Darum gehts
- Europa leidet unter heftigen Waldbränden durch Hitze, Trockenheit und starken Wind
- Schweiz schickt drei Super-Puma-Helikopter nach Korsika, 28 km² betroffen
- In Portugal bereits 30'000 Hektar abgebrannt, Norden bleibt Hochrisikogebiet
Europa brennt: Starker Wind, hohe Temperaturen und Trockenheit kommen in einem teuflischen Dreiklang zusammen, um riesige Flächen des Kontinents in eine Feuersbrunst zu verwandeln. Und die Gefahr reisst nicht ab: Das Waldbrandrisiko bleibt laut dem Europäischen Waldbrand-Informationssystem (Effis) in vielen Regionen hoch.
Die Schweiz hat am Dienstag auf Wunsch der Pariser Regierung drei Super-Puma-Helikopter nach Korsika entsandt. Auf der Mittelmeer-Insel brennt eine Fläche von rund 28 Quadratkilometern. Das entspricht fast 4000 Fussballfeldern. Für Touristinnen und Touristen wirken Bilder von grossen Brandherden und Löschflugzeugen oft verunsichernd. Doch meist lassen sich die betroffenen Regionen mit guter Planung umgehen. Blick hat die Übersicht und zeigt, wo die grössten Brandstellen liegen und wie du dein Geld zurückbekommst, wenn du deine Sommerferien gerade dort verbringen wolltest.
Frankreich
Wer Ferien im Südwesten Frankreichs gebucht hat, sollte sich eine anstehende Reise gut überlegen. In den letzten Tagen wütete der schlimmste Waldbrand seit dem Ende des Zweiten Weltkriegs in der Region. Die Feuer treffen die Départements Gironde und Landes in der Nähe von Bordeaux besonders hart. Aus dem beliebten Surferort Lacanau, der Landzunge Cap Ferret und den Orten um die berühmte «Dune de Pilat» wurden Touristen sowie Bewohnerinnen und Bewohner evakuiert. Insgesamt mussten mehr als 200'000 Menschen ihre Häuser oder Unterkünfte verlassen.
Die Kiefernwälder in dem Gebiet entlang der Atlantikküste brennen stark, da die trockenen Nadeln und das brennbare Harz dem Feuer helfen, sich rasend schnell auszubreiten. Anhaltender Wind hat die Ausbreitung weiter begünstigt.
Griechenland
Die Ägäis-Insel Paros steht in Flammen. Auf der beliebten Ferieninsel tobt ein massiver Waldbrand, der Bewohner zum Flüchten zwingt. Feuerwehrleute stehen im Dauereinsatz, um das in zwei Richtungen wachsende Feuer zu bändigen. «Nach sechs Stunden stand plötzlich die halbe Insel in Flammen», sagt Michael G.*, ein Blick-Leser, der die Ferien mit seiner Familie auf der Insel verbringt.
Spanien
In der Region Madrid wüten Waldbrände, wie sie dort noch nie gesehen wurden. Zuerst waren es mehrere einzelne Feuer, jetzt haben sie sich zu einem Riesen-Inferno zusammengeschlossen. Fast 100'000 Spanier mussten ihre Häuser verlassen, Einzelne dürfen nun nach einer erfolgreichen Bekämpfung des Flächenbrands wieder heimkehren. Doch in der Provinz Castellón im Osten des Landes bleiben die Brände ausser Kontrolle. Die Feuersbrunst breitete sich auf einen Naturpark aus. Bisher blieben beliebte Ferienziele aber verschont.
Portugal
In Portugal brennt es an mehreren Orten, besonders im Norden des Landes. Bereits 30'000 Hektar Land sind bis Anfang Juli abgebrannt. Und: Das Info-System Effis stuft fast den gesamten Norden des Landes als Hochrisikogebiet ein.
Italien
In der beliebten Touristenregion Apulien mussten am Montag 400 Strandbesucher und Touristen mit Schiffen evakuiert werden. Ein Flächenbrand entlang der Adriaküste breitete sich aus, konnte dann aber am Dienstag erfolgreich gelöscht werden. Auf der Insel Sizilien und an mehreren Orten Kalabriens wüten weiterhin mehrere Feuer.
Türkei
In der Nähe des beliebten Ferienortes Antalya tobt aktuell ein Waldbrand. Eine Strasse zum Ort Fethiye musste wegen der Löscharbeiten gesperrt werden. Laut der Nachrichtenagentur Reuters brach das Feuer auf einer Landwirtschaftsfläche aus und griff wegen starker Winde auf ein Waldgebiet über. Über 100 Einsatzkräfte sind mit 40 Löschfahrzeugen im Einsatz.
Wo du dir keine Sorgen machen musst
Wer einen Waldbrand während der Sommerferien ganz ausschliessen möchte, dem bieten sich Regionen in kühleren Gebieten an: Dänemark, Schweden, Norwegen und Island sollten alle sichere Reiseziele sein. Effis stuft sie als «niedriges Risiko» für Waldbrände ein. Auch das Baltikum und Österreich sollten sicher sein. Fast die gesamte Schweiz liegt ebenfalls im niedrigen Risikogebiet.
Was machst du, wenn dein Ferienziel in Brand steht?
Hier kommt es auf die Art der Buchung an. Am besten abgesichert bist du bei einer Pauschalreise. Heisst: Du hast Flug und Hotel gemeinsam über einen Reiseveranstalter gebucht. Ist die Reise wegen der Brände unzumutbar oder schlicht nicht durchführbar, kann der Veranstalter den Gästen eine Ersatzreise im selben Wert anbieten.
Du kannst aber auch entscheiden, die Reise gar nicht anzutreten und dafür den vollen Preis zurückzuerhalten. Bricht das Feuer erst nach deiner Ankunft im Ferienparadies aus, muss dir der Reiseveranstalter ebenfalls eine Alternative anbieten oder dich bei der Heimreise unterstützen.
Komplizierter ist es bei der Individualreise. Da Flug und Unterkunft separat gebucht wurden, musst du deren Rückerstattung auch einzeln beantragen. Dabei kann es zum Beispiel vorkommen, dass das Hotel den Aufenthalt aufgrund der Brände storniert und den Preis zurückerstattet, die Fluggesellschaft ihren Flug jedoch regulär durchführt und deshalb keine kostenlose Stornierung gewährt.
In einem solchen Fall könnte unter Umständen die eigene Reiseversicherung greifen. Dies jedoch nur bei einer objektiven Gefährdung – etwa wenn das Hotel unbewohnbar ist oder eine offizielle Reisewarnung der Behörden vorliegt. Reine Angst oder Rauch in der Ferne reichen für eine Erstattung hingegen nicht aus.
Ein wichtiger Tipp: Reisende sollten Hotelbuchungen oder Flüge nicht voreilig und auf eigene Faust stornieren. Experten raten, zuerst Rücksprache mit den Anbietern oder der Versicherung zu halten.
* Name geändert