So zahlt die Schweiz
Bargeld, Karten, Apps – wie viel kostet unser Geld?

Ein milliardenteures System aus Bargeld, Apps und Kartenzahlungen sorgt dafür, dass wir im Alltag zahlen können. Ein Einblick in 5 Kapiteln.
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Zahlungsmittel oder Wertaufbewahrung? Bargeld hat viele Funktionen.
Foto: Keystone

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Michael Heim
Handelszeitung

Am 8. März stimmt die Schweiz über die Initiative «Bargeld ist Freiheit» sowie einen direkten Gegenvorschlag ab. Gemeinsam ist beiden Vorlagen, dass die Landeswährung und die Bargeldversorgung stärker in der Verfassung festgeschrieben werden sollen – und dass sie sich auf einer eher symbolischen Ebene bewegen, weil sie kaum direkte Auswirkungen haben werden.

Hintergrund der Initiative sind Veränderungen im Zahlungsverhalten und damit die Befürchtung, Bargeld als Zahlungsmittel könnte gegen den Willen der Bevölkerung abgeschafft werden. Geschäfte, die nur elektronisch einkassieren, dienen den Initianten als Negativbeispiel.

Artikel aus der «Handelszeitung»

Dieser Artikel wurde erstmals im Angebot von handelszeitung.ch veröffentlicht. Weitere spannende Artikel findest du unter www.handelszeitung.ch.

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1

Handy statt Cash – so bezahlt die Schweiz

Bargeld hat die Rolle als beliebtestes Zahlungsmittel verloren: Laut dem «Swiss Payment Monitor 2026» von der Universität St. Gallen (HSG) und der Zürcher Hochschule für Angewandte Wissenschaften (ZHAW) werden nur noch 23 Prozent aller Zahlungen in bar abgewickelt. Über 70 Prozent der Transaktionen dagegen werden mit Karten oder Handy-Apps bezahlt, der Rest über Rechnungen oder andere Zahlungsmittel.

In den letzten Jahren hat das Bezahlen mit Handy-Apps, die bereits bei jeder dritten Zahlung zum Einsatz kommen, stark an Popularität gewonnen. Die Hälfte davon dürfte über die Bezahl-App Twint laufen, der Rest verteilt sich auf Kredit- und Debitzahlungen über Apps wie Apple Pay und Google Pay. 17 Prozent der Befragten geben an, kein Bargeld mehr mit sich zu führen. Diese Tatsache spiegelt sich nur bedingt in der Bargeldmenge der Schweizerischen Nationalbank (SNB) wider. Sie hat seit 2022 zwar deutlich abgenommen, aber das dürfte andere Gründe haben (siehe Punkt 5).

2

Das sind die Kosten der Kartenzahlungen

Die Gebühren von Twint und Karten halten die Händler nach wie vor davon ab, unbar einzukassieren. Bei Twint betragen die Gebühren bei den meisten Händlern 1,4 Prozent. Bei Kartenzahlungen hängen sie vom jeweiligen Vertrag ab: Im Fall von Debitkarten dürfte sich die Bandbreite zwischen 0,2 und 1,5 Prozent bewegen, bei Kreditkarten zwischen 0,5 und mehreren Prozentpunkten. Teilweise gibt es Mindestgebühren, weshalb die Händler kleine Beträge lieber in bar kassieren. Der grösste Teil der Gebühren geht an Zahlungsabwickler wie Worldline und an die Herausgeber der Karten sowie an Banken wie Viseca und UBS.

Insgesamt geht es um Milliarden: Eine Studie der HSG kam 2024 zum Schluss, dass jährlich 1,4 Milliarden Franken an direkten Gebühren bei Debitkarten und 2,2 Milliarden bei Kreditkarten anfallen. Noch grösser sind die volkswirtschaftlich relevanten Arbeits- und Zeitkosten beim Abwickeln und Abrechnen der Zahlungen. Diese dazugerechnet, kommt die HSG-Studie auf jährliche Kosten aus Kartenzahlungen von etwa 5,6 Milliarden Franken.

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Auch Bargeld verursacht hohe Kosten

Mit Bargeld zu bezahlen, ist gebührenfrei. Doch auch Cash kostet die Gesellschaft viel Geld: Allein aufseiten der Banken fallen gemäss einer Schätzung der SNB pro Jahr Kosten von 640 bis 880 Millionen Franken an, davon etwa 260 Millionen für den Betrieb der Geldautomaten, was teils über Gebühren an die Kundschaft weitergegeben wird. Etwa 50 Millionen Franken dürften jährlich bei der SNB und bei Swissmint für die Bargeldversorgung anfallen.

