Darum gehts
- Monika Ribar tritt als SBB-Verwaltungsratspräsidentin mit Rekorden zurück
- SBB transportierten 2025 täglich 1,43 Millionen Passagiere
- Schuldenberg: 11,3 Milliarden Franken belasten weiterhin die SBB-Finanzen
Monika Ribar (66) tritt nach zehn Jahren als SBB-Verwaltungsratspräsidentin mit zwei Rekorden ab. Die Bahnen konnten im letzten Jahr täglich 1,43 Millionen Menschen befördern – so viele wie noch nie. Zudem erreichten die Fahrgäste ihr Ziel pünktlicher denn je, freut sich Ribar am Mittwoch in Bern im Rahmen der Bilanzmedienkonferenz.
Ribar hinterlässt ihrem Nachfolger André Wyss (58) einen der zuverlässigsten Bahnbetriebe Europas – aber auch mehrere Grossbaustellen. Diese allein Ribar anzulasten, wäre zu einfach: Bei den SBB reden von der Politik über den Preisüberwacher bis hin zur öffentlichen Verwaltung alle mit.
Baustelle 1: Der Schuldenberg
Die SBB schieben einen riesigen Schuldenberg von 11,3 Milliarden Franken vor sich her. Die Investitionen ins teure Rollmaterial werden über Kredite finanziert. Zudem haben die Coronajahre die SBB-Finanzen schwer belastet. Damit die SBB finanziell nachhaltig aufgestellt wären, müssten sie jährlich einen operativen Gewinn von 500 Millionen Franken einfahren. Aktuell sind es rund die Hälfte.
Das wäre durch eine Streichung von unrentablen Angeboten oder höhere Ticketpreise möglich. Zumindest in der Theorie. In der Praxis muss der Konzern klare politische Vorgaben umsetzen. Auch der Passagierrekord hilft nur bedingt. Für die höheren Kapazitäten benötige die SBB mehr Personal und Lokführer, führt Ribar gegenüber Blick aus. «Das heisst, die Kosten steigen.»
Baustelle 2: Das Sorgenkind Güterverkehr
Der Güterverkehr fährt regelmässig hohe Verluste ein: Ein Grossteil des Verlusts stammt aus dem Einzelwagenladungsverkehr. Dieser wird aus ökologischen Gründen politisch gefordert, ist jedoch kaum kostendeckend zu betreiben. Wie auch der Blick nach Österreich oder Deutschland zeigt. Die SBB versuchen mit Bundeszuschüssen und der x-ten Restrukturierung, den Güterverkehr auf gesunde Füsse zu stellen. Ob das Geschäft mit Einzelwagenladungen künftig durch Lastwagen mit E-Antrieb oder Wasserstofftank ersetzt wird? Das sei eine berechtigte Frage, findet Ribar.
Baustelle 3: Milliarden-Stau beim Unterhal t
Bei den SBB fliessen jährlich Milliarden Franken in den Substanzerhalt. Trotzdem wächst der Rückstand bei den Investitionen immer weiter auf mittlerweile 9,5 Milliarden Franken. «Politisch sind Neubauprojekte sehr viel interessanter», sagt Ribar an der Pressekonferenz. Das liegt auf der Hand: Politikerinnen und Politiker wollen bei ihrer Wählerschaft in den Kantonen mit grossen Infrastrukturprojekten punkten.
Der Unterhalt ist wegen der Rekordfrequenzen und des breiten Angebots auch logistisch eine Herausforderung. Die Zeitfenster für die Arbeiten in der Nacht sind geschrumpft. Will man den Rückstau aufholen, ist dies praktisch nicht ohne vorübergehende Einschränkungen beim Angebot möglich.