Der «König der Schweiz» präsentiert seine Flugabwehrkanone
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«Gut gesichert, falls was ist»:Der «König der Schweiz» präsentiert seine Flugabwehrkanone

Kantone wollen wegen «König der Schweiz» Jonas Lauwiner (31) das Gesetz ändern
«Ich hätte nie gedacht, dass ich so wichtig werde»

Jonas Lauwiner (31) eignet sich eigentümerlose Grundstücke an, besitzt so fast 120'000 Quadratmeter Land. Das nervt in der Schweiz Gemeinden, Politiker und Anwohner. Er besitzt auch Land in der Ukraine. Ein Portrait.
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Jonas Lauwiner nennt sich König der Schweiz.
Foto: Helena Graf

Darum gehts

KI-generiert, redaktionell geprüft
  • Jonas Lauwiner, selbsternannter König, besitzt 154 Grundstücke in der Schweiz
  • Er erhebt Gebühren für Wegrechte und verdient daran Millionen
  • 119'524 Quadratmeter Land, 26 Quadratmeter Asphalt erzielten 25'000 Franken
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Helena GrafReporterin

Der König zieht die Plastikplane zurück. Ein Kanonenrohr kommt zum Vorschein. 20 Millimeter, Doppellauf, 200 Schuss pro Minute, zur Flugabwehr. Die Blache ist dreckig. Er kontrolliert seine weisse Uniform. Alles noch sauber. «Die ist mega heikel», sagt er und meint die Kleidung, nicht das schwere Geschütz.

Ein König hat seine Prioritäten.

Bürgerlich heisst er Jonas Lauwiner (31), wohnhaft auf dem «Lauwiner Empire Wohn- und Gewerbeareal III». Eine ehemalige Stahlwarenfabrik. Das nächste richtige Schloss steht in Burgdorf BE – 2,2 Kilometer Luftlinie entfernt.

Jonas Lauwiner spricht schnell, redet viel, widerspricht sich. Er ist der «König der Schweiz». Und er ist Projektleiter Automation in der Pharmaindustrie.

Land aneignen, Profit schlagen

Lauwiner sagt: «Der Titel ist symbolisch. Also ich stehe nicht in der Verfassung, kontrolliere nicht die Schweiz.» Er sagt auch: «Zwischen 5’000 und 8’000 Leute fahren jeden Tag über meine Strasse.»

Der König und seine Angestellten im Stundenlohn suchen nach Grundstücken ohne Eigentümer. Eine Wiese, ein Strassenabschnitt, selten ein Haus. Lauwiner lässt sich als Eigentümer eintragen. Das kostet Zeit. Und Bearbeitungsgebühren. Sonst nichts.

Symbolischer Wert: Der König hat seine eigene Währung.
Foto: Stefan Bohrer

Sein Reich besteht aus Grundbuchnummern. Aufgelistet in einer Excel-Datei: 154 Grundstücke auf 119'524 Quadratmeter. Das Land sei «angeeignet», nicht «gekauft». Lauwiner zahlt Steuern dafür. Und er kann Gebühren erheben. Bei jenen, die sein Grundstück passieren müssen. Unterhaltskosten nennt er das.

An seinem Land verdient er. Jedoch will er über Geld nicht reden.

Dann redet er doch. Über ein Strassenstück im Kanton Zug. 26 Quadratmeter Asphalt. Tausend Franken Gebühr. Zwei Jahre passiert nichts. Dann stirbt ein Anwohner. Die Erben wollen umbauen. Sie brauchen den Weg.

Wenig Geld in der Kindheit

Also müssen sie verhandeln. Mit dem König, nicht der Gemeinde. «Wir haben uns in der Mitte getroffen bei 25’000 Franken. Das heisst 24’000 Profit», sagt Lauwiner. Dann schimpft er über den Staat. «60 Prozent musste ich als Gewinnsteuer abgeben.»

Dennoch soll es sich lohnen. Sonst würde er es nicht machen. Er erzählt aus seiner Kindheit: Wenig Geld, kein Gameboy. Andere hatten mehr, lachten ihn aus. «In der Kindheit wurde ich gemobbt», sagt er. «Das hat mich unzerstörbar gemacht.»

Nach der Schule lebte er in einer Mansarde für 200 Franken. Er verzichtete, sparte. «Ich wollte immer reich werden», sagt Lauwiner.

Er habe sich selbst hochgearbeitet, erzählt Lauwiner.
Foto: Helena Graf

Klingt nach Unternehmertum. Nicht Monarchie.

Sein Vorgehen hat Einfluss auf die Politik. Der Kanton Bern will sein Gesetz anpassen. Gemeinden sollen bei eigentumslosen Grundstücken Vorrang bekommen. Andere Kantone wollen nachziehen. «Ich hätte nie gedacht, dass ich so wichtig werde», sagt Lauwiner.

Er provoziert. Er nervt. Das macht ihn stolz. Aber auch unsicher. «Ich werde missverstanden!», klagt er. Schweizer würden bei «König» sofort an Unterdrückung denken. «Dabei will ich da sein für die Menschen. Wir wären doch viel glücklicher, wenn wir uns nicht bekriegen», sagt er. Mit Schwert am Gürtel, Gewehren im Haus. Und der Doppelrohr-Flugabwehrkanone neben ihm.

Grundstücke in der Ukraine

«Ich habe Waffen für den Fall, dass ich mich verteidigen muss», sagt der König. Gegen wen, das sagt er nicht.

Mit Krieg kenne er sich aus. Er besitze Land in der Ukraine. Es sei dort so günstig. «Vor 2022 ist der Wert enorm gestiegen», erzählt er. Nun sei er wieder tief. Das nervt den König. Zum Krieg sagt er: «Die Ukraine soll ihre Gebiete abgeben. Den Menschen ist doch egal, unter welcher Flagge sie leben.» Dann wären seine Grundstücke wieder etwas wert. Und die Reise sehr viel einfacher.

Ein König, der Land und Waffen zur Verteidigung hortet. Und von der Ukraine verlangt, Land abzugeben und Waffen niederzulegen.

Jonas Lauwiners Flugabwehrkanone. Er besitzt auch einen Panzer.
Foto: Helena Graf

Lauwiner will jetzt auch Politik machen. Kantonale Politik, im Berner Regierungsrat. Mit seiner eigenen Partei «König Lauwiner im Dienst für die Berner».

Seine Wahlchancen seien gering, gibt er zu. Obwohl er verspricht, die Hälfte seines Lohns als Regierungsrat dem Kanton zurückzugeben.

Seit Tagen verteilt der König Flyer. Er wolle mitanpacken. «Viele Politiker haben den Bezug zur Realität verloren», sagt er. «Ich stehe für Taten statt für endlose Diskussionen.»

Er spricht von zu vielen Regeln, besonders beim Bauen.

Er besitze etwa ein Stück Bauland, 60 Quadratmeter gross. «Wegen all der Vorschriften zu Abständen und so könnte ich gerade ein Häuschen von 1,20 Meter auf 1,20 Meter bauen», erklärt er. «Das ist doch irre!»

Für die Todesstrafe

Auch andere Themen seien ihm wichtig. Härtere Strafen für schwere Verbrechen. «Für mich gilt: Auge um Auge, Zahn um Zahn.» Brutale Methoden. Er sagt: «Ich bin für die Todesstrafe.»

Die weisse Uniform sitzt noch immer. Er will sich umziehen, bevor er die Kanone wieder einpackt. «Mit dem Königstitel will ich zeigen, was möglich ist im Leben», sagt Lauwiner. «Man muss sich einfach durchsetzen können.»

Was niemandem gehört, nimmt er an sich. Land, Titel, Aufmerksamkeit. Aber warum? Der König entgegnet: «Warum nicht?»

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