Dazu kommen indirekte Kosten wie jene für die Arbeitszeit. Die HSG-Studie schätzt, dass Bargeld pro Jahr Kosten von rund 2 Milliarden Franken bei den Händlern und 1 Milliarde bei den Konsumentinnen und Konsumenten verursacht. Zusammen mit den Bargeldkosten für die Banken und die SNB kommt die Studie auf einen Betrag von 3,8 Milliarden Franken, was etwa 5 Prozent der Bargeldmenge entspricht – oder mehr als 400 Franken pro Einwohnerin und Einwohner. Nicht zuletzt kann Bargeld auch verloren gehen. Als die SNB die sechste Notenserie ausser Kraft setzte, wurde rund 1 Milliarde Franken nicht mehr eingelöst.

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Steueroptimierung mit Tausendernoten

Bargeld hinterlässt keine Spuren und dürfte damit nicht nur bei Bürgerinnen und Bürgern, die ihre Privatsphäre aus legitimen Gründen hochhalten wollen, beliebt sein, sondern auch bei Steuerhinterziehern oder Kriminellen. Ein bekanntes Indiz dafür ist der Sprung, den die Geldmenge jeweils vor dem für die Steuern relevanten Stichtag Ende Jahr macht, wenn Gelder von Bankkonten abgezogen und mutmasslich versteckt werden. Ende 2024 machte dieser Anteil etwa 3 Prozent des Bargelds aus – das sind 2 Milliarden Franken. Mit 4,4 Prozent besonders gross war der Sprung bei den Tausendernoten, die wertmässig die Hälfte der Notengeldmenge ausmachen und hauptsächlich als Wert- und nicht als Zahlungsmittel verwendet werden.

Allerdings hat das Phänomen in den vergangenen Jahren an Bedeutung verloren: 2010 nahm die Bargeldmenge von Oktober auf Dezember laut SNB-Statistik um 9,2 Prozent zu. 2015 waren es 5,9 Prozent und 2020 mit 4 Prozent noch weniger.

5

Untergräbt Bargeld die Zinspolitik der SNB?

Im September 2022 beendete die SNB die letzte Phase der Negativzinsen. Seither wurde viel Bargeld an die Notenbank zurückverschoben, wie die Statistik zeigt: Um 16 Milliarden Franken nahm die Bargeldmenge bis Ende 2025 ab, davon 15,1 Milliarden Franken in Form von Tausendernoten. Der Rückgang der Geldmenge ist denn auch weniger auf das Bargeldverhalten im Alltag zurückzuführen, nahm der Wert der Zehner- und Zwanzigernoten in der gleichen Zeit doch sogar um 120 Millionen Franken zu. Das zeigt: Bargeld diente wohl auch als Mittel, Negativzinsen zu vermeiden.

Bekannt ist, dass die SNB den Banken damals signalisierte, dass sie ein Umgehen der Zinsen über Bargeldbezüge im grossen Stil nicht tolerieren würde – offenbar mit Erfolg. Die Bargeldbezüge dürften wenig Auswirkung auf die Geldpolitik der SNB gehabt haben. Die Geldmenge M2, die auch Sicht- und Spareinlagen beinhaltet, beträgt mehr als 1,1 Billionen Franken. Die 15 Milliarden an Tausendernoten machten nur 1 bis 2 Prozent davon aus.

Fazit

Das Geldsystem kostet die Volkswirtschaft Milliarden in Form von direkt verrechnetem Aufwand von Banken und Zahlungsdienstleistern sowie von nicht verbuchten Arbeitskosten. Glaubt man den Studien der Ökonominnen und Ökonomen von Hochschulen und SNB, unterscheiden sich die volkswirtschaftlichen Kosten von Bargeld und digitalem Geld gar nicht so stark. Doch sie werden nicht von allen gleich stark getragen.

Während die Bargeldkosten in Form von Aufwand und Bankgebühren eher gleichmässig auf Händlerinnen und Konsumenten verteilt sein dürften, bestehen bei elektronischen Zahlungen asymmetrische Anreize in Form von Händlergebühren und Rückvergütungen an Banken und Karteninhaber. Diese wurden in den letzten Jahren durch die Wettbewerbskommission reduziert. Am Trend hin zu elektronischen Zahlungen dürfte das jedoch nichts ändern. Genauso wenig wie die beiden zur Abstimmung stehenden Vorlagen, die zu den Kosten der Bargeldversorgung keine Aussagen machen.

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