Darum gehts
- Crown Kocher, 73, nutzt KI für neues Album «Bucket Songs»
- KI erzeugt Gesang, weil Kocher keinen passenden Sänger findet
- Album erscheint Mai 2026, mehrere Songs schon auf Youtube verfügbar
«Ich hatte genug vom Rock 'n' Roll, aber Rock 'n' Roll hatte noch nicht genug von mir»: Unter diesem Motto will es Crown Kocher aus Luterbach SO noch einmal wissen. Der 73-Jährige macht seit den frühen 80er-Jahren Rockmusik. Er war Gitarrist bei Killer, die als «lauteste Band der Schweiz» galt, mit der bekannten Heavy-Metal-Gruppe Motörhead auf Tour war und zwei goldene Schallplatten einsacken konnte. Doch vor einigen Jahren wurde es ruhig um die laute Band.
Obwohl er sich nie von der Musik abgewendet hatte, fehlte zuletzt ein Sänger, der die Ansprüche von Kocher erfüllen konnte. «Leute hatten Interesse. Aber wenn ich ihnen meine Songs zum Singen schickte, kam selten etwas Brauchbares zurück – wenn überhaupt.» Die früheren Sänger der Band seien nicht mehr verfügbar.
«Ich hatte Gänsehaut»
Dann entdeckt Kocher künstliche Intelligenz für sich. «Ich habe dann der KI einen meiner Songs gegeben. Das Resultat kam in nur 30 Sekunden und gab mir Gänsehaut.» Aus anfänglichem Herumspielen wird schnell ein Experimentieren: «Ich habe alte Demo-Tapes von meiner Band Killer aus den 80ern. Aufnahmen, aus denen nie ein fertiger Song geworden ist.» So belebt Kocher Ideen für Songs, die mehr als 40 Jahre ungenutzt waren, zu neuem Leben.
Unter dem Titel «Bucket Songs» arbeitet er jetzt an einem neuen Album, dass Anfang Mai erscheinen soll. Mehrere Songs sind bereits veröffentlicht und können auf Youtube angehört werden. Dass sein Projekt auch auf Gegenwind stösst, hat Kocher erwartet. «Es gibt kritische Stimmen, die sagen: ‹Jetzt kommst du auch noch mit diesem KI-Zeugs.› Das kann ich verstehen. Jeder zieht da seine eigene Grenze.»
«KI nur benutzen, wo es nötig ist»
Den Grossteil der kreativen Arbeit macht Kocher immer noch selbst. Er spielt alle Instrumente ein. Auch der Text kommt aus seiner Feder. Nur die Stimme wird künstlich erzeugt. Denn er selbst sei kein Sänger. «Darüber können alle froh sein», scherzt Kocher. Dennoch weiss er, dass gerade der Gesang ein wichtiger Teil in der Musik ist. «Ein Song steht oder fällt mit einem Sänger.»
KI-Stimmen haben Vorteile: Sie haben immer Zeit und liefert konstant. Würde sich jedoch ein motivierter und talentierter Sänger melden, werde dieser «sofort eingestellt», so Kocher. Falls der 73-Jährige wieder live spielen würde, führe kein Weg an einem echten Sänger vorbei. «Ich kann ja schlecht mit einem Laptop auf die Bühne kommen.»
Aus den Charts verbannt
Musik, die mit KI erstellt wird, stösst auf viel Widerstand: So spielte Radio SRF den KI-generierten Song «Papaoutai – Afro Soul» aufgrund der unklaren Herkunft nicht, obwohl dieser in den Charts war.
Die Charts in den USA haben weniger strenge Richtlinien. Dort landen immer wieder KI-Songs weit oben. Der Countrysong «Walk My Walk» des Sängers Breaking Rust erreichte 2025 Platz 1 der Billboard Country Digital Song Sales. Auch dieser ist ein KI-Produkt.
International werden KI-Kritiker gerade lauter. Sie fordern eine klare Kennzeichnung, wenn Songs oder ganze Künstler aus dem Computer kommen. Die Forderung stösst zwar auf Wohlwollen, bleibt aber grösstenteils freiwillig.
«Auch schon mal ausprobiert»
Auch in der Schweizer Musikbranche ist KI ein brisantes Thema. Sänger Michael von der Heide macht seit rund 30 Jahren Musik. Er gibt zu, auch schon mal ein wenig herumprobiert zu haben. In seiner Musik hat er KI aber nie eingesetzt. «Ich habe auch schon probiert, einen Text zu machen, aber diese waren dann doch ein bisschen seelenlos», sagt er zu Blick.
Angst, dass KI reale Sänger ersetzen wird, hat von der Heide keine. «Die Stimme ist das Instrument, das am nächsten an der Seele ist.» Er selbst ist dieses Jahr mit «Von der Heide singt Knef» auf Tour, und gerade live auf der Bühne mache dies einen grossen Unterschied.
Zum KI-Projekt von Kocher sagt er: «Natürlich wäre es gut, wenn er mit einem echten Sänger Musik produziert. Diesen zu finden, kann nicht so schwierig sein.» Verteufeln will er es aber auch nicht, so von der Heide: «KI ist ein kreatives Tool. Das zu nutzen, verstehe ich.»
Was denkst du über den Einsatz von künstlicher Intelligenz in der Musik? Schreib es in die Kommentare.