Darum gehts
- Wanderer im Berner Oberland bewältigt Klettersteig in gelben Crocs
- Bergführerverband warnt: Ungeeignetes Schuhwerk erhöht Unfallrisiko drastisch
- Schweizer Bergführer: Mehr Touristen, oft ohne passende Ausrüstung in den Bergen
Was für die einen nach einem Abenteuer aussieht, sorgt bei anderen für Kopfschütteln: Ein Wanderer hat den Klettersteig Mürren im Berner Oberland absolviert – und dabei auf eine ungewöhnliche Ausrüstung gesetzt. Bilder und Videos der Tour sorgen aktuell in den sozialen Medien für Wirbel. Denn: Der Mann trägt bei der Bewältigung des Steigs lediglich gelbe Crocs.
Die Reaktionen zu der Aktion fallen unterschiedlich aus. Während einige Kommentarschreiber den Auftritt mit Humor nehmen und die Marke und den Wanderer für seinen ungewöhnlichen Schuhentscheid feiern, zeigen sich andere fassungslos. «Bist du noch normal?» oder «Da bekommt man ja Angst», heisst es beispielsweise in den Kommentaren.
Blick hat den Schweizer Bergführerverband mit den Aufnahmen und der Ausrüstung des Wanderers konfrontiert. Das Urteil fällt klar aus: «Als Bergführerverband beurteilen wir eine solche Ausrüstung kritisch. Für einen Klettersteig sind geeignete, gut sitzende Berg- oder Zustiegsschuhe mit einer griffigen Sohle wichtig», erklärt Geschäftsführer Pierre Mathey. «Grundsätzlich sollte die Ausrüstung den Anforderungen der Route, den aktuellen Bedingungen und den eigenen Fähigkeiten angepasst sein. Eine ungenügende oder ungeeignete Ausrüstung kann das Unfallrisiko erhöhen und im schlimmsten Fall zu schweren oder sogar tödlichen Unfällen führen.»
Soziale Medien vermitteln falsches Bild
Klar sei auch: Das Risiko für Unfälle hänge stark von den jeweiligen Bedingungen und vom Schwierigkeitsgrad der Route ab. «Ungeeignetes Schuhwerk kann jedoch insbesondere auf nassem, abschüssigem oder ausgesetztem Gelände das Risiko eines Ausrutschens und damit eines Sturzes erhöhen. Uns sind Unfälle bekannt, bei denen mangelnde Trittsicherheit beziehungsweise ungeeignetes Schuhwerk eine Rolle gespielt haben.» Man könne Unfälle jedoch nie allein auf das Schuhwerk zurückführen, ohne die genauen Umstände zu kennen.
Der Bergführerverband beobachtet, dass immer mehr Menschen in den Bergen unterwegs sind – jedoch ohne ausreichende Erfahrung, Vorbereitung und Ausrüstung. Aus Sicht des Bergführerverbandes lässt sich dies zwar nur schwer quantifizieren, aber es sei wahrnehmbar. Einer der Gründe dafür ist: «Soziale Medien tragen dazu bei, ein verzerrtes Bild der Realität zu vermitteln, insbesondere indem gewisse Touren einfacher oder weniger anspruchsvoll dargestellt werden, als sie tatsächlich sind.»