Ärztin mit Berufsverbot im Kanton Schwyz treibt ihr Unwesen nun in Biel BE
«Warum darf diese Frau praktizieren? Patienten sind in Gefahr!»

Ehemalige Angestellte in Biel BE werfen Susanne Eckstein medizinische Inkompetenz vor. Die Ärztin war 2021 bereits durch einen Impfskandal in Schwyz negativ aufgefallen. Die Behörden und die Ärztin schweigen zu den Vorwürfen.
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Dr. Susanne Niemann hat im Jahr 2021 im Kanton Schwyz für einen Skandal gesorgt.
Foto: zVg

Darum gehts

KI-generiert, redaktionell geprüft
  • Dr. Susanne Eckstein, Hausärztin in Biel, steht wegen Inkompetenzvorwürfen unter Beschuss
  • Ex-Mitarbeiterinnen berichten von falschen Diagnosen, gefährlichen Verschreibungen und fehlendem Wissen
  • 2021 verimpfte sie abgelaufene Corona-Impfstoffe, erhielt später Berufsverbot im Kanton Schwyz
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Martin MeulReporter News

Schon wieder! Nach dem der Herzchirurg Francesco Maisano für 70 Todesfälle am Unispital Zürich verantwortlich sein soll, sorgt nun eine Hausärztin in Biel BE für Schlagzeilen.

Rückblick: Es war im Frühling 2021, im zweiten Jahr der Corona-Pandemie: Über 100 Menschen wähnten sich in Sicherheit, nachdem sie sich in Ibach SZ gegen das Virus hatten impfen lassen. Dann stellte sich heraus: Die verantwortliche Ärztin Susanne Niemann (55) hatte ihnen abgelaufenen Impfstoff verabreicht. Der Kanton Schwyz leitete ein Strafverfahren ein und erteilte der Ärztin ein Berufsverbot. Doch nun praktiziert sie rund 90 Kilometer entfernt, in Biel BE, einfach weiter – unter anderem Namen.

Als Silvia W.* (34) in der Hausarztpraxis von Susanne Eckstein anfängt, glaubt sie, sie hätte einen Traumjob gefunden. Denn der Lohn, den ihr die Ärztin anbietet, ist mehr als gut. Was sie da noch nicht weiss: Susanne Eckstein und Susanne Niemann sind dieselbe Person!

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Dr. Susanne Niemann hat im Jahr 2021 im Kanton Schwyz für einen Skandal gesorgt.
Foto: zVg

Die Pflegefachfrau mit langjähriger Berufserfahrung willigt ein, ab 1. März 2026 als Praxisassistentin zu arbeiten – auch weil die Praxis nah an ihrem Wohnort liegt. «Alles sah gut aus, ich war glücklich über die Stelle», sagt W. zu Blick.

Doch kaum hat sie ihre neue Position angetreten, stellt sie fest: Ihre Chefin hat offenbar wenig Ahnung von Medizin!

Fragwürdige Aktionen

W. sagt zu Blick: «Dr. Eckstein mangelt es an Kompetenzen, die jede Ärztin eigentlich im Schlaf beherrschen sollte. Ich sah Sachen, die mir die Haare zu Berge stehen liessen.»

So soll Eckstein beispielsweise nicht bekannt gewesen sein, was NaCl (Natriumchlorid, Kochsalz-Lösung) sei. «Sie war nach meiner Beobachtung auch nicht in der Lage, zuverlässig einen venösen Zugang zu legen.»

In einem anderen Fall habe Dr. Eckstein einem Patienten Ritalin verschrieben, obwohl dieser Herzprobleme gehabt habe. «Das kann sehr gefährlich sein», sagt W.

Als Silvia W. ihre beiden Kinder von Eckstein wegen eines Ausschlags untersuchen liess, stellte die Ärztin die Diagnose Neurodermitis. «Dabei war es Scharlach, was ein anderer Arzt später sofort erkannte», sagt sie.

Ende März reichte W. deshalb beim Berner Gesundheitsdepartement eine Beschwerde gegen Eckstein ein. Das Schreiben liegt Blick vor.

Happige Vorwürfe

Silvia W. ist nicht die Einzige, die die Kompetenz von Dr. Eckstein infrage stellt. Auch Pflegefachfrau Hanna S.* (27) lässt kein gutes Haar an der Arbeitsweise der Ärztin. «Sie hatte keine Ahnung davon, wie man korrekt Blut abnimmt, kannte einfachste medizinische Begriffe nicht.»

Diese Unzulänglichkeiten fielen S. bei ihren wenigen Schnuppertagen in der Praxis auf. Die Pflegefachfrau wollte eigentlich im Juni 2026 in der Praxis von Eckstein starten. Doch dazu kommt es nicht. «Ich glaube nicht, dass sie wirklich Medizin studiert hat», lautet das vernichtende Urteil von Hanna S.

Eine alte Bekannte

Nach dem Impfskandal in Ibach hatte der Kanton Schwyz ein Verfahren eingeleitet und der Ärztin ein Berufsverbot erteilt. Ein entsprechender Eintrag im Register der Medizinalberufe beweist, dass Eckstein und Niemann die gleiche Person sind.

Dies geht auch aus einem E-Mail-Verkehr vom vergangenen Sommer hervor, der Blick vorliegt. Demnach wollte die Frau damals die Praxis einer in den Ruhestand gehenden Ärztin in Biel übernehmen. Bei den Verhandlungen mit den Besitzern der Liegenschaft gab es jedoch Probleme: Schon damals wurde die fachliche Legitimation der Ärztin infrage gestellt. Zudem bekamen die Vermieter Wind von der Aktion im Kanton Schwyz. Die Ärztin schrieb daraufhin in schlechtem Deutsch: «Es stimmt, mir wurde die Praxis in Schwyz geschlossen in 2021.»

Allerdings gab sich die Ärztin selbstbewusst: «Hätte ich etwas verbrochen, wäre mir in Bern die Berufsausübung auch entzogen worden. Mir ist speziell gesagt worden, dass ich nichts verbrochen habe, was eine Berufsausübungsbewilligung zu entziehen rechtfertigen würde.»

Fakt ist: Stand heute darf Eckstein im Kanton Bern praktizieren.

Warum unternehmen die Behörden nichts?

Dieser Umstand macht die ehemaligen Angestellten wütend. Silvia W. sagt: «Warum darf diese Frau noch praktizieren? Patienten sind in Gefahr!»

Auch Hanna S. ist fassungslos. «Die Behörden wissen seit Monaten, wer diese Frau ist, und dennoch wird sie weiterhin auf die Patienten losgelassen.»

Auf Anfrage von Blick verweisen die Berner Behörden auf den Datenschutz. «Die zuständigen Behörden prüfen Hinweise im Rahmen ihrer gesetzlichen Aufsichtspflichten und ergreifen bei Bedarf die erforderlichen Massnahmen», schreibt die Gesundheits-, Sozial- und Integrationsdirektion des Kantons Bern.

Blick konfrontiert auch Susanne Eckstein mit den Vorwürfen. Doch die Ärztin äussert sich nicht, droht jedoch mit rechtlichen Schritten. Ihr Anwalt werde sich melden, was jedoch bis zur Publikation nicht geschieht.

Für Silvia W. ist der Fall klar. Sie sagt: «Ich rate allen Patienten, sich umgehend einen neuen Hausarzt zu suchen. Auch wenn das in der Region Biel wegen des Hausärztemangels schwierig ist.»

* Namen geändert 

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