Darum gehts
- Swissmint prägt jährlich 35 Millionen Münzen in Bern
- Schweizer Zehnräppler seit 1879 unverändert – Guinness-Weltrekord
- Zweifränkler entstehen mit 80 Tonnen Druck und 500 Prägungen pro Minute
Klimper, klimper – es regnet Geld! Pausenlos rutschen die Münzen aus der Prägemaschine und fallen in eine grosse Kiste. Das Geräusch löst euphorische Gefühle aus; es kribbelt im Bauch. Auch wenn man weiss, dass man diese Zweifränkler nicht nach Hause nehmen darf. Auch wenn die Mitarbeitenden sagen, für sie sei es, als würden sie «Schrauben produzieren». Aber es sind eben keine Schrauben. Es ist Geld.
Am 8. März hat das Schweizer Stimmvolk entschieden, dass es das Bargeld in der Verfassung verankern möchte. Doch woher kommt es überhaupt, unser Geld? Wer macht es?
Das elegante 120-jährige Gebäude im Berner Kirchenfeld-Quartier sieht nicht aus wie eine Münzfabrik. Und Adrian Richli (51) sieht nicht aus wie Dagobert Duck. Eine besondere Beziehung zu Geld hat er aber schon. «Die Jahrgänge, die ich selbst geprägt habe, die bedeuten mir etwas», sagt der Produktionsleiter der Schweizer Münzstätte Swissmint.
Es braucht 80 Tonnen
Jetzt gerade werden Zweifränkler geprägt. Denn Swissmint stellt nicht alle Münzen gleichzeitig her, sondern schweizerisch «süüferli» eine nach der anderen. Im Moment entstehen alle Münzen mit dem Jahrgang 2026. Für den Zweifränkler braucht die Münzstätte etwa einen Monat, danach kommen die 50-Räppler.
Unser Bargeld wird in einem Raum mit hoher Decke und vergitterten Fenstern geboren. Es beginnt mit runden Rohlingen: Kupfer-Nickel-Rondellen, die noch komplett leer sind und per Containerschiff aus Südkorea nach Europa kamen und dann im Lastwagen nach Bern reisten. Damit aus ihnen Geld wird, müssen sie durch die Prägemaschine. Der Stempel macht seine Arbeit vollautomatisch und mit Wucht: 500-mal pro Minute drückt er mit 80 Tonnen Gewicht auf die Metallscheiben. Und schon sind sie – mit der Helvetia auf der einen und «2 Fr.» auf der anderen Seite – zu Geld geworden.
Blitzblank sauberes Geld, denn noch hat es kein Mensch in die Hand genommen. Ausser Stefan Bütikofer (60) der gerade Stichproben macht. Der langjährige Swissmint-Mitarbeiter schiebt den frisch geprägten Zweifränkler durch zwei Löcher, er kontrolliert, ob er nicht zu breit geraten ist. Dann untersucht er mit einer Lupe die Inschriften und den Blätterkranz.
Ein Schweizer Weltrekord
Was sagt Stefan Bütikofer, wenn ihn jemand fragt, wo er arbeitet? «Nur, dass ich Mechaniker beim Bund bin», antwortet er schmunzelnd. «Nach 20 Jahren kann man die Sprüche irgendwann nicht mehr hören.» Zum Beispiel: «Na, hast du dir heute bei der Arbeit die Hosentasche gefüllt?»
Nicht Habgier, sondern eine Art stiller Stolz stellt sich bei den Mitarbeitenden ein. «Unsere Münzen gefallen mir sehr», sagt Produktionsleiter Adrian Richli. «Und es ist schön, Teil der Geschichte zu sein.» Einer Geschichte, die derart lang ist, dass sie es sogar ins «Guinness Buch der Rekorde» geschafft hat: Der Schweizer Zehnräppler sieht seit 1879 genau gleich aus – Weltrekord!
Doch zurück zu den Zweifränklern: Die werden jetzt per Förderband zur nächsten Maschine gebracht, sortiert und in Münzrollenpapier eingewickelt. Jede Rolle ist 100 Franken wert. Dann gehts weiter zu den Roboterarmen «Vreneli» und «Wilhelm», welche die Münzrollen in Kartons packen. Apropos Wilhelm: Auf dem Fünffränkler ist nicht Wilhelm Tell zu sehen, wie oft vermutet wird, sondern ein namenloser Alphirt. Und noch ein bisschen mehr Wahres über unser Bares: Unser Fünfliber hat einen der höchsten Geldwerte der Welt. Und das kleine «B» auf den Münzen steht für «Bern». Früher durfte die Helvetia auf unseren Münzen sitzen – seit 1874 muss sie stehen. Die 23 Sterne symbolisieren die Kantone; die Halbkantone zusammengezählt.
Zählen, das ist die Aufgabe der Schweizer Nationalbank. Sie entscheidet jedes Jahr, wie viel Geld Adrian Richli und sein Team herstellen sollen. Dieses Jahr sind es 35 Millionen Stück im Wert von 19 250'000 Franken. Da die Auftragsmenge variiert, stellt Swissmint nebenbei deshalb auch noch Sondermünzen her, die sie an Sammler und Liebhaber verkauft.
Doch obwohl Schweizerinnen und Schweizer seltener bar bezahlen, hängen sie an ihren Münzen. Als der Bund vor 20 Jahren den Fünfräppler abschaffen wollte, war der Widerstand von Gewerbe und Kunden so gross, dass die Idee wieder verworfen wurde. Ist es Angst angesichts der unsicheren Weltlage, die uns ans Bargeld bindet? Oder nostalgische Erinnerungen ans erste eigene Geld, das wir als Kind zu Häufchen stapelten? Für die Leute von Swissmint machts keinen Unterschied. Sie stellen her, was die Nationalbank verlangt, auf den Rappen genau.
Man sagt: Nur Bares ist Wahres. Doch selbst Bares kann schlecht werden. Adrian Richli öffnet eine grosse Kiste voller alter Münzen. Die Nationalbank hat sie aus dem Verkehr gezogen, weil sie beschädigt sind. Sie landen ebenfalls in der Münzstätte und werden dort «verwalzt», also mit grossem Gewicht zerdrückt. Danach schmilzt man die alten Münzen ein und verkauft das Metall. Der Erlös dient auch dazu, in Bern wieder neues Geld zu machen. All das, damit es weiterhin auch in unseren Portemonnaies ganz schön klimpert.