Darum gehts
- Schweiz erlebt vierte Hitzewelle, Weiden verdorren, Futter wird knapp
- Über 30 Bauern helfen bei Weideplatzsuche, Tiere finden Zuflucht in Bern
- Älpler benötigt täglich bis 600 Liter Wasser für Galloway-Rinder
Hitze und Trockenheit haben die Schweiz fest im Griff. Die vierte Hitzewelle des Sommers rollt übers Land. Und bringt Schweizer Bäuerinnen und Bauern gehörig ins Schwitzen. Denn die Weiden ihrer Kühe sind verdorrt. Und zwar längst nicht mehr nur im Mittelland. In den sozialen Medien und auf einschlägigen Landwirtschaftsportalen häufen sich Meldungen von verzweifelten Landwirten, die einen Weideplatz für ihre Tiere suchen.
Joel Allenbach (29) aus Frutigen BE hat auf Facebook einen Weide- oder Alpplatz für die Rinder der Eltern seiner Freundin gesucht. Sie haben einen Hof im Kanton Basel-Landschaft. Die Fotos, die sie Blick zur Verfügung stellen, sind eindrücklich. Die Weiden sind komplett verbrannt. Sie geben nichts mehr her. Die Gräser sind bis zu den Wurzeln verdorrt. Und lang anhaltender Niederschlag ist nicht in Sicht.
30 Bauern wollen helfen
Allenbach hört sich deshalb bei Bauern im Berner Oberland um. Doch auch dort ist die Lage kritisch. «Die Wiesen sind zwar noch grün, aber sie wachsen nicht mehr», weiss Allenbach. Einzelne Bauern würden mit ihren Tieren die Alpen bereits wieder verlassen. Auf seinen Aufruf hin melden sich aber über 30 Landwirte aus dem ganzen Land, vom Wallis bis nach Luzern. Es kommt zum Happy End: Die Tiere fahren in den Kanton Bern, wo sie wieder frisches, saftiges Gras essen können. «Die grosse Solidarität der Landwirte hat mich tief beeindruckt!», sagt Allenbach.
Dutzende ähnlicher Aufrufe zeigen, wie dramatisch die Lage ist. «Infolge Trockenheit suche ich Grassiloballen für Mutterkühe. Gerne Bio, aber auch konventionell», schreibt eine Bäuerin aus Langenbruck BL. Ein Landwirt aus dem Berner Mittelland sucht eine Alp, die für einige Wochen fünf Bio-Rinder aufnehmen kann. Eine Bäuerin aus dem Kanton Aargau sucht einen Platz für ihre Schwarznasen-Schafe. «Ich habe bald keine Weidefläche mehr. Hat jemand noch Platz für meine 15 Schwarznasen?»
Im Kanton Nidwalden kämpft Älpler Pius Wyrsch mit den Folgen der Trockenheit. Er hat auf der Alp Haghütte in Wolfenschiessen NW vor allem Probleme mit dem Wasser für seine Galloway-Rinder. Er muss dieses von einem nahe liegenden Bach zu den Weiden transportieren. Die Alp liegt auf 1510 Metern über Meer. Für seine Tiere braucht Wyrsch 600 bis 1000 Liter Wasser pro Tag.
«Situation ist sehr angespannt»
«Es ist überall sehr trocken, aber die Situation ist dennoch nicht überall gleich schlimm», sagt Sandra Helfenstein vom Schweizer Bauernverband zu Blick. «Besonders schlimm ist die Lage am Jurabogen.» Grund dafür seien die leichten, kalkhaltigen Böden. «Zudem hat es dort am wenigsten geregnet», so Helfenstein. In der Zentralschweiz und in der Ostschweiz sei es zwar noch etwas grüner. «Dort wächst aber auch nicht mehr viel.» Es sei denn, dass starke Gewitter lokal Abhilfe geschaffen haben.
Für die ganze Schweiz gilt deshalb: Das Futter wird knapp. «Viele versuchen jetzt, im In- und Ausland Futter zu organisieren», sagt die Sprecherin des Bauernverbandes. Das sei aber kein leichtes Unterfangen, da ganz Europa unter den Folgen der Hitze leide. Und es gehe ins Geld. Kurz: «Die Situation in der Schweiz ist sehr angespannt», so Helfenstein.