Entscheidung vertagt
Niemand erreicht im Jura das absolute Mehr

Die SVP hat weiterhin Mühe, in der Romandie Fuss zu fassen: In Genf scheiterte der Angriff auf den Regierungsratssitz der Grünen am Sonntag deutlich. Zumindest im Jura darf ein Exil-Berner und Anti-Separatist noch hoffen – es kommt zum zweiten Wahlgang.
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In Genf hoffte die SVP, mit Kandidat Lionel Dugerdil in die Regierung einzuziehen. Daraus wurde nichts.
Foto: keystone-sda.ch

Darum gehts

  • SVP erreicht mittlerweile national über 30 Prozent Wähleranteil
  • Fred-Henri Schnegg hofft auf SVP-Sitz in der jurassischen Exekutive, Angriff in Genf scheitert
  • Wahlbeteiligung im Jura lag bei 41,5 Prozent, in Genf 32,3 Prozent
Joschka Schaffner Ringier
Joschka SchaffnerRedaktor Politik

Die SVP scheint aktuell unaufhaltbar. Laut aktuellstem Wahlbarometer, das die Forschungsstelle Sotomo regelmässig im Auftrag der SRG durchführt, hätte die Rechtspartei mittlerweile einen Wähleranteil von über 30 Prozent – ein noch nie erreichter Höchstwert.

Besonders in der Deutschschweiz reitet die SVP auf der Erfolgswelle. In der Romandie war davon bisher wenig zu spüren – besonders in den Regierungen. Am Sonntag versuchte die Partei dies gleich doppelt zu ändern. In Genf misslang der Angriff. Bei den Wahlen im Jura ist die Entscheidung noch offen: Niemand der Kandidierenden erreichte das absolute Mehr.

Exil-Berner kann weiter hoffen

Ausgerechnet ein Exil-Berner und Anti-Separatist kann also weiterhin auf einen Sitz in der fünfköpfigen jurassischen Exekutive hoffen: Fred-Henri Schnegg (60), Bruder des Berner Gesundheitsdirektors Pierre Alain Schnegg (62), landet nach dem ersten Wahlgang mit 5869 Stimmen auf dem sechsten Platz. Der ehemalige Berner Grossrat machte sich im Nachbarkanton als Staatsangestellter einen Namen. Er übernahm das kantonale Volksschulamt in einer Krise – und sorgte für Ruhe. Damit konnte er bis nach links Sympathien gewinnen.

Schnegg konnte dabei auch auf die Gemeinde zählen, die er als Separatisten-Gegner eigentlich stoppen wollte: Zum ersten Mal durfte Moutier nach dem Kantonswechsel von Bern in den Jura an den Wahlen mitbestimmen. In der Kleinstadt ist die SVP stärker als im restlichen Kanton.

Skandal-Regierungsrat auf drittem Platz

Die Ausgangslage war verworren: Ganze 18 Kandidierende wollen einen der fünf Sitze ergattern. Nicht nur Schnegg sorgte dabei für Schlagzeilen. Bildungsdirektor Martial Courtet (49) – bisher Schneggs direkter Vorgesetzter – trat die Wiederwahl als Unabhängiger an. Auf Druck des Vorstands der Mitte hatte er sich von der Parteiliste zurückgezogen. Grund war ein Untersuchungsbericht, laut dem der Bildungsdirektor in seinem Departement ein Klima der Angst und des Misstrauens geschaffen habe.

Courtet eroberte mit 7568 Stimmen dennoch locker den dritten Platz. Davor liegen die beiden Bisherigen: Rosalie Beuret Siess (SP) mit 11'435 Stimmen und Stéphane Theurillat (Mitte) mit 10'193 Stimmen. Die Wahlbeteiligung lag bei 41,5 Prozent – sechs Prozent weniger als noch vor fünf Jahren. Der zweite Wahlgang findet am 9. November statt.

Kann Schnegg dann seinen Rückstand noch aufholen, wäre er ab dann der einzige SVP-Regierungsrat in einem vollständig französischsprachigen Kanton. Ansonsten hat die Partei in der Westschweiz nur im Wallis und in Freiburg Sitze in der Exekutive.

Grüne können Genfer Sitz halten

Auch im Kanton Genf schnupperte die SVP an der Sensation. Nach dem Rücktritt von Grünen-Staatsrat Antonio Hodgers (49) kam es dort zu Ersatzwahlen. Im ersten Wahlgang im September trennten den designierten Kandidaten und Grünen-Nationalrat Nicolas Walder nur rund 5500 Stimmen von SVP-Herausforderer Lionel Dugerdil (44).

Im zweiten Wahlgang vom Sonntag konnte Dugerdil denn Rückstand aber nicht wettmachen. Walder erhielt 45'249 Stimmen und damit erneut über 5000 Stimmen mehr. Die Wahlbeteiligung lag bei 32,3 Prozent.

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