Zweites Raketenabwehrsystem
Kommt jetzt Frankreich zum Zug?

Die Armee hat die Evaluation für ein weiteres Luftabwehrsystem abgeschlossen. Mindestens zwei Offerten liegen vor. Bald soll der Bundesrat entscheiden.
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System, um vom Boden aus den Luftraum zu verteidigen.
Foto: Boris Stoebe

Darum gehts

KI-generiert, redaktionell geprüft
  • Evaluation für zweites Raketenabwehrsystem abgeschlossen
  • Bundesrat wird bald Typenwahl treffen und über Beschaffung entscheiden
  • Französisch-italienisches System favorisiert
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Andreas SchmidInlandredaktor

Statt bis Ende 2028 werden die Patriot-Raketen zur Luftverteidigung erst fünf bis sieben Jahre später aus den USA in die Schweiz geliefert. Verteidigungsminister Martin Pfister (63, Mitte) will nun schnell ein zweites Abwehrsystem beschaffen. Und ist mit dem Vorhaben weit fortgeschritten. Angebote liegen vor, und die Experten haben die technischen Analysen vorgenommen. «Die militärischen und rüstungspolitischen Auswertungen der eingegangenen und verbindlichen Offerten sind abgeschlossen», sagt Kaj-Gunnar Sievert, Sprecher des Bundesamts für Rüstung Armasuisse, auf Anfrage. Das Geschäft sei jetzt in den Händen von Rüstungschef Urs Loher (60) und Departementschef Pfister. Das heisst, bald dürfte dieser dem Gesamtbundesrat einen Typ empfehlen und den Kauf beantragen.

Laut Sievert holten die Armasuisse-Verantwortlichen bei Herstellern in Frankreich, Israel und Südkorea Informationen über deren Raketenabwehrsysteme ein. Wer von den Anbietern verbindliche Offerten einreichte, gibt der Sprecher nicht bekannt. Mindestens zwei Systeme stehen aber zur Auswahl. Die Finanzierung sei über den Zusatzfonds für die Armee in der Höhe von 24 Milliarden Franken vorgesehen, sagt Sievert.

Heikle Konstellation

Im Vordergrund dürfte der Kauf des Systems des französisch-italienischen Unternehmens Eurosam stehen. Zum einen, weil sich der Bundesrat dazu bekannte, Rüstungskäufe künftig vermehrt in Europa vorzunehmen. Zum anderen, weil in der aktuellen politischen Situation weder ein israelisches noch ein südkoreanisches Produkt ohne Nebengeräusche zu beschaffen wäre.

Kommt hinzu, dass die Schweiz ihren französischen Nachbarn beim Kampfjet-Geschäft nachhaltig verärgerte: Statt der Rafale aus Frankreich entschied sich der Bundesrat für die amerikanische F-35. Mit den bekannten Folgen um das Fixpreis-Debakel, die Lieferverzögerungen, den Zugriff der Amerikaner auf die Daten der Schweizer Armee sowie den Lärm.

«Schadensmindernd» fortführen

Der Kauf des amerikanischen Patriot-Abwehrsystems ist für die Schweiz nicht nur wegen der Verzögerungen, sondern auch finanziell ein Ärgernis. Statt der veranschlagten 2 Milliarden Franken werden die Kosten auf bis zu 3,7 Milliarden Franken steigen. Armasuisse-Sprecher Sievert sagt dazu: «Der Bundesrat hat beschlossen, die Beschaffung schadensmindernd fortzuführen, und er unternimmt alles, um die Verzögerungen so kurz und die Zusatzkosten so tief wie möglich zu halten.»

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