisige Brücke über bestehende Gleise gebaut; Fertigstellung bis 2034.

Bahnhof Wallisellen

Ab 2028 werden breitere Perrons, angepasste Zugänge und Unterführungen mit einer geplanten Inbetriebnahme bis Ende 2032 gebaut. Westlich des Bahnhofs soll ab 2026 eine 580 Meter lange eingleisige Brücke entstehen. Die Brücke soll bis 2031 fertig sein.

Bahnhof Bassersdorf

Der Bahnhof Bassersdorf erhält stufenfreie Zugänge zum Perron und eine neue Unterführung. Die Bauarbeiten beginnen 2027 und dauern bis 2037.

Mit welchen Auswirkungen müssen Bewohner rechnen?

Das Riesenprojekt verlangt Verständnis für Lärm und Bauarbeiten zu speziellen Zeiten. Grund dafür ist laut den SBB, dass die Bauarbeiten auch an Wohngebiete grenzen. «Die SBB setzen alles daran, um die Auswirkungen der umfangreichen Bauarbeiten in den nächsten zehn Jahren zu minimieren», so Ducrot am Spatenstich. Aber: «Wir können Lärmemissionen nicht umgehen», ergänzt Reto Schärli, Mediensprecher der SBB. Damit im Verkehr so wenig Umstände wie möglich entstehen, arbeitet man zu Randzeiten wie beispielsweise in der Nacht. Sollte beim Anschluss von neuen Gleisen ans bestehende Netz mehr Zeit als eine Nacht benötigt werden, dann arbeite man am Wochenende, damit man den Berufsverkehr nicht behindert, erklärt der Mediensprecher.

Obwohl der Bahnbetrieb so wenig wie möglich eingeschränkt werden soll, findet im Dezember 2026 ein Fahrplanwechsel statt. Die Änderungen sind gemäss den SBB ab Herbst 2026 ersichtlich.

Welche Schutzmassnahmen ergreifen die SBB?

Um Lärmemissionen zu verhindern, hat das Unternehmen Massnahmen ergriffen, die Baulärm, Staub oder Erschütterungen möglichst verhindern sollen. Dazu gehören beispielsweise die Sensibilisierung des Baupersonals, provisorische Schutzwände oder Abschirmung von Lärmquellen. Die Anwohnenden der anliegenden Wohngebiete würden regelmässig und zeitgemäss informiert.

Gemäss Mediensprecher haben die SBB die Bevölkerung in allen betroffenen Gemeinden über den Baustart informiert. Zudem finden Informationsveranstaltungen zum Projekt statt.

Soll man auf aufs Auto umsteigen?

Wegen der Umstände auf das Auto umzusteigen, sollten sich Pendler doppelt überlegen. Wer auf der A1 Richtung Winterthur-Zürich unterwegs ist, weiss, dass dies eine bekannte Pendlerachse ist. Diese Autobahn gilt als eine der verkehrsreichsten Autobahnen der Schweiz. Die SBB prognostizieren: «Die Bauarbeiten sind so geplant, dass der Bahnbetrieb so wenig wie möglich eingeschränkt wird.»

Schärli bestätigt, dass es in den nächsten zehn Jahren nie einen totalen Unterbruch geben werde und die Ost-West-Achse immer in Betrieb bleibe. «Während der Bauarbeiten wird es nicht zu einer Verlagerung auf den Individualverkehr kommen. Der Bahnverkehr auf der Ost-West-Achse wird im Pendlerverkehr nicht eingeschränkt», sagt er.

Was sagst du dazu?
Alte Kommentare, neues System.
Da wir unser Kommentartool gewechselt haben, kannst du unter diesem Artikel nichts mehr posten. Bei allen neuen Storys kannst du aber wie gewohnt mitdiskutieren.
Heiss diskutiert
    Meistgelesen