Darum gehts
- SRF erhält 16 Beschwerden nach abgebrochenem Porträt über Eishockey-Coach Patrick Fischer
- Fischer sprach beim Dreh über gefälschtes Covid-Zertifikat, Porträt wurde gestoppt
- Rund 300 Reaktionen, inklusive Drohungen gegen SRF-Journalisten, nach Berichterstattung
SRF hat diese Woche enthüllt, dass Eishockey-Trainer Patrick Fischer (50) 2022 ungeimpft mit einem gefälschten Covid-Zertifikat zu den Olympischen Spielen nach China gereist ist. Später wurde er wegen Urkundenfälschung verurteilt.
Durfte SRF über eine Information berichten, die Fischer bei einem Mittagessen ausgeplaudert hatte? Journalistisch ist die Antwort klar: Ja! Wie SRF-Ombudsfrau Esther Girsberger (64) gegenüber SonntagsBlick bestätigt, sind trotzdem bislang 16 formelle Beschwerden eingegangen.
Unter Corona-Leugnern brodelt es gewaltig: Nach der ersten Berichterstattung gingen bei SRF rund 50 Reaktionen ein, nach dem Verbandsentscheid schoss die Zahl um weitere 250 Zuschriften in die Höhe. Die Stimmung? Aufgeheizt. Die Rückmeldungen spiegeln laut SRF das wider, was sich auch auf Social Media und in Kommentarspalten entlädt. Auch gab es Drohungen gegen den SRF-Journalisten Pascal Schmitz. «Bedrohungen werden an unsere Abteilung Sicherheit zur weiteren Beurteilung weitergeleitet», teilt SRF mit.
Patrick Fischer kam selbst auf das Impfzertifikat zu sprechen
Auslöser ist ein Drehtag am 18. März im Raum Zürich. SRF arbeitete an einem «10 vor 10»-Porträt über Eishockey-Coach Patrick Fischer – bis ein Mittagessen alles veränderte. Mit am Tisch: Fischer selbst, Journalist Pascal Schmitz, ein Kameramann sowie der Medienchef des Eishockeyverbands.
Gregor Meier, TV-Nachrichtenchef von SRF, zu SonntagsBlick: «Beim Mittagessen haben sich die Anwesenden über Eishockey im Allgemeinen und die Verschiebung der geplanten Eishockey-WM in der Schweiz im Jahr 2020 auf das Jahr 2026 unterhalten. Und kamen so auf Peking 2022 zu sprechen. Patrick Fischer ist dann selbst auf das Thema Impfen und das Impfzertifikat zu sprechen gekommen und hat die Geschichte von sich aus erzählt.»
SRF zieht Notbremse
Danach zog SRF die Notbremse – das geplante Porträt über Patrick Fischer für die Sendung «10 vor 10» konnte so nicht gesendet werden. «Patrick Fischer ging oft unkonventionelle Wege. Das wollten wir aufzeigen und spürbar machen», sagt Gregor Meier. «Nach der Aussage von Patrick Fischer zum gefälschten Covid-Zertifikat rückte das natürlich in den Hintergrund. Es kam für uns nicht mehr infrage, ein Porträt über ihn zu senden, ohne zuerst den Vorfall rund um Peking zu klären.»