Berner Musikerin Ladyva (37) schlägt Alarm
«Ich bin Opfer eines massiven Identitätsmissbrauchs geworden»

Unter dem Namen der Musikerin Ladyva tauchen plötzlich KI-generierte Alben auf Spotify und Co. auf. Gleichzeitig verliert ein Fan nach einer raffinierten Betrugsmasche 6000 Franken. Die Berner Pianistin warnt vor Identitätsmissbrauch.
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Die Schweizer Pianistin Ladyva ist schockiert: «Mein Name wird für KI-Betrug missbraucht.»
Foto: Devin Schürch

Darum gehts

KI-generiert, redaktionell geprüft
  • Ladyva entdeckt Ende Juli 20 KI-generierte Alben unter ihrem Namen online
  • Ein Fake Song erreichte über 100'000 Aufrufe, Fans hielten ihn für echt
  • Ein betrogener Fan verlor 6000 Franken an professionell agierende Betrüger
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Devin SchürchReporter News

«Ich musste feststellen, dass ich Opfer eines massiven Identitätsmissbrauchs geworden bin», sagt Boogie-Woogie-Pianistin Ladyva (37), die mit bürgerlichem Namen Vanessa Gnägi heisst. Ende Juli meldeten sich plötzlich mehrere Fans bei der international erfolgreichen Musikerin und erkundigten sich wegen neuer Veröffentlichungen.

Als sie selbst auf Spotify und Youtube Music nachschaute, traute sie ihren Augen nicht: Innerhalb weniger Tage waren dort rund 20 mutmasslich KI-generierte Alben mit insgesamt mehr als 300 Songs unter dem Namen «Ladyva Boogie» aufgetaucht – Musik, die die Bernerin jedoch nicht aufgenommen hat. Ihr echtes Profil heisst nur «Ladyva».

KI-Songs kapern ihr Profil

Das Ziel der Hersteller der Fake Musik könnte sein, möglichst viel Reichweite von Ladyva abzugreifen und so selbst durch Streaming Geld zu verdienen. Einzelne der KI-Songs erreichten bereits über 100'000 Aufrufe.

Die Songs seien aufgrund des Covers für Hörer zwar als KI-Musik erkennbar, trotzdem sei die Verwechslungsgefahr gross. Vereinzelte Fans hielten die Lieder für neue Werke von Ladyva und beschwerten sich bei ihr. «Sie haben mich gefragt, ob ich jetzt auch anfange, mithilfe von KI Musik zu machen.» Sie verneinte und ging der Sache auf den Grund. 

Die Pianistin sagt: «Als Künstlerin arbeitet man viele Jahre daran, sich einen Namen und das Vertrauen seines Publikums aufzubauen. Umso schockierender ist es, wenn genau dieser Name für KI-generierte Inhalte missbraucht wird.»

Keine langfristige Lösung

Ladyva, die auf den verschiedenen Plattformen verifiziert ist, hat die Streamingplattformen kontaktiert, sich beschwert. In der Folge wurden die Fake Songs teilweise aus ihrem echten Profil entfernt. Unter dem Namen «Ladyva Boogie» sind die KI-Songs jedoch weiterhin verfügbar.

Auch würde eine Löschung aller Fake Alben das Problem wohl nicht langfristig lösen, befürchtet die 37-Jährige. «Selbst wenn jetzt alles gelöscht wird, können morgen einfach wieder 20 neue Alben hochgeladen werden», sagt sie. Wie eine langfristige Lösung des Problems aussehen könnte, weiss Ladyva im Moment nicht. Sie überlegt sich, rechtliche Schritte einzuleiten.

Eine Sprecherin von Youtube erklärt gegenüber Blick: «Identitätsfälschung ist auf Youtube nicht erlaubt. Urheber können Inhalte melden, die sich als sie ausgeben, einschliesslich KI-generierter Inhalte.» Wie Youtube gegen den Upload dieser Inhalte vorgeht, lässt die Sprecherin jedoch offen.

Fan verliert 6000 Franken

Doch damit nicht genug: Fast zeitgleich erfuhr Ladyva, dass einer ihrer Fans auf eine perfide Abzocke hereingefallen ist. Der Fan glaubte über Wochen, mit der Künstlerin, ihrem Management und Familienmitgliedern in Kontakt zu stehen.

«Die Abzocker hatten sogar Fotos meiner Familie recherchiert und mit KI verändert», sagt Ladyva. «Das war extrem professionell gemacht.» Die Abzocker täuschen dem Fan vor, mit dem privaten Social-Media-Profil der Musikerin zu schreiben. Solche Fake Profile gebe es auf mehreren Plattformen immer wieder, erzählt die Bernerin.

Schon bald fordern die Betrüger Geld – angeblich für Hotelübernachtungen oder Flüge. Im Gegenzug versprechen sie persönliche Treffen. Der Schaden für den Fan: insgesamt rund 6000 Franken. Erst als der Fan Ladyva an einem Konzert traf, flog der Schwindel auf.

Ladyva hat Mitleid mit dem Fan. «Die Abzocker wissen ganz genau, wie sie Menschen manipulieren müssen. Für die Opfer ist das wirklich schlimm», sagt die Musikerin und stellt klar: «Ich würde niemals Fans anschreiben und sie um Geld bitten.»

Wer von angeblichen Prominenten privat kontaktiert werde, sollte grundsätzlich misstrauisch sein, betont Ladyva.

«Das ist erst der Anfang»

Die Musikerin ist überzeugt, dass Fälle wie ihre in Zukunft häufiger werden. «KI bringt viele Chancen mit sich», sagt sie. «Aber wenn sie für Betrug oder Identitätsmissbrauch eingesetzt wird, wird das ein riesiges Problem.»

Für Ladyva ist deshalb klar: Streamingplattformen müssen besser kontrollieren, wer unter welchem Künstlernamen Inhalte veröffentlicht. «Ich finde es erschreckend, wie einfach das offenbar möglich ist», sagt sie. «Wenn wir jetzt nichts unternehmen, wird das erst der Anfang sein.»

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