Wo bleiben die Jungen?
Schweizer Stimmvolk ist deutlich älter, als es sein sollte!

Immer weniger Junge stimmen ab: Kaum ein Drittel der 20- bis 30-Jährigen gehen an die Urne. Eine Analyse von Avenir Suisse zeigt, dass die politische Macht in der Schweiz zunehmend bei den Älteren liegt. Lösungen sind Mangelware.
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Die Alten bestimmen an der Urne immer mehr, zeigt eine Analyse der Denkfabrik Avenir Suisse.
Foto: imago/Westend61

Darum gehts

KI-generiert, redaktionell geprüft
  • Analyse: Ältere Schweizer dominieren Abstimmungen, Medianalter der Wählenden bei über 53 Jahren
  • Nur 30 Prozent der 20- bis 30-Jährigen gehen wählen, Rentner überwiegen
  • Abstimmungskluft 2020–2024: 15 Prozent Unterschied zwischen Alt und Jung, laut Studie
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Joschka SchaffnerRedaktor Politik

Die Alten pilgern an die Urne, die Jungen haben Nachholbedarf. So zeigt es eine Analyse der Denkfabrik Avenir Suisse schonungslos. Das Medianalter der Schweizerinnen und Schweizer, die tatsächlich an Wahlen und Abstimmungen teilnehmen, liegt deutlich über dem eigentlichen mittleren Alter der Stimmbevölkerung. Heisst: Die Alten übertrumpfen den Rest nicht nur durch den demografischen Wandel – sondern ganz einfach durch ihre Lust an der Politik.

Ein Problem sei das nicht zwingend, so Avenir Suisse in ihrem Befund. Dennoch schlägt die Denkfabrik Massnahmen vor, die den Umstand abfedern könnten – etwa das Stimmrecht für 16-Jährige oder Ausländerinnen und Ausländer. Doch die eigentliche Frage bleibt offen: Warum sind die Jungen so stimmfaul?

Kluft wird immer grösser

Das Phänomen ist nicht neu. Bereits seit dem Jahr 2000 setzen sich die Rentnerinnen und Rentner in der Mehrheit der Abstimmungen gegen ihre jüngeren Mitmenschen zwischen 18 und 30 Jahren durch, schreibt Studienautor Lukas Rühli. Zwischen den beiden Altersgruppen lagen die Abstimmungsresultate seither durchschnittlich 12,7 Prozentpunkte auseinander. Und die Kluft wird grösser: Zwischen 2020 und 2024 waren es 15 Prozentpunkte.

Das grosse Gewicht der Alten hat auch damit zu tun, dass ein beträchtlicher Anteil der Schweizer Bevölkerung über kein Stimmrecht verfügt. Bei der volljährigen Bevölkerung liegt das mittlere Alter aktuell bei 49,5 Jahren. Werden aber nur Personen mit Schweizer Pass betrachtet, steigt es auf 53,5 Jahre.

Unter 30 geht nicht einmal ein Drittel an die Urne

Der tatsächliche Median des Alters der Urnengängerinnen und Urnengänger ist damit aber noch nicht erreicht. Denn besonders zwischen 70 und 79 Jahren scheint der Drang nach Mitbestimmung am grössten – mehr als 60 Prozent füllen ihr Wahlcouvert aus. Den Tiefpunkt erreicht er dagegen bei den 20- bis 30-Jährigen: Die Stimmbeteiligung ist dort nicht einmal halb so gross.

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«Die heutige Altersstruktur verschiebt das politische Gewicht systematisch hin zu den Präferenzen älterer Jahrgänge», so Rühli zu seinem Befund. Es sei auch zukünftig bei den Vorlagen, die an die Urne kommen, ein «Umverteilungsstrom» von Jung nach Alt zu erwarten – tendenziell also zu höheren Renten- und Gesundheitsausgaben statt Leistungen zugunsten von Arbeitnehmenden.

Geschlechtergraben bei Jung und Alt

Auffällig dabei: Die Frauen stimmen in jungen Jahren öfter ab als die Männer – im Alter kehrt sich dies um. «Das dürfte zu einem erheblichen Teil eine Folge des erst 1971 eingeführten Frauenstimmrechts sein», schreibt Studienautor Rühli.

Heisst: Wer nicht direkt von jungen Jahren her abstimmen konnte, macht es heute ebenfalls weniger. Gleichzeitig könnte dadurch die Stimmbeteiligung der älteren Frauen in den nächsten Jahren steigen, so die Studienautoren – und das Medianalter der Abstimmenden noch weiter in die Höhe steigen.

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Immerhin: Ab 2030 wird sich die Überalterung an der Urne zumindest stabilisieren. Dies jedoch bei einem Wert von 61 bis 62 Jahren, so die Schätzungen der Denkfabrik.

Einfache Lösungen gibt es nicht

Und was lässt sich nun dagegen unternehmen? Eher wenig, bilanziert die Analyse. Eine Senkung des Stimmrechtsalters sowie das Ausländerstimmrecht hätten wohl einen bescheidenen Einfluss auf die prozentuale Beteiligung. Und auch bei einer verstärkten politischen Bildung sei der Effekt schwierig einzuschätzen.

Sehr effektiv wäre dagegen der Stimmenzwang, also der obligatorische Urnengang. Nur: Für die liberale Denkfabrik ist dieser natürlich ein rotes Tuch. Noch abenteuerlicher wären zwei weitere Optionen: das Kinderstimmrecht und die Umgewichtung der Stimmen. Diese seien demokratiepolitisch wohl doch etwas zu heikel, so der Bericht.

Gar nicht abgeneigt ist die den Arbeitgebern nahestehende Organisation dagegen dem Vorschlag, das Rentenalter zu erhöhen. Was das gegen das steigende Medianalter bringt? Gar nichts. «Die durchschnittlich abstimmende Person bliebe jedoch länger im Erwerbsleben und hätte damit länger die Perspektive eines Erwerbstätigen statt eines Rentners», so Studienautor Rühli. Hier sorgt die Ideologie dann also doch für etwas gar viel Wunschdenken.

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