Darum gehts
- Nachbarschaftsstreit in Boll BE eskaliert im April: Pfefferspray-Angriff gemeldet
- Imhof und Freundin im Spital behandelt, Anzeige wegen Körperverletzung eingereicht
- Konflikt endet voraussichtlich im September: Kündigung durch Vermieter erteilt
Nachbarschaftsstreitigkeiten gehören in der Schweiz zu den häufigsten Konflikten. Oft beginnt es mit Kleinigkeiten: eine zu hohe Hecke, Lärm bei Renovationsarbeiten, überhängende Äste oder Grillrauch. Doch so können jahrelange Streitigkeiten entstehen, gerade in dicht bebauten Gebieten.
Reichlich Stunk gibt es in einem Mehrfamilienhaus in Boll BE. Hier kommt es zu Wortgefechten, Angriffen und Polizeieinsätzen. Beteiligt sind auf der einen Seite Marcel Imhof (44) und seine Freundin Saskia Hotz, die einen kleinen Hund haben. Auf der anderen Seite steht eine Nachbarsfamilie mit ihrem Rottweiler.
Streit begann wegen einer zerbrochenen Flasche
Aber von Anfang an: Imhof lebt seit rund vier Jahren mit seiner Freundin in dem Mehrfamilienhaus. Auf derselben Etage wohnt eine Mutter mit ihren Kindern. 2023 zieht Sajan T.* ein, der neue Partner der Frau. Er bringt einen Rottweiler mit.
Der erste grössere Streit entsteht laut Imhof wegen einer zerbrochenen Flasche vor dem Haus. Er habe den Stiefsohn von T. darauf angesprochen, die Scherben wegzuräumen, weil dieser die Flasche zerbrochen habe.
Imhof zufolge habe sich daraufhin auch T. in den Streit eingeschaltet. «Er kam heraus, wurde aggressiv und fragte, warum ich seinen Stiefsohn angehe», erzählt er. Gemäss Imhof habe der Nachbar ihn mit einem Stein in der Hand bedroht. Dieser Streit bleibt ohne strafrechtliche Folgen.
Vorwürfe gegen beide Seiten
Auch gegen Imhof gibt es Vorwürfe. Nach einem weiteren Streit wurde er von der Partnerin von T. wegen Körperverletzung angezeigt. Imhof habe sie im Gesicht verletzt. Hier wurde er per Strafbefehl verurteilt.
Imhof bestreitet zwar, die Frau verletzt zu haben. In Zusammenhang mit dem Nachbarschaftskonflikt ist jedoch einzig er bisher rechtskräftig verurteilt worden.
Später sei Imhof selbst wiederum von T. angegriffen worden: «Er schlug mir von hinten auf den Kopf.» Imhof hat hier Anzeige erstattet.
Pfefferspray ins Gesicht
Ende April spitzte sich die Situation zu. Gemäss Imhof soll Sajan T. am Nachmittag mit seinem Rottweiler auffällig hinter ihm hergelaufen sein. Kurz darauf sei es zu einem verbalen Streit gekommen.
Später am Abend gehen Imhof und seine Freundin mit ihrem Hund spazieren. Vor dem Hauseingang kommt es erneut zur Konfrontation mit den Nachbarn.
«Ich fragte, ob ich jetzt nicht einmal mehr mit dem Hund rauskönne», sagt Imhof. «Dann stand T. auf und sprühte mir aus nächster Nähe Pfefferspray ins Gesicht. Es hat gebrannt, als hätte ich Feuer im Gesicht.»
Auch Saskia Hotz bekommt vom Spray ab – in Augen und Mund. Während des Gerangels versucht sie, ihren Hund vom Rottweiler der Nachbarn abzuschirmen. Dabei stürzt sie über die Hundeleine.
Beide Parteien alarmieren schliesslich die Polizei und ziehen sich in ihre Wohnungen zurück. Zeugen gab es bei diesem Vorfall keine.
Unterschiedliche Darstellungen
Als Polizei und Sanität eintreffen, erheben beide Seiten Vorwürfe. Gemäss Darstellung der Nachbarn ist der Pfefferspray zur Selbstverteidigung eingesetzt worden.
Imhof und Hotz werden im Spital behandelt und dürfen noch in derselben Nacht nach Hause gehen. Imhof und Hotz haben eine Anzeige wegen Körperverletzung bei der Kantonspolizei Bern eingereicht. Diese hat die Ermittlungen aufgenommen.
Paar wird ausziehen
Nach Angaben von Imhof belastet der Konflikt ihn und seine Freundin weiterhin. Er sagt, dass sie den Kontakt zur Nachbarsfamilie inzwischen möglichst vermeiden. «Ich traue mich nachts kaum noch raus, weil ich Angst habe, dass Sajan T. irgendwo wartet.»
Die Nachbarn waren für eine Stellungnahme nicht erreichbar.
Ein Ende ist nun aber absehbar: «Unser Vermieter hat uns gekündigt. Wir müssen im September ausziehen, wollen aber in der Region bleiben», sagt Imhof.
* Name geändert