Als Céline Amaudruz im Mai 2023 im Westschweizer Fernsehen ihre Schwangerschaft öffentlich machte, lautete die erste Frage der Moderatorin, wie sie das mit dem Wahlkampf unter einen Hut bringen wolle. Amaudruz war damals Nationalrätin, Vizepräsidentin der SVP Schweiz, Präsidentin der Genfer Kantonalpartei und Vermögensverwalterin. Schwanger zu sein sei keine Krankheit, antwortete sie, sie sei nicht die erste Schwangere, die arbeite. Und da sei schliesslich auch noch ihr Mann.
Es war nicht die Bundesratsfrage. Aber es ist derselbe Reflex, der jetzt wiederkehrt, wo die Genferin als Mitfavoritin auf den Sitz von Guy Parmelin gilt. Bei Radio SRF hiess es, in der SVP gebe es kaum valable Kandidatinnen und Kandidaten aus der Romandie. Als Beleg folgte, Amaudruz habe zwei Kinder im Alter von einem und drei Jahren, «womit sehr fraglich ist, ob sie sich für eine Kandidatur zur Verfügung stellen will». Ob jemand will, sagt nichts darüber, ob jemand taugt. Hier wird das eine zum Beweis für das andere, bevor Amaudruz ein Wort gesagt hat.
Dass sich das Amt schlecht mit kleinen Kindern verträgt, sagen Männer durchaus selbst. Der damalige Mitte-Fraktionschef Philipp Matthias Bregy erklärte im Januar 2025 in der «NZZ am Sonntag», eine Kandidatur komme für ihn nicht infrage. Die ersten Lebensjahre seiner zwei kleinen Kinder erlebe er nur einmal. Nur: Gefragt hatte ihn danach niemand, er brachte es von sich aus ein. Was bei ihm eine Begründung war, ist bei ihr eine Prognose.
Céline Amaudruz hat noch nicht gesagt, ob sie kandidiert. Vielleicht sagt sie ab, und vielleicht nennt sie dann ihre Töchter als Grund. Das wäre ihr gutes Recht, so wie es Bregys gutes Recht war. Nur gehört dieser Satz ihr, und nicht uns.