Darum gehts
- Susanne Eckstein sorgt wegen Skandal in ihrer Praxis für Schlagzeilen
- Ex-Mitarbeitende werfen ihr Lohnausfälle und schlechte Behandlung vor
- Ex-Angestellte fordern insgesamt über 40'000 Franken
Sie praktiziert weiter – obwohl ihr mangelnde medizinische Kompetenz vorgeworfen wird. Und das, obwohl sie im Kanton Schwyz unter anderem Namen ein Berufsverbot kassiert hat. Mehrere Ex-Angestellte lassen kein gutes Haar am Fachwissen der Hausärztin, während die Behörden bislang nicht eingreifen.
Gegenüber Blick werfen frühere Angestellte der Ärztin nicht nur fachliche Defizite vor, sondern kritisieren sie auch in ihrer Rolle als Arbeitgeberin. Löhne sollen nicht bezahlt und Verträge einfach wieder aufgelöst worden sein. Auch sei der Umgangston unangemessen. Negativer Höhepunkt: ein Polizeieinsatz in der Praxis!
Bescheinigung verweigert – Polizei musste kommen
Sarah K.* (58) ist eine der ersten Praxisassistentinnen, die Susanne Eckstein nach der Eröffnung der Bieler Praxis im Januar 2026 anstellt. «Ich habe 40 Jahre Berufserfahrung und habe noch nie so eine Chefin gehabt, die so keine Ahnung von Praxisführung hat wie sie», sagt K. zu Blick.
Entsprechend kurz ist das Anstellungsverhältnis. Schon am ersten offiziellen Arbeitstag, dem 5. Januar 2026, legt Eckstein Sarah K. und ihrer Kollegin eine fristlose Kündigung auf den Tisch. «Sie sagte, ich sei faul und unfähig, zu arbeiten», sagt K.
Nach der Kündigung wollen sich Sarah K. und ihre Kollegin beim RAV als arbeitslos melden. Dafür brauchen sie eine Arbeitsbestätigung von Eckstein. Doch gemäss K. verweigert die Ärztin ihnen diese. K. sagt: «Sie behauptete, wir hätten nie für sie gearbeitet.» Als die beiden Frauen darauf beharren, eskaliert die Situation. «Sie schrie herum, schloss meine Kollegin in der Praxis ein, wurde sogar handgreiflich», berichtet K. und fügt an: «Ich musste die Polizei kommen lassen!»
Die Beamten versuchen, die Situation erfolglos zu klären, geleiten Sarah K. und ihre Kollegin dann hinaus. Das entsprechende Protokoll der Kantonspolizei Bern liegt Blick vor. Zu einem Termin vor der Schlichtungsstelle erscheint Susanne Eckstein später nicht. Widerwillig stellt sie jedoch die Bescheinigung aus. «Es war eine Katastrophe», fasst K. ihre kurze Tätigkeit für die Ärztin zusammen.
Offene Forderungen
Im März 2026 ist dann Silvia W.* (34) kurzzeitig für Susanne Eckstein tätig. Die Ärztin hatte der Pflegefachfrau einen guten Lohn in Aussicht gestellt. Doch auch dieses Arbeitsverhältnis dauert nur ein paar Wochen – und endet im Streit. «Du konntest nichts, du bist wahnsinnig und hast versucht, mich auszunutzen», wirft die Ärztin Silvia W. in einem Mail, das Blick vorliegt, an den Kopf.
Dabei sei es umgekehrt, sagt Silvia W. «Ich habe keinen Rappen Lohn von ihr gesehen.» Ihre offenen Forderungen belaufen sich auf grob überschlagen 9000 Franken! «Das ist viel Geld, das mir und meiner Familie fehlt», sagt die Mutter zu Blick. Sie hat auch die kantonale Aufsichtsbehörde über die Unregelmässigkeiten bei den Lohnzahlungen informiert. Das Schreiben liegt Blick vor.
Hinzu kommt: Die Ärztin soll sich geweigert haben, die notwendigen Formulare für die Kinderzulagen auszufüllen, weshalb diese nicht ausgezahlt werden. Silvia W. sagt: «Das sind bei mir weitere 400 Franken.»
Sarah K. vermutet ein Muster: «Sie wird Mitarbeitende immer kurz vor dem Zahltag durch Schikanen oder Kündigungen los, um die Löhne nicht zahlen zu müssen.» Die ehemaligen Angestellten von Eckstein, es sind bis heute zwölf, haben sich in einer Whatsapp-Gruppe organisiert. «Insgesamt schuldet sie uns über 40'000 Franken an Löhnen», sagt K.
Strafanzeige wegen Verleumdung eingereicht
Hanna S.* (27) hätte erst im Juni 2026 in Susanne Ecksteins Praxis anfangen sollen. Doch dazu kommt es erst gar nicht. Schlechte Erfahrungen mit der Ärztin als Arbeitgeberin habe sie trotzdem gemacht. «An dem Tag, an dem wir vereinbart hatten, dass ich komme, um meinen Vertrag zu unterschreiben, waren Patienten dort. Also hat sie mich kurzerhand vier Stunden unbezahlt arbeiten lassen», berichtet S.
Eine weitere ehemalige Angestellte von Susanne Eckstein hat gegen die Ärztin sogar eine Strafanzeige wegen Verleumdung, übler Nachrede und Beschimpfung eingereicht – diese liegt Blick vor.
Die Ärztin sucht unterdessen weiter nach neuem Personal. Auf dem Portal praxisstellen.ch hat sie ein Inserat geschaltet. «Ich rate allen Kolleginnen, da nicht zu unterschreiben», sagt Silvia W. und fügt an: «Genauso wie ich allen Patienten rate, sich eine neue Hausärztin zu suchen.»
Susanne Eckstein wollte sich gegenüber Blick nicht zu den Vorwürfen äussern.
* Namen geändert