Darum gehts
- CSS-Chefin verdiente 2025 fast eine Million Franken
- Bundesrat unterstützt Vorstoss gegen hohe CEO-Löhne
- Durchschnittlich 24 Prämienrappen pro Monat für CEO-Löhne
998'611 Franken – so viel verdiente die Ende 2025 abgetretene CSS-Chefin Philomena Colatrella (57) letztes Jahr. Sie war damit Spitzenreiterin aller Krankenkassen-CEOs, aber keineswegs mit grossem Abstand: Hinter Colatrella knackten auch Helsana-Chef Roman Sonderegger (53) sowie Sanitas-Boss Andreas Schönenberger (61) beinahe die Million.
Das stört mittlerweile auch den Bundesrat: Wie er am Mittwoch mitteilte, unterstützt er einen Vorstoss von SP-Ständerat Baptiste Hurni (40, NE), der die Entschädigungen der Krankenkassen-CEOs deckeln will. Damit scheint die Landesregierung vordergründig gegen Lohn-Exzesse bei den obligatorischen Krankenversicherungen vorgehen zu wollen. Nur: An der hohen Lohnsumme der Gesundheitsbosse wird dies aller Voraussicht nach gar nichts ändern.
Zusatzgeschäfte sind ausgenommen
Es lohnt sich nämlich, einen Blick in die Packungsbeilage zu werfen: Die Massnahme richtet sich nur an die Entschädigungen aus Tätigkeiten im Bereich der obligatorischen Krankenpflegeversicherung (OKP). Die Krankenversicherer separieren die Löhne ihrer Chefs bereits zwischen der OKP und den Einnahmen aus dem weiteren Geschäft, etwa mit Zusatzversicherungen.
Der zweite Teil wird auch bei einem Entschädigungsdeckel weiterhin massgeblich zur hohen Entschädigung beitragen. «Schlussendlich geht es bei der Gesetzesänderung nicht darum, solche Lohnsummen zu senken», sagt Initiant Hurni zu Blick. «Es soll aber deutlich werden, dass nicht zu viel Geld aus der obligatorischen Versicherung verwendet werden darf.»
Entschädigungen sorgen für wenig Prämienlast
Auf die Prämienlast hat das erstmal kaum direkte Auswirkungen, weiss auch Hurni. Laut dem Bundesrat musste der durchschnittliche Prämienzahler letztes Jahr gerade einmal 24 Rappen pro Monat für die CEO-Entschädigungen aufwenden. «Es geht um ein Signal», sagt Hurni. «Wir wollen aufzeigen, dass wir dieses System kontrollieren können.»
Sowieso sei ein solcher Deckel einfach zu kontrollieren, so Hurni. Bereits heute müssen die Krankenversicherer den OKP-Anteil ihrer Entschädigungen dem Bund melden. Heisst: Die Zahlen wären bereits da.
Dennoch warnen Kritikerinnen und Kritiker vor einem ungerechtfertigten administrativen Aufwand – so auch der Bundesrat. Denn geht es nach der Gesundheitskommission des Nationalrates, sollen die Höchstentschädigungen an die Teuerung angepasst werden und sowohl die Grösse als auch die Wirtschaftlichkeit der Versicherer berücksichtigen.
Bundesratslohn als Wegweiser
Die Landesregierung will es deshalb lieber einfacher: Der Lohndeckel könnte sich ja beispielsweise auf den Lohn eines Bundesrates belaufen, schlägt sie vor. Damit würde auch der Teuerungsausgleich gleich mitberücksichtigt.
Aktuell wären dies also jährlich 478'166 Franken, die ein Krankenkassen-Chef aus der OKP schöpfen dürfte. Ein Blick in die Zahlen zeigt: Letztes Jahr überstieg im obligatorischen Bereich nur die Entschädigung von Sanitas-CEO Schönenberger diesen Wert – um gerade mal 21'834 Franken.
Für sein Unternehmen wird es wohl ein leichtes Spiel sein, diese Summe zukünftig aus dem restlichen Geschäft abzubuchen. Der Lohnwucher wird also nicht so rasch enden. «Natürlich wäre ein gesamthafter Lohndeckel noch viel besser», sagt Hurni. Das wäre dann jedoch ein privatwirtschaftlicher Eingriff – und somit kaum realistisch.