Wald sieht schon aus wie im Herbst – Nationalrat besorgt
«Die Lage ist krasser als 2003»

Mitte-Nationalrat Stefan Müller-Altermatt ist besorgt über die Situation des Waldes. «Die Lage ist krasser als bei der Hitzewelle 2003.» Auch ein Waldforscher und ein Förster warnen vor den Folgen. Sie rechnen mit mehr Problemen in der Zukunft.
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Der Herbetswiler Wald im solothurnischen Jura weist aufgrund von Trockenheit und Hitze braune Stellen auf – im Juni ist das ungewöhnlich.
Foto: zVg

Darum gehts

KI-generiert, redaktionell geprüft
  • Nationalrat besorgt über braune Stellen im Wald
  • Blattverfärbungen bei Buchen bereits im Juni seien neu, erklärt Waldforscher
  • Förster warnt vor Gefahren durch Dürrholz
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Patrick GerberRedaktor Politik

Während unsereins bei einer Hitzewelle zu kühlen Getränken greift, bleiben Bäume und Pflanzen auf dem Trockenen. Das macht auch dem Biologen und Mitte-Nationalrat Stefan Müller-Altermatt (50) Sorgen. Der Herbetswiler Wald – der in seiner Wohngemeinde liegt – sehe schon jetzt aus wie ein Herbstwald, schreibt er auf Instagram. Zum «letzten und bisher einzigen Mal» sei das im Jahre 2003 der Fall gewesen – während einer Hitzewelle, die kollektiv im Gedächtnis blieb. 

«Das ging damals schon einige Jahre, bis sich der Wald wieder erholt hatte», sagt Müller-Altermatt zu Blick. Das Problem: «Die Auswirkungen der Hitzewelle 2003 auf den Wald sind in meiner Erinnerung weniger krass als jene von diesem Jahr».

«Trockenheit wirkt kumulativ»

Warum das der Fall ist, erklärt Joshua Huber, Kreisförster des Forstkreises Thal-Gäu, auf Anfrage. Der entscheidende Punkt sei, dass der Hitzeperiode 2003 kein Trockenjahr vorausgegangen sei. Grosse Effekte habe man hingegen im trockenen und heissen Jahr 2018 festgestellt, da der Wald bereits von 2015 vorbelastet gewesen sei. «Die Trockenheit im Wald wirkt kumulativ». Heute sei man in einer ähnlichen Situation wie 2018. 

Für Müller-Altermatt ist klar: «Am meisten Angst macht mir die Gefahr eines Waldbrandes». Vor knapp drei Jahren brach in der nahe gelegenen Wolfsschlucht ein solcher aus. Mehr als 100 Feuerwehrleute waren im Einsatz. Es brauche nur wenig, warnt er. «Ein einziger Zigarettenstummel oder eine Glasscherbe kann schon ausreichen». 

Bäume «bleiben in Folgejahren geschwächt»

Der Waldforscher Arthur Gessler von der eidgenössischen Forschungsanstalt Wald, Schnee und Landschaft erklärt gegenüber Blick die Lage. «Im Jura, wo die Böden häufig flachgründig sind, zeigen circa 50 Prozent der Bäume ein hohes oder sehr hohes Wasserdefizit». Sie seien bereits im Juni trockengestresst. Trockenheit und Hitze, die gleichzeitig wirken, könnten zu «irreversiblen Blattschäden» führen. 

Eine frühzeitige Blattverfärbung habe man schon im Hitze- und Trockensommer 2018 bei vielen Laubbäumen wahrgenommen. «Viele Bäume, die diese Symptome aufweisen, blieben in den Folgejahren geschwächt und einige starben ab», so Gessler. 

Zudem bestätigt Gessler die Beobachtung Müller-Altermatts: «Im Jura treten bereits jetzt – Ende Juni – erste Blattverfärbungen bei Buchen auf». Dass dieses Phänomen zu diesem Zeitpunkt auftrete, sei neu. 2018 seien solche Symptome erst mehr als einen Monat später beobachtet worden, ergänzt Huber. 

«Dürrholz ist sehr unberechenbar»

Wenn es den Wäldern nicht gut gehe, habe das negative Folgen für die gesamte Gesellschaft, erklärt Gessler. Sie übernähmen wichtige Funktionen fürs Klima, die Holzproduktion oder fungierten in Alpengebieten als Schutzwälder. 

Auch die Forstarbeit sei betroffen, so Huber. Diese sei früher «besser planbar» gewesen. Heute könne man nicht mehr so viel agieren, sondern müsse vermehrt reagieren. Ein Problem sei, dass abgestorbene Bäume für Waldbesuchende und Forstpersonal gefährlich werden könnten. «Dürrholz ist sehr unberechenbar». 

Künftig werde es aufgrund des Klimawandels «mit sehr hoher Wahrscheinlichkeit» mehr Hitzeperioden geben, so Gessler weiter. Die häufiger wiederkehrenden Extremereignisse machten eine Erholung schwieriger. «Baumarten, die heute in der Schweiz heimisch sind, werden an manchen ihrer heutigen Standorte nicht mehr überleben können.» 

«Die Schweiz darf sich nicht verstecken»

Es gebe aber auch Wege, um Wälder resilienter gegen Hitze zu machen. Grundsätzlich müsse man die Wälder diversifizieren, beobachten und standortgerecht handeln – also etwa die Wasserverfügbarkeit berücksichtigen. 

Auch Stefan Müller-Altermatt fordert Taten. Gegen die Schäden im Herbetswiler Wald könne man zwar punktuell wenig machen. «Das sind die Auswirkungen des Klimawandels». Man müsse vor allem dort ansetzen und Massnahmen ergreifen. «Die Schweiz darf sich nicht verstecken und sagen, dass sie sowieso nichts bewirken kann. Warum sollten die anderen Länder etwas verändern, wenn wir nichts machen?»

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