Darum gehts
- 64-jähriger Pilot stürzt Montag in Ochlenberg BE mit Eigenbau-Flugzeug ab
- Einzigartiges, turbinenbetriebenes Modell Cri-Cri war in der Schweiz ein Unikat
- EAS zählt 500 Mitglieder, ca. 100 davon sind sehr aktiv
Ein tödlicher Absturz erschüttert die Schweizer Tüftler-Szene: Am Montag verunglückt ein 64-jähriger Pilot bei einem Testflug in Olchenberg BE tödlich. Der Schock sitzt tief in der kleinen, eng vernetzten Gemeinschaft der Kleinflugzeug-Bauer.
«Das sind hervorragende Tüftler, die bauen, was es nicht ab Stange gibt», sagt FDP-Nationalrat und Präsident des Leichtaviatikverbandes Aero-Club Matthias Jauslin (64). Beim Unglücksflugzeug handelt es sich um ein experimentelles Eigenbau-Modell, das selbst unter Tüftlern eine absolute Rarität ist.
Ein exotisches Flugzeugmodell
Cri-Cri heisst das Modell, das der Pilot basierend auf einem Turbinenantrieb gebaut hatte. «Wir haben viele Flieger, die nachgebaut werden nach Plänen. Das Spezielle an diesem Modell ist die Dimension, da der Pilot fast exponiert ist», erklärt Jonathan Höhn, Präsident bei der Experimental Aviation of Switzerland (EAS). Der Umbau bedeutet laut Jauslin konkret: «Das Flugzeug wird wie ein Jet durch zwei Düsen angetrieben und hat keine Propeller. Dadurch ist es auch merklich schneller.»
«In diesem Fall handelt es sich um einen eher aussergewöhnlichen Bausatz», führt der FDP-Nationalrat aus. Auch Höhn ergänzt, dass es in der Schweiz der einzige Flieger dieser Art gewesen sei. Das Bundesamt für Zivilluftfahrt bestätigt die Aussage.
Ein risikoreiches Hobby?
Der Entscheid des Piloten, das Flugzeug so umzubauen, wird eine offene Frage bleiben. «Eigentlich birgt ein Flugzeug-Umbau keine Risiken, weil es die DNA eines Eigenbauers ist. Das 1973 entwickelte Modell wurde dabei lediglich modernisiert», erklärt Höhn. Er ist seit 40 Jahren in der Szene tätig und erinnert sich an keinen Absturz während der Testphase.
Ein Flugzeug zu bauen, bedeutet gleichzeitig, Regeln zu befolgen: «Ein Flugzeug selber zu bauen ist nicht mit einem Bau einer Seifenkiste zu vergleichen. Solche Projekte werden eng begleitet und es gibt eine Community, die sich gegenseitig unterstützt», sagt Jauslin. Auch Höhn bestätigt, dass wenn Piloten am Flieger tüfteln, Fehler eine Seltenheit sind. «Ein solcher Umbau wird von den Technikern und von den Inspektoren vom Bundesamt begleitet und minuziös dokumentiert.»
Der erfahrene Pilot und sein Herzensprojekt
In der Schweiz gibt es gemäss dem EAS-Präsidenten 500 Mitglieder, von denen ungefähr 100 sehr aktiv sind. Er kannte den verunfallten Piloten und hatte diesen administrativ eng begleitet. «Wir hatten ihn vor einer Woche noch bei der Generalversammlung prämiert. Der verunfallte Pilot sagte, er sei absolut begeistert von seinem Flieger.» Beim Unfallopfer handelt es sich gemäss Höhn um einen sehr erfahrenen Flugzeugbauer. «Er hat diverse Projekte gemacht und die Projekte, die er gemacht hat, waren alle ausserordentlich gelungen.»
Hinter den Projekten des Verunfallten steckten Fleiss und Erfahrung: «Er war Fluglehrer, Kunstflugpilot und ein sehr erfahrener Pilot auf verschiedenen Ebenen», sagt Höhn. «So ein Projekt braucht viel Idealismus und der Aufwand seines Projektes war enorm. Das kann man nicht machen, ohne dass es ein Herzensprojekt wird.»
Unfallgrund bisher unbekannt
In der überschaubaren Gemeinschaft hilft man sich bei Problemen weiter, berät sich bei Bauprojekten und trauert nun um den Piloten: «Das ist eine riesige Betroffenheit. Ich habe die Mitglieder in einer Mail informiert und entsprechende Reaktionen erhalten», erzählt der EAS-Präsident. «Dieser Unfall ist sehr bedauerlich und ich wünsche den Angehörigen viel Kraft in dieser schweren Zeit», sagt auch Jauslin. Während man um das Mitglied trauert, wird der Unfallhergang abgeklärt. «Ich halte es für möglich, dass er eine Sicherheitslandung beabsichtigte», sagt Höhn.
Auch Matthias Jauslin ist sich sicher: «Wenn es einen Fehler gibt, ist der individuell. Ich denke nicht, dass die Konstrukteure ein hohes Risiko eingehen wollen.» Und weiter: «Ein Fluggerät stürzt nicht wegen eines Konstruktionsfehlers ab. Das Flugzeug muss aber innerhalb der physikalischen Grenzen betrieben werden. Der Pilot hat die gültigen Flugverfahren einzuhalten.»