Darum gehts
- Zwei Frauen werfen Restaurantchef in Basel sexuelle Belästigung und Nötigung vor
- Chef soll Nachrichten wie «Will dich» gesandt und Mitarbeiterinnen bedrängt haben
- Anzeigen 2025 erstattet, bis April 2026 keine Ermittlungen der Behörden
Zwei Frauen erheben schwere Vorwürfe gegen ihren ehemaligen Chef Driton L.* (46), ein Restaurantinhaber in der Stadt Basel. Er soll sie sexuell belästigt und unter Druck gesetzt haben.
Die Masche des Mannes: Druck aufbauen, Grenzen überschreiten, sich danach entschuldigen – und wieder von vorne beginnen.
«Grosses Problem» in der Hose
So erlebt Lucja G.* (37) die Situation über zwei Jahre hinweg, als sie als Kellnerin für Driton L. arbeitet. Wie sie erzählt, habe er im Herbst 2023 damit begonnen, sie zu belästigen. «Er startete mit harmlosen Whatsapp-Nachrichten nach der Arbeit, wie ‹Gute Nacht› oder ‹Komm gut nach Hause›», so G. Doch es bleibt nicht bei netten Grüssen. «Er griff immer mehr in meine Privatsphäre ein.»
Mit der Zeit kommen sexuelle Anspielungen während der Arbeit dazu. Einmal habe Driton L. zu ihr gesagt, dass er ein «grosses Problem» habe. Lucja G. erzählt: «Er hatte seine Hände in den Hosentaschen, blickte auf seinen Genitalbereich und fragte mich: ‹Kannst du mir helfen?›»
Ein anderes Mal habe er ihr ein Ultimatum gestellt. «Er sagte zu mir: ‹Entweder wir ficken, oder du arbeitest nicht mehr hier.›» Lucja G. weist ihn ab. Mehrmals droht sie mit der Kündigung und ignoriert seine Belästigungen.
Im Nachhinein entschuldigt er sich oft für sein Verhalten – teilweise mit Geldscheinen – und sichert der Frau zu, dass dies nicht mehr vorkomme. Leere Versprechungen, wie sich herausstellt. «Ich glaubte ihm trotzdem immer wieder und wollte nicht kündigen, weil mir der Job im Restaurant gefiel», so G.
Versuchter Übergriff bei der Arbeit
Anfang 2025 sei die Situation eskaliert. Lucja G. ist an jenem Abend als Einzige im Service-Dienst. Es ist bereits nach 22 Uhr, nur noch zwei Tische sind besetzt. «Ich räumte Geschirr ab und trug es in den Nebenraum», sagt sie.
Als sie diesen Raum betreten habe, habe ihr Chef dort gestanden. «Er packte mich mit beiden Händen an den Schultern, zog mich zu sich heran und versuchte, mich zu küssen», sagt sie. Sie habe sich gewehrt. Als Driton L. sie erneut gepackt habe, habe sie ihm ihr Knie zwischen die Beine gerammt. «Ich konnte mich befreien, rannte aus dem Restaurant und kehrte nie mehr dorthin zurück.»
Auch nach diesem Vorfall sei der Wirt seinem Vorgehen treu geblieben. «Zwei Wochen lang erhielt ich Entschuldigungsnachrichten von ihm», so G. Doch dieses Mal glaubt sie ihm nicht mehr. Statt zurück zur Arbeit geht Lucja G. zur Polizei und zeigt ihren Chef an. Um alle Geschehnisse so konkret wie möglich zu schildern, erstellt sie ein Protokoll.
Sie lässt sich krankschreiben und erhält Monate später die Kündigung.
Neue Mitarbeiterin, alte Masche
Kurz darauf muss Zuzana T.* (34) offenbar Ähnliches erleben, als sie im letzten Sommer im besagten Restaurant als Kellnerin beginnt.
Nur wenige Wochen nach dem Arbeitsstart erhält auch sie belästigende Nachrichten von Chef Driton L. In den Whatsapp-Nachrichten, die Blick vorliegen, schreibt er ihr beispielsweise «Will dich» oder «Bin geil».
Zuzana T. wehrt sich. In einem formellen Brief schreibt sie ihrem Chef, dass dieses Verhalten für sie belastend und unerwünscht sei. Zudem wirft sie Driton L. vor, durch lautes Anschreien ein Klima von Angst und Druck zu verbreiten.
Das Schreiben scheint nichts zu bewirken. Nur wenige Tage später schreibt er ihr spätabends wieder: «Will dich». Sie antwortet: «Bist du normal?» Er schreibt: «Nur s..»
Kündigung und Drohung
Die Arbeitssituation ist angespannt. Im Restaurant kommt es zunehmend zu Streit – was dazu führt, dass Driton L. das Arbeitsverhältnis mit Zuzana T. kündigt. Auslöser dafür sei ein verbaler Streit gewesen, der laut Kündigungsschreiben die Gäste gestört und zu Umsatzeinbussen geführt habe.
Als T. die Kündigung vor Ort unterzeichnet, legt ihr Driton L. zusätzlich einen handgeschriebenen Zettel hin. «Ich musste unterschreiben, dass wir das Arbeitsverhältnis im Guten auflösen und ich keine Klage gegen ihn einreichen werde», sagt Zuzana T. und deutet dies als indirektes Schuldeingeständnis. Er habe ihr gedroht, den ausstehenden Lohn nicht zu überweisen, sollte sie sich nicht an die Abmachung halten.
Als das Geld schliesslich auf ihrem Konto eintrifft, beschliesst auch T. Anzeige gegen ihren Ex-Chef zu erstatten. Sie will weiteren Frauen dasselbe Schicksal ersparen – genauso wie Lucja G., die sie unterdessen kennengelernt hat.
Behörden noch nicht gehandelt?
Als Blick Driton L. mit den Vorwürfen konfrontiert, behauptet er in einem Telefongespräch, dass es sich bei seinen Textnachrichten nur um einen «Spass» zwischen ihm und den beiden Frauen gehandelt habe. Er betont, kein echtes Interesse an den Angestellten gehabt zu haben. Schliesslich habe er eine Ehefrau und Kinder.
Später distanziert er sich schriftlich von allen Vorwürfen: «Ich habe meinen Betrieb jederzeit unter Beachtung der geltenden gesetzlichen Bestimmungen sowie mit dem Anspruch eines respektvollen und professionellen Umgangs geführt.»
Aktuell habe er keine Kenntnis von laufenden Anzeigen gegen ihn. Mehr will er zu den Anschuldigungen nicht sagen.
Die Staatsanwaltschaft will sich auf Blick-Anfrage nicht konkret zum Fall äussern. Der Sprecher betont, dass «die Staatsanwaltschaft Basel-Stadt selbstredend alle eingehenden Anzeigen ernsthaft prüft und ermittelt».
Lucja G. ist am Ende ihrer Geduld: «Ich habe die Anzeige vor einem Jahr eingereicht – und noch immer ist nichts passiert. Er wird nicht stoppen, solange die Polizei nichts unternimmt.»
Für den Wirt Driton L. gilt die Unschuldsvermutung.
* Namen geändert