Darum gehts
- Nach Juniorenspiel des FC Concordia Basel eskaliert Streit zwischen Vater und Schiedsrichter
- Co-Trainer verhindert Schläge, begleitet Schiri sicher zu Garderobe und Auto
- FVNWS eröffnet Verfahren, analysiert Schiedsrichter-Bericht und Stellungnahmen
Angriffe bei Fussballspielen – sie scheinen kein Ende zu nehmen. Vor allem an Juniorenmatches. Entweder prügeln sich Spieler, Betreuer und Trainer. Oder Eltern und Zuschauer gehen aufeinander los. Und manchmal ist sogar der Schiedsrichter involviert. Letztes bekanntes Beispiel: Nach einem Junioren-Fussballturnier in Pratteln BL wurde eine Trainerin von rund zehn Typen angegriffen – und musste medizinisch versorgt werden. Die Personen sollen aus dem Umfeld des FC Concordia Basel gestammt haben.
Jetzt hat es gemäss Recherchen von Blick wieder nach einem Juniorenspiel des FC Concordia Basel Streit gegeben! Obwohl die 13- und 14-jährigen Jugendlichen letzten Sonntag daheim auf den Sportplätzen der St. Jakob-Anlage in Münchenstein BL gegen den FC Birsfelden am Ende mit 6:3 siegten, soll nach dem Spiel ein Vater eines Concordia-Spielers den Schiedsrichter angegriffen haben.
«Situation beinahe zur Schlägerei eskaliert»
«Die Situation eskalierte, so dass Spieler und Zuschauer eingreifen mussten, um die Beteiligten zu trennen», sagt ein Insider zu Blick. «Der Co-Trainer des FC Concordia begleitete den Schiri in die Garderobe. Als er zurückkam, geriet auch er mit dem Familienvater in einen heftigen Streit.» Die Situation sei beinahe zu einer Schlägerei eskaliert. «Wieder mussten Spieler und Zuschauer eingreifen und die beiden trennen.»
Offensichtlich hat bis anhin keine der beteiligten Personen, die Migrationshintergrund haben sollen, eine Anzeige eingereicht. Bei der Polizei Basel-Landschaft heisst es jedenfalls auf Anfrage: «Der von Ihnen geschilderte Sachverhalt ist uns nicht bekannt.»
Co-Präsident bestätigt «einen unschönen Vorfall»
Hingegen bestätigt Reto Fluri, Co-Präsident des FC Concordia Basel, gegenüber Blick: «Ja, es gab am Sonntag beim Heimspiel der C-Junioren gegen Birsfelden einen unschönen Vorfall.» Er erklärt, was genau passiert sein soll: «Der Schiedsrichter hatte gegen Spieler von uns bereits zwei gelbe Karten gezeigt. Als er dies bei einem weiteren Spieler von uns tat, fand dies der Vater unseres Spielers unangemessen und sagte dies dem Schiri etwas zu emotional.» Welche Worte er wählte, ist unklar.
Sicher ist laut Fluri: «Als der Schiedsrichter etwas Unangemessenes zurückschrie, was er später auch zugab, eskalierte die Situation, und der Vater griff den Schiri verbal an und zeigte ihm seine Fäuste.» Der Co-Präsident hält fest: «Es wurden aber keine Schläge ausgeteilt, von niemandem. Dies dank unserem Co-Trainer, der dazwischen ging und den Schiri schützend bis in die Garderobe und dann noch zu seinem Auto begleitete.»
«Wir bedauern diesen Vorfall sehr»
Weiter sagt Fluri: «Wir bedauern diesen Vorfall sehr und verurteilen so ein Handeln – bei beiden Parteien.» Man sei sehr darauf bedacht, alle Jugendlichen, Eltern und andere Beteiligten des FC Concordia dafür zu sensibilisieren, dass so etwas nicht mehr vorkomme. «Aber leider ist dies in der heutigen Zeit nicht so einfach», ergänzt der Co-Präsident. Man werde mit dem Vater des Spielers, aber auch mit dem Schiri-Verantwortlichen sicher noch das Gespräch suchen.
Beim Fussballverband Nordwestschweiz (FVNWS) in Pratteln BL heisst es: «Die Abteilung Spielbetrieb des FVNWS hat Kenntnis von den Vorfällen beim entsprechenden Spiel und hat ein Verfahren eingeleitet», sagt Geschäftsführer Pascal Buser zu Blick. Dieses beinhalte neben der Analyse der Angaben im Schiedsrichter-Bericht auch das Einholen von Stellungnahmen bei den verschiedenen Beteiligten. «Auf der Basis aller Angaben wird ein entsprechender Entscheid gefällt», sagt Buser weiter. Und: Der Schiedsrichter stehe für ein Interview nicht zur Verfügung.
«Hemmschwelle in letzten Jahren gesunken»
Man stelle fest, sagt Buser weiter, «dass die Hemmschwelle zur Anwendung verbaler und physischer Gewalt gesamtgesellschaftlich und damit auch auf dem Fussballplatz in den letzten Jahren gesunken ist». Es komme insgesamt im Vergleich zu früheren Jahren nicht zwingend quantitativ zu mehr Vorfällen, jedoch würden diese qualitativ im Einzelfall gravierender ausfallen.
FVNWS-Geschäftsführer Buser: «Dieser Herausforderung stellen wir uns mit präventiven und repressiven Massnahmen.» Etwa mit Fairplay-Workshops oder einem Sensibilisierungsprojekt mit den Schiedsrichterinnen und Schiedsrichtern. Der FVNWS verurteile verbale und physische Gewalt auf den Fussballplätzen «konsequent» und setze alles daran, dieser Problematik aktiv entgegenzuwirken.
Der Schweizerische Fussballverband (SFV) möchte zum aktuellen Fall keine Stellung nehmen, da die Verantwortlichkeit beim FVNWS liegt und dort auch Sanktionen ausgesprochen werden können. Erst wenn sich herausstellen würde, dass doch eine Tätlichkeit stattgefunden hat, kann der FVNWS den Fall an den SFV weiterreichen.