Darum gehts
- Zürich plant hundefreie Zone am rechten Sihlufer, Widerstand formiert sich
- Über 350 Protestierende und 190 Einsprachen gegen das geplante Hundeverbot
- Seit 2003 vervierfachte sich Zahl der Hunde in Zürichs Allmend
Ein Stück Wiese bringt Zürichs Hundehalter auf die Barrikaden. Die Stadt will am rechten Sihlufer eine 450 Meter lange hundefreie Strecke einführen. Dagegen formiert sich Widerstand – und der könnte die Behörden noch länger beschäftigen.
Vor zwei Wochen demonstrierten gut 20 Personen gegen die Pläne. Inzwischen haben sich mehr als 350 Personen auf einer Protestseite eingetragen, die der SVP-Gemeinderat Johann Widmer (68) lanciert hat. Zudem gingen bei der Stadt Zürich 190 Einsprachen gegen das Hundeverbot ein. Viele würden ihre Einsprache gemäss Widmer zwar wieder zurückziehen. «Sonst drohen ihnen Kosten von 400 Franken. Aber einige werden den Fall sicher weiterziehen.»
Gemeinsam mit einer Anwaltskanzlei prüfen Widmer und seine Mitstreiterinnen nun rechtliche Schritte gegen das Verbot. Widmer sieht dabei durchaus Chancen, die Stadt zum Einlenken zu zwingen.
«Wir sind bereit, bis vors Bundesgericht zu ziehen. Mehrere Dutzend würden sich an den Kosten beteiligen. Wir haben genug Geld. Die Stadt sollte sich warm anziehen», sagt Widmer. Und wenn die juristischen Mittel scheitern? «Dann bleibt uns nichts anderes übrig, als das Gelände zu besetzen.» Die Hundebesitzer würden die Wege trotz Verbot weiter benutzen. «Die Stadt hat gar nicht genug Polizei, um jeden Einzelnen von uns zu büssen. Das ist der einhellige Wille der rund 350 Protestierenden. Und wenn wir halt ab und zu die Busse von 60 Franken bezahlen müssen, dann ist das so.»
Hundefreie Zone mitten im Hundegebiet
Der Streit dreht sich allerdings nicht nur um ein Verbot, sondern um die Frage, wo Hunde in Zürich überhaupt noch genügend Platz zum freien Auslauf haben. «Seit die Stadt 2003 das Konzept für die Aufteilung der Allmend in verschiedene Zonen erarbeitet hat, gibt es dort etwa viermal mehr Hunde», sagt Widmer.
Ein Grund dafür seien die Kantone Aargau und Schwyz, die inzwischen eine Leinenpflicht eingeführt hätten. «Darum kommen viele Hundehalter mit ihren Vierbeinern zu uns. Hier können sie den Auslauf bieten, den das Tierschutzgesetz verlangt.»
Der Platz für die Hunde sei deshalb ohnehin knapp. Zusätzlich gilt zwischen April und Juli entlang des Waldrands eine Leinenpflicht. «Damit halbiert sich die nutzbare Fläche.» Heute könnten die Hundehalter entlang der Sihl einen Spaziergang von rund einer Stunde machen. «Und genau dort will die Stadt nun ein Stück herausschneiden.»
Die geplante hundefreie Zone soll also ausgerechnet mitten im Hundegebiet entstehen. Dabei begründet die Stadt das Verbot unter anderem mit «Menschen, die Angst vor Hunden haben oder sich in deren Nähe unwohl fühlen». Zudem müssten die Hundehalter bei ihrem Spaziergang auf den nationalen Veloweg ausweichen. «Das führt nur zu Streit mit den Velofahrern», sagt Widmer.
Eine Ersatzfläche kommt für die Protestierenden deshalb nicht infrage. «Wir wollen dort spazieren, wo wir seit 25 Jahren mit unseren Hunden unterwegs sind. Es gibt bereits genügend hundefreie Zonen und Gebiete mit Leinenpflicht.» Als Alternative nennt der Politiker den Bereich bei den Sportplätzen. Dort gelte ohnehin Leinenpflicht, und Hunde seien kaum anzutreffen. «Wir haben von Anfang an gesagt: Wenn ihr diese Fläche anfasst, gibt es Krieg. Den bekommt die Stadt jetzt.»