Ungewöhnlicher Wahlkampf um Bezirksrichteramt
FDP gegen FDP an der Goldküste

Gleich zwei Freisinnige treten in Meilen gegeneinander an. Der Streit um die Nachfolge der FDP-Richterin spaltet die Partei – dabei hätte die Wahl geräuschlos über die Bühne gehen können.
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Am 27. September treten gleich zwei FDP-Mitglieder für die Wahl um das Bezirksrichteramt an.
Foto: Philippe Rossier

Darum gehts

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  • FDP-Meilen nominiert zwei Kandidaten fürs Bezirksrichteramt, Wahl am 27. September
  • Ewa Szczogiel erhält Unterstützung aller Parteien trotz FDP-Nominierung für Roger Büchi
  • Bezirksgericht Meilen: 9 Richterinnen, 3 Richter; Geschlechterfrage als Streitpunkt
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Riccarda CampellRedaktorin Politik

Der Wahlkampf um das Bezirksrichteramt sorgt in Meilen ZH für Aufsehen: Am 27. September treten gleich zwei FDP-Mitglieder an, und zwar als Konkurrenten. Das berichtet die «NZZ».

Der Anwalt Roger Büchi (45) bezeichnet sich auf seiner Website als «offiziellen Kandidaten der FDP». Doch auch seine Konkurrentin, Ersatzrichterin Ewa Szczogiel (34), wird von prominenten Freisinnigen zur Wahl empfohlen, darunter alle FDP-Kantonsräte des Bezirks. Hinter ihr stehen zudem sämtliche anderen Parteien. Die Frage bleibt: Warum spaltet sich die FDP ausgerechnet hier – und das nur wenige Monate vor den Kantonsratswahlen?

Nominierung eigentlich reine Formsache

In beiden Lagern wird die Geschichte laut «NZZ» ähnlich erzählt: Führende FDP-Politiker im Bezirk gingen zunächst davon aus, dass Szczogiel sowieso nominiert werden würde. Schliesslich arbeitet sie seit Jahren als Ersatzrichterin und leitende Gerichtsschreiberin am Bezirksgericht.

An der Nominationsversammlung kam es dann aber anders: Szczogiel setzte sich zunächst nur hauchdünn gegen Büchi durch. Die Abstimmung wurde dann zudem angefochten, weil die anwesenden Kantonsparlamentarier nicht stimmberechtigt waren. Bei der Wiederholung gewann schliesslich Büchi. Die Parteispitze erwog daraufhin, beide Kandidaten zu empfehlen. Auch dieser Kompromiss scheiterte. Am Ende nominierte die FDP allein Büchi.

Die anderen Parteien wussten inzwischen von der zweiten Kandidatin. Anders als üblich folgten sie deshalb nicht der FDP-Empfehlung, sondern hörten beide an. Szczogiel überzeugte dabei laut «NZZ» mehr, vor allem dank ihrer langjährigen Erfahrung am Gericht.

Zweifel an Büchis Erfahrung

Büchi war zwar ebenfalls als Ersatzrichter am Bezirksgericht tätig. Seine Kritiker sagen jedoch, er habe dort nur wenige Fälle übernommen. Zudem fehle ihm Erfahrung im Familienrecht, das am Bezirksgericht Meilen besonders gefragt ist. Auch sein Wechsel vom gut bezahlten Anwaltsberuf ins weniger lukrative Richteramt gab zu reden.

Der Anwalt weist diese Zweifel gegenüber der «NZZ» zurück. Er sei über mehrere Jahre regelmässig als nebenamtlicher Ersatzrichter tätig gewesen, auch in familienrechtlichen Verfahren. Aus seinem Lager wird zudem darauf verwiesen, dass am Bezirksgericht heute neun Richterinnen drei Richtern gegenüberstehen.

Szczogiels Unterstützer halten diese geschlechtliche Frage für irrelevant. Für Befremden sorgte bei ihnen vielmehr, dass Szczogiel bei der FDP-internen Befragung auf ihr kleines Kind angesprochen wurde.

Am Ende geht es um die Frage, ob die FDP den besten Kandidaten nominiert hat. Was die Wählerinnen und Wähler davon halten, wird sich Ende September zeigen.


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