Büezer Luigi Serra (50) aus Biel BE erleidet Schleudertrauma und arbeitet trotz Schmerzen weiter
«Ich kann bloss noch 20 Minuten gehen»

Ein Auffahrunfall in den Ferien 2012 verändert das Leben von Luigi Serra (50) für immer. Der Bieler Baustellen-Büezer arbeitet jahrelang trotz höllischer Schmerzen weiter. Eine Operation soll seine Situation verbessern – doch macht alles schlimmer.
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Luigi Serra aus Biel leidet seit einem Autounfall 2012 unter Schmerzen. Sie ziehen sich vom Kopf über die Schulter bis in den Arm.
Foto: Devin Schürch

Darum gehts

KI-generiert, redaktionell geprüft
  • Luigi Serra aus Biel leidet seit Unfall 2012 an chronischen Schmerzen
  • 2025 entdeckt MRI knöcherne Auswüchse als Schmerzursache nach Auffahrunfall
  • Nach Operation 2026 bleibt er zu 100 Prozent krankgeschrieben und arbeitsunfähig

Ein Mann, der auf der Baustelle stets mit anpackt: Das war Luigi Serra (50) aus Biel BE vor seinem Unfall. Als Temporärarbeiter isolierte er Fassaden, arbeitete bei jedem Wetter – und schaufelte im Winter sogar Bahnhöfe vom Schnee frei. «Heute kann ich nicht mal mehr mein Grosskind hochheben», sagt der Bieler.

Bereits nach 20 Minuten Gehen werden seine Schmerzen in der Schulter, im Arm, Nacken und Kopf so unerträglich, dass er bis zum nächsten Morgen im Bett liegen muss. «Ich habe das Gefühl, zu nichts mehr nütze zu sein», sagt Serra.

Leidensweg beginnt mit Autounfall

Sein Leidensweg beginnt im Jahr 2012. Gemeinsam mit seiner Ehefrau Nadine Pfister (50) verbringt er Ferien in Frankreich. In einem Kreisel fährt ein Auto von hinten ins Heck ihres Fahrzeugs.

«Nach dem Unfall war sein Kopf komplett blockiert», erinnert sich Pfister. «Er konnte ihn weder nach links drehen noch neigen.» Sie fahren zurück nach Biel und besuchen dort eine Klinik. Besonders an die Rückreise erinnert sich Serra: «Jede kleine Erschütterung auf der Fahrt hat höllische Schmerzen ausgelöst.»

Die Ärzte diagnostizieren ein Schleudertrauma. Die Nackenmuskulatur ist stark verspannt und verhärtet. Trotz Schmerzmitteln bessert sich sein Zustand kaum.

Die Suva übernimmt zunächst den Fall und bezahlt während sieben Wochen Unfalltaggeld. Danach kehrt Serra an seinen Arbeitsplatz zurück – obwohl die Beschwerden anhalten. «Ich arbeitete temporär und hatte Angst, dass ich meinen Job verliere», sagt er.

«Körper zog die Notbremse»

Trotz Schmerzen arbeitet Serra jahrelang weiter auf der Baustelle als Fassadenisoleur. «Er hat sich die Schmerzen nicht anmerken lassen», sagt seine Ehefrau. Er versucht, trotz Schmerzen fit zu bleiben.

Doch sein Körper macht nicht mit. Immer wieder muss Serra seine Arbeit unterbrechen. «Einmal wollte ich aus einem Schacht hinaussteigen und habe mich mit den Armen abgestützt. Daraufhin konnte ich meinen Kopf nicht mehr bewegen.»

Ein anderes Mal trägt er lediglich einen Rucksack. Die Schmerzen schiessen ihm derart in Nacken und Schulter, dass er direkt auf den Notfall muss. «Mir wurde immer wieder gesagt: Das sind nur die Muskeln, das geht schon wieder vorbei», erinnert sich Serra.

Für ihn bleibt nur eines: weiterarbeiten. Obwohl jede Bewegung schmerzt, schleppt er sich Tag für Tag auf die Baustelle.

Ursache für Schmerzen erst 13 Jahre später gefunden

Ende 2025 zwingt der Körper Serra endgültig zum Stopp. Dinge fallen ihm aus der Hand, er kann sie nicht mehr greifen. Eine MRI-Untersuchung liefert eine Erklärung: Die Nervenaustrittskanäle in der Wirbelsäule seien nahezu komplett eingeklemmt.

Im Februar 2026 wird Serra operiert. Die Chirurgen entfernen die knöchernen Einengungen, entlasten die betroffenen Nerven und setzen zwei Bandscheibenprothesen ein. «Die Ärzte erklärten uns, dass sonst Nerven dauerhaft hätten absterben können», sagt Pfister.

Das Paar hofft, dass damit endlich auch die Schmerzen verschwinden – doch das Gegenteil passiert. «Jetzt geht gar nichts mehr», sagt Serra.

«Man muss den Fall richtig anschauen»

Heute ist Luigi Serra zu 100 Prozent arbeitsunfähig. Seine Ehefrau fordert, dass die Suva den medizinischen Verlauf von 2012 bis 2015 neu beurteilt. Genau in diesem Zeitraum wurden die entscheidenden medizinischen Weichen für den weiteren Verlauf gestellt – und nicht zum Guten.

Ein Wiedererwägungsgesuch hat die Suva aber abgelehnt. Die Suva äussert sich auf Blick-Anfrage mit Verweis auf den Persönlichkeitsschutz nicht zum konkreten Fall.

«Ich träume, wie ich auf der Baustelle bin»

«Wenn er könnte, wäre er morgen wieder auf der Baustelle», so Pfister. «Ich träume nachts sogar, wie ich am Arbeiten bin», ergänzt Serra.

Für Luigi Serra steht allerdings nicht nur die Arbeit im Vordergrund: «Ich möchte einfach wieder ein normales Leben führen können.»

Davon ist der frühere Büezer heute weit entfernt. Statt auf Baustellen verbringt der 50-Jährige die meiste Zeit zu Hause – und muss seinen Alltag danach planen, wie lange er überhaupt noch auf den Beinen sein kann.

Sein grösster Wunsch ist heute, sein Enkelkind wieder ohne Schmerzen auf den Arm nehmen zu können.

